40 Jahre Biber in der Eifel

Ein Biber nagt an einem Zweig in einem flachen Gewässer

40 Jahre Biber in der Eifel

Von Ulrike Zimmermann

Die Rückkehr des Bibers ist eine Erfolgsgeschichte für den Natur- und Artenschutz. Diese Bilanz ziehen das Regionalforstamt und die Biologische Station im Kreis Düren. Vor genau 40 Jahren, am 25. Oktober 1981, waren in der Eifel 3 Biberpärchen ausgewildert worden.

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Biber ausgerottet. Man hatte ihn gejagt wegen seines warmen Fells und weil sein Drüsensekret zur Reviermarkierung als heilsam galt.

Devisen mussten her

Die passenden Biber zu beschaffen, war damals ein kleines Abenteuer. In Polen war man fündig geworden. 2.000 US-Dollar pro Tier mussten bar gezahlt werden, erzählt Gerhard Naumann, vor 40 Jahren Referent für Landesplanung und Naturschutz in der Höheren Forstbehörde Rheinland in Bonn.

Mit Wasserbottichen über die Autobahn

Ein Wildbiologe und ein Mitarbeiter brachten die Tiere in einem Auto mit Anhänger von der polnischen Aufzuchtstation in den Hürtgenwald. Biber müssen regelmäßig koten können, sonst bekommen sie oft tödliche Koliken, erklärt Naumann. "Das tun sie aber grundsätzlich nur im Wasser. Also wurden große Bottiche und genügend Wasservorräte mitgenommen, um das zu ermöglichen - irgendwo auf einem Autobahnparkplatz und mitten in der Nacht."

Drei künstlich angelegte Biberbauten

Wehebachtalsperre zwischen Hürtgenwald im Kreis Düren und Stolberg

Eine wasserreiche Landschaft: der Hürtgenwald

Die Tiere wurden in drei künstlich angelegten Biberbauten im Hürtgenwald angesiedelt. Mit Erfolg. Eifrig vermehrten sich die Tiere. Aus dem Flusssystem der Rur sind die Biber nicht mehr wegzudenken. Heimisch sind sie mittlerweile zum Beispiel auch an der Maas, an der Inde und an der Wurm.

Mittlerweile gibt es in NRW mehr als 1.200 Biber, auch welche, die aus Wiederansiedlungsprojekten in den Niederlanden, Niedersachsen und Hessen eingewandert sind, sagt der Biologe Lutz Dalbeck.

Der Biber – ein "Ökosystem-Ingenieur"

Auf den Spuren der Biber in der Eifel

Wertvoll für die Natur: Biberdämme

Durch die Dämme, die die Biber bauen, schaffen sie ökologisch wertvolle Teiche – Lebensraum für Molche, Frösche, Libellen und seltene Tierarten wie die Gelbbauchunke. Diese Biberteiche schützen zugleich als eine Art Regenrückhaltebecken vor Hochwasser. Ganze Bachtäler haben die Biber nach ihren Bedürfnissen umgebaut, zum Nutzen von Mensch und Natur, sagen Biologen und Naturverbände.

Verstopfte Rohre und Zuflüsse

Ein Biber schaut scheinbar hungrig zu jungem Pflanzenwuchs, der durch einen Drahtzaun geschützt ist.

Nagebarrieren aus Drahtgitter helfen

Mit der Ausbreitung nahmen allerdings auch die Beschwerden zu, berichtet der ehemalige Forstrevierleiter Dieter Fink. Die Liste ist lang: gefällte Obstbäume, verstopfte Rohre und Abflussgräben, untergrabene Dämme, Deiche und Brückenpfeiler, Fischteiche, die von Bibern "verbessert" wurden. "Das Besänftigen der Gemüter sowie Anleiten zur Vermeidung von Biberschäden war über Jahre angesagt."

Mit dem Biber in die Zukunft

Biberexperte Gerhard Schwab aus Südbayern, der bei der Ausbildung von Biber-Beauftragten in NRW mitgeholfen hat, sagt mit Blick auf mehr Artenvielfalt und mehr Wasserrückhalteflächen: "Wir sollten den Biber für uns arbeiten lassen, wo immer möglich. Biber sind ans Gewässer gebunden und können allenfalls 5% unserer Flächen überhaupt besiedeln." Und wo es mal nicht gehe, habe das Biber-Management Lösungen. 

Stand: 25.10.2021, 09:43