Brühl: Corona-Impfung in einem der größten deutschen Seniorenheime kurzfristig abgesagt

Außenansicht des Seniorenheims Haus Wetterstein

Brühl: Corona-Impfung in einem der größten deutschen Seniorenheime kurzfristig abgesagt

Von Oliver Köhler

Im Haus Wetterstein in Brühl ist die geplante Corona-Impfung überraschend abgesagt worden. Eigentlich sollten 600 Senioren und 200 Mitarbeiter geimpft werden.

Im Haus Wetterstein in Brühl sind viele der der rund 600 Bewohner enttäuscht und verärgert. „Wir leben hier in einem der größten Seniorenheime Deutschlands. Und da sagt man uns einfach so die Corona-Impfung ab. Das ist eine Katastrophe“, sagt Hildegard Offermanns. Sie ist die Sprecherin der Heimbewohner.

30 Ärzte, Apotheker und Krankenpfleger standen bereit

Eigentlich sollten gestern etwa 600 Bewohner und 200 Mitarbeiter des Hauses eine Corona-Impfung bekommen. Der Termin war in der vergangenen Woche vom Leiter der Senioreneinrichtung Michael Penning angekündigt worden.

Penning hatte alle Bewohner gebeten am 18. Januar ab 10 Uhr in ihren Zimmern zu sein. „Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung hatten uns gebeten, alles für den Impftermin vorzubereiten.

Viele unserer Senioren haben andere Arzttermine oder sogar Operationen abgesagt, um hier die Impfung bekommen“, sagt Penning. 30 Ärzte, Apotheker und Krankenpfleger hätten zur Verfügung gestanden, um die Senioren in ihren Zimmern impfen zu können.

Heim stand nicht mehr auf der Liste

Am vergangenen Wochenende bekam Penning dann die Information, dass aus dem groß angelegten Termin nichts wird.

Problem: am vergangenen Freitag war die Verantwortung für die Zuteilung dem Impfdosen von der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Rhein-Erft-Kreis übergegangen.

Der Rhein-Erft-Kreis habe von der Kassenärztlichen Vereinigung Listen für die vorgesehenen Senioreneinrichtungen bekommen. Das Haus Wetterstein sei aber auf der am vergangenen Freitag übermittelten Liste „ nicht für die Impfung vorgesehen“, heiß es dazu in einer schriftlichen Erklärung des Rhein-Erft-Kreises.

Keine Impfung für Senioren im „Betreuten Wohnen“

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Rhein-Erft-Kreis Christian Denfeld hat der Lokalzeit telefonisch erklärt, das Seniorenwohnheim gehöre nicht zu den Einrichtungen, die laut Impfverordnung zuerst berücksichtigt werden sollen.

Denn es handele sich bei dem Heim nicht um eine Einrichtung der stationären Pflege, sondern nur um betreutes Wohnen. Und das so genannte Servicewohnen stehe nicht auf der Liste der Einrichtungen, in denen bevorzugt geimpft werden soll.

Die Sprecherin der Bewohner, Hildegard Offermanns, kann das nicht nachvollziehen. „Fast alle hier bekommen täglich Besuch von Pflegern, von Ärzten. Wir sind hier doch in diesem Haus mit 600 Bewohnern einer großen Gefahr ausgesetzt. Wo ist da der Unterschied zu anderen Seniorenheimen?“

Rhein-Erft-Kreis will Aufklärung von Gesundheitsminister

Auch Leiter Michael Penning kann die Gründe für die Ansage des Impftermins nicht einsehen: „ Wir hatte hier im letzten Frühjahr einen Corona-Ausbruch, bei dem 10 Bewohner gestorben sind. Wir sind hier mitten in der Brühler Innenstadt. Unsere Bewohner gehen in der Stadt spazieren. Die Gefahr, dass sich Bewohner infizieren und sich Corona hier ausbreitet ist groß. Deshalb wäre eine Impfung dringend notwendig.“.

Immerhin hat der Rhein-Erft-Kreis jetzt das Düsseldorfer Gesundheitsministerium um Aufklärung gebeten, wie künftig mit Seniorenwohnheimen zu verfahren sei, in denen die Menschen im betreuten Wohnungen und nicht in Pflegezimmern untergebracht sind.       

Stand: 19.01.2021, 15:08