Niedrigwasser-Folgen: Stresstest für Natur und Wirtschaft

Flusspegel sinken weiter Aktuelle Stunde 17.10.2018 03:20 Min. Verfügbar bis 17.10.2019 WDR

Niedrigwasser-Folgen: Stresstest für Natur und Wirtschaft

  • Schiffe fahren nur mit halber Ladung
  • Nachschub an Kohle und Sprit fehlt schon
  • Vögel finden weniger Nahrung an ausgedörrten Ufern

Der Rhein führt wenig Wasser in diesen Tagen - vertrocknete Uferbereiche prägen seit Monaten das Bild des längsten deutschen Flusses. Das Niedrigwasser ist die Folge der monatelangen Dürre. Sie hat dazu geführt, dass der Rhein-Pegel an mehreren Orten in NRW Rekordtiefstwerte erreicht hat.

Nur zur Hälfte beladen

Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) können größere Schiffe teilweise nur noch halb beladen auf dem Rhein fahren. In Essen kam es deshalb laut Mineralölverband an einzelnen Tankstellen zu Nachschubproblemen - manche Spritsorten waren ausverkauft.

Trockenheit - Wo kommt das Wasser her?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 15.10.2018 05:23 Min. Verfügbar bis 15.10.2023 WDR 5

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Kohlefrachter betroffen

Ähnlich sieht es bei RWE aus. Der Energiekonzern kann das Steinkohlekraftwerk in Hamm nicht mit vollen Kohlefrachtern beliefern. Im Sommer war die Anlage für wenige Tage vom Netz genommen worden, weil es Probleme beim Kohlenachschub gab.

Es gibt aber nicht auf allen Wasserwegen Probleme. Zwischen Rotterdam und Duisburg ist die Schifffahrt laut WSV weniger beeinträchtigt als auf dem Mittelrhein. Das extreme Niedrigwasser hat die Schifffahrtsgesellschaft Köln-Düsseldorfer am Dienstag veranlasst, ihren Linienverkehr auf dem Rhein vorzeitig einzustellen.

Vögel finden schwer Nahrung

Die monatelange Dürre im Flussgebiet schränkt Vögel wie Kiebitze oder Uferschnepfen entlang des Rheins ein. Für die Tiere werde es schwer, Nahrung zu finden, sagt Biologe Thomas Chrobock vom NABU.

Etwas Entwarnung gibt es hingegen bei den Fischen: "Der wichtige Sauerstoff-Gehalt im Rhein ist durch eine kühlere Wasser- und Lufttemperatur wieder gestiegen", sagt Chrobock. Das im Sommer befürchtete Fischesterben ist nach Angaben des Rheinischen Fischereiverbands ausgeblieben.

Granaten und Bombe

Kriegsmunition im Rhein

Weltkriegsbombenfund im Rhein

Nachdem im trockenen Flussbett des Rheins mehrere Granaten und eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurden, rät die Stadt Bonn dringend dazu, den unbefestigten Uferbereich nicht zu betreten.

Die Granaten konnten noch am Abend vom Kampfmittelräumdienst entfernt werden. Die Bombe soll im Laufe des Morgens abtransportiert werden. Wegen des Niedrigwassers taucht immer wieder Kriegsmunition im Rhein auf.

Talsperren nur halb gefüllt

Auch die Talsperren in NRW werden immer leerer. Im Sauerland sind die Reservoirs derzeit nur rund zur Hälfte gefüllt. Zu dieser Jahreszeit haben sie so wenig Wasser wie seit den 1970er Jahren nicht mehr, so der Ruhrverband. Die beiden Talsperren der Gelsenwasser AG in Haltern etwa sind nur noch zu einem Bruchteil gefüllt. Am Haltener Stausee liegen Uferbereiche längst auf dem Trockenen.

Niedrigwasser legt Fundstücke frei

Der extrem niedrige Pegel des Rheins eröffnet neue Einblicke. Was sonst unter der Wasserlinie liegt, kann nun besichtigt werden.

"Fahrradleichen" im Rhein in Nähe der Hohenzollernbrücke.

Der niedrige Wasserstand fördert auch allerlei Müll zutage. In Köln wurden bei einer städtischen Reinigungsaktion in Nähe der Hohenzollernbrücke "Fahrradleichen" aus dem Rhein geborgen.

Der niedrige Wasserstand fördert auch allerlei Müll zutage. In Köln wurden bei einer städtischen Reinigungsaktion in Nähe der Hohenzollernbrücke "Fahrradleichen" aus dem Rhein geborgen.

Stand: 20.10.2018, 11:00

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