Vor 50 Jahren: Das Zugunglück in Radevormwald

Vor 50 Jahren: Das Zugunglück in Radevormwald 03:55 Min. Verfügbar bis 28.05.2022

Vor 50 Jahren: Das Zugunglück in Radevormwald

Es war der 27. Mai 1971: Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule waren nach einer Klassenfahrt auf dem Rückweg nach Radevormwald. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Dahlerau stieß ihr Schienenbus mit einem Güterzug zusammen. 46 Menschen, darunter 41 Kinder, kamen ums Leben.

Auf der eingleisigen Strecke von Wuppertal nach Radevormwald stieß ein Schienenbus in einer Kurve mit einem Güterzug zusammen. Insgesamt 71 Personen befanden sich in dem Zug. 46 Menschen starben, darunter 41 Schulkinder. Der ganze Ort stand damals unter Schock. Bis heute gilt das Unglück als eines der schlimmsten Katastrophen in der deutschen Eisenbahngeschichte.

Tragisches Ende eines Schulausflugs

Zugunglück

Dietmar Busch hat die Unfallstelle 50 Jahre nicht besucht.

Dietmar Busch war einer der ersten am Unglücksort. Der Feuerwehrmann war damals erst 19 Jahre alt. Er habe den sehr lauten Knall durch das ganze Tal gehört. "Den ersten Augenzeugen bot sich ein grauenhaftes Bild. In einem Gewirr von Stahl und Holz schrien Menschen, waren verletzt, rührten sich nicht mehr, waren tot“, erinnert sich Dietmar Busch. "Und im ersten Durcheinander wurden alle in die umliegenden Krankenhäuser geschafft."

Zugunglück

Monika Zierden hat das Zugunglück überlebt.

Die Klassen 9a und 9b der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Radevormwald kamen von einem Tagesausflug aus Bremen zurück. Monika Zierden gehörte dazu. Sie saß mit anderen Mitschülerinnen in dem zweiten Wagon des Schienenbusses. Den Aufprall hatte sie selbst nicht mitbekommen. Erst im Krankenhaus erzählte ihr die Mutter einer Freundin, was genau geschehen ist, dass es viele Tote gegeben habe.

"Es spielten sich erschütternde Szenen ab"

Ihre Erinnerungen an die ersten Momente im Krankenhaus sind bis heute traumatisierend: „Das Krankenhaus in Radevormwald hat die ersten und die meisten Verletzten aufgenommen. Hier spielten sich noch im Laufe der Nacht erschütternde Szenen ab, als Eltern ihr Kind suchten und nicht fanden.“ Hilfe für die Überlebenden mit der Katastrophe klar zu kommen, gab es damals noch nicht.

Zugunglück

Feuerwehrmann Ernst Halbach war damals vor Ort.

Auch der Feuerwehrmann Ernst Halbach war damals vor Ort. Er hatte schon einiges gesehen. Doch das Zugunglück überforderte auch ihn: „Diese vielen Kinder und diese vielen Särge, da habe ich lange zu kämpfen gehabt, um das loszuwerden. Ich bin fast jeden Abend in den Kollenberg gelaufen und hab meine Runden gedreht, bis ich den Kopf frei hatte. Ich habe auch mit meiner Familie kaum darüber gesprochen, ich wollte die damit nicht belasten“.

Ursache: menschliches Versagen

Ein altes Bahnhofsgebäude an einer stillgelegten Eisenbahnstrecke.

Bahnhof Dahlerau

Die Unglücksursache war menschliches Versagen. Doch die Schuldfrage bleibt bis heute offen. Der Schienenbus hatte zum Unfallzeitpunkt etwa 30 Minuten Verspätung. Die Verspätung erforderte die Planung einer Zugkreuzung mit einem in der Gegenrichtung planmäßig verkehrenden Güterzug. Der Fahrdienstleiter hatte vergeblich versucht, die Lok zu erreichen, rief im fünf Kilometer entfernten Beyenburg an, um den Sonderzug dort aufhalten zu lassen. Der Schienenbus war jedoch schon in Richtung Dahlerau weitergefahren.

Beide Züge befanden sich nun auf demselben Gleis und fuhren aufeinander zu, ohne dass sich zwischen ihnen noch Signale befanden, mit denen sie hätten aufgehalten werden können. Da niemand das Lokpersonal nicht über Funk erreichen konnte, war der Unfall nicht mehr zu verhindern. Etwa 800 Meter hinter dem Bahnhof Dahlerau stießen die beiden Züge hinter einer Kurve zusammen. Damit hat sich der 27. Mai 1971 für immer bei den Menschen in Radevormwald eingebrannt.

Gedenkveranstaltung in Radevormwald

Am Donnerstag (27.05.2021) findet auf dem Kommunalfriedhof in Radevormwald eine Gedenkveranstaltung statt. Sie wird in mehrere Kirchen der Stadt übertragen. Als Vertreter der NRW-Landesregierung wird Innenminister Herbert Reul teilnehmen und eine Rede halten.

Stand: 28.05.2021, 11:26