Contergan-Opfer klagen auf Anerkennung von Gefäßschäden

Eine Originalpackung des Medikaments Contergan

Contergan-Opfer klagen auf Anerkennung von Gefäßschäden

  • Contergan-Opfer fordern Anerkennung von Gefäßschäden
  • Fünf neue Klagen vor dem Verwaltungsgericht Köln
  • Contergan-Stiftung hält Klagen für nicht gerechtfertigt

Missbildungen an Armen und Beinen sind als Schädigungen des Medikaments Contergan bekannt - nun klagen Betroffene auch auf die Anerkennung von Gefäßschäden. Vor dem Verwaltungsgericht Köln werden seit Dienstag (28.05.2019) fünf Verfahren dazu behandelt.

Die Betroffenen sprachen unter anderem von fehlenden und verdrehten Arterien, was zu Beschwerden führe. Eine Studie der Universität Heidelberg hat viele Informationen über die Gefäßschäden zusammengetragen.

Gefäßschäden laut Stiftung nicht erwiesen

Die Contergan-Stiftung, die die Verteilung staatlicher Gelder an die Betroffenen regelt, hält die Klagen für nicht gerechtfertigt. Sie vertritt den Standpunkt, dass es entweder nicht erwiesen ist, dass die Gefäßschäden auf das Medikament zurückgehen, oder die Schäden bereits durch finanzielle Zuwendungen abgedeckt werden.

Allein in Deutschland 5.000 Contergan-Geschädigte

Das Schlafmittel Contergan war 1957 von der Firma Grünenthal auf den Markt gebracht worden. Viele werdende Mütter nahmen es ein, weil es auch gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10.000 Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt.

In Deutschland allein waren es ungefähr 5.000. Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 die Stiftung zur finanziellen Unterstützung der Betroffenen gegründet. Der Sitz ist in Köln.

Betroffener: Auch Herzinfarkte schwer zu behandeln

Neben den bekannten Schädigungen - zum Beispiel verkürzte Beine und Arme - leiden viele Menschen auch unter Problemen ihrer Blutgefäße. Sie sind in vielen Fällen verkürzt oder schlichtweg nicht vorhanden. Das schafft nicht nur Probleme beim Messen von Blutdruck oder bei der Blutabnahme.

Auch Herzinfarkte seien schwer zu behandeln, so ein Betroffener. Ursache sei der Wirkstoff von Contergan, sagen Mediziner. Thalidomid zerstöre ganz junge Blutgefäße. Ohne Blutgefäße könnten sich Arme, Beine und andere Organe im Embryo nicht richtig entwickeln.

Stand: 28.05.2019, 17:58