Fünf Jahre nach dem Tod von Niklas Pöhler

Niklas P. - Vor 5 Jahren zusammengeschlagen Lokalzeit Live 06.05.2021 04:03 Min. Verfügbar bis 06.05.2022 WDR Bonn

Fünf Jahre nach dem Tod von Niklas Pöhler

Von Jörg Stolpe

Wochenlang diskutierte ganz Deutschland über die Tat: Nach einer tödlichen Attacke auf den 17-jährigen Niklas in Bonn-Bad Godesberg erregte der Fall bundesweit Aufmerksamkeit, weil Rechtsextreme versuchten daraus Kapital zu schlagen.

Fall Niklas - Tatort

Am 6. Mai 2016, einem Freitagabend, ist Niklas auf dem Rückweg von einem Open-Air-Konzert. In der Nähe des Bad Godesberger Bahnhofs geraten er und seine Freunde in einen Streit mit anderen Jugendlichen. Niklas wird dabei so schwer verletzt, dass er Tage später im Krankenhaus stirbt. Der Hauptverdächtige wird später freigesprochen.

Der Stadtteil Bad Godesberg nach der Tat

Die Polizei reagiert sofort und schickt verstärkt Streifen durch die Straßen, obwohl Bad Godesberg nicht als Kriminalitätsschwerpunkt gilt. „Wenn die Menschen sich nicht mehr sicher fühlen, müssen wir handeln“, erklärt der damalige Oberbürgermeister Ashok Sridharan den Polizeieinsatz.

Ist das frühere Diplomatenviertel ein sozialer Brennpunkt? fragen wir den Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. „Das nicht“, meint der, “aber der Fall Niklas Pöhler zeigt die ganze Komplexität sozialer Spannungen in unserer Gesellschaft.“  Picken war damals Pfarrer in Bad Godesberg und Seelsorger der Familie von Niklas. 

Große soziale Unterschiede in Bad Godesberg

In dem Viertel prallen soziale Unterschiede und verschiedene Kulturen aufeinander. Auf der einen Seite das vornehme Villenviertel, in dem früher viele Botschaften untergebracht waren. Auf der anderen Seite Sozialbauten, in denen vorwiegend Menschen mit Migrationshintergrund leben.

Riesiges Medieninteresse am Gerichtsprozess

Die Aufmerksamkeit für den Fall Niklas wird immer größer, auch weil rechte Gruppen ihn für ihre Botschaften nutzen. Für sie steht schnell fest, dass der Täter einen Migrationshintergrund hat. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten unter Hochdruck und nehmen schließlich einen Hauptverdächtigen fest. Der ist polizeibekannt und hat tatsächlich einen Migrationshintergrund. Das Medieninteresse an dem Verfahren ist riesig.

Freispruch für den mutmaßlichen Täter

Diese Konstellation, ein deutsches Opfer und ein Verdächtiger mit Migrationshintergrund, hat zu der Hysterie geführt,“ meint Rechtsanwalt Martin Kretschmer. Er verteidigt den Angeklagten vor Gericht. Der junge Mann wird freigesprochen. Die Zweifel an seiner Täterschaft waren zu groß. Auch fünf Jahre nach der Tat gibt es keinen verurteilten Täter.

Urteil im Prozess Niklas P. Lokalzeit aus Bonn 03.05.2017 04:58 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Der Fall des 17-Jährigen bewegt die Menschen in Bonn immer noch

Der Fall Niklas hat Diskussionen angestoßen, die bis heute andauern: Über Integration, über Gewaltprävention und über das Sicherheitsempfinden der Bürger.  

Stand: 06.05.2021, 16:23