YouTube-Kanzler-Triell mit Rezo? Laschet sagt ab

YouTube-Kanzler-Triell mit Rezo? Laschet sagt ab

Der YouTuber Rezo hatte die Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen für eine gemeinsame Diskussion auf YouTube und Twitch angefragt. Doch Unions-Kandidat Armin Laschet will nicht.

Viele kennen ihn von seiner viral gegangenen Abrechnung mit der CDU "Die Zerstörung der CDU" und später auch für seine Kritik an der Corona-Schulpolitik. Jetzt wollte Youtuber Rezo mit Blick auf die Bundestagswahl ein neues Diskussionsformat umsetzen: ein Kanzlerduell - oder vielmehr ein Kanzlertriell (also ein Duell mit drei anstatt mit zwei Teilnehmern) - bei Youtube und auf der Streaming-Plattform Twitch.

Rezo im Youtube-Video: Laschet will nicht

Doch NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat ihm dafür abgesagt. Das erzählt Rezo in einem Video. Und das bestätigt dem WDR auch die CDU-Bundespartei: "Die CDU hat der Produktionsfirma für das Triell abgesagt", so ein Sprecher.

Geplant hatte Rezo eine 90-minütige Diskussionsrunde, an der neben Laschet auch die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, und der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz teilnehmen sollte. Auch die Grünen bestätigten auf WDR-Anfrage Rezos Einladung.

Digitalstratege: Laschet hat eine Chance vertan

Thomas Knüwer, Blogger und Digitalstratege aus Düsseldorf, hält die Absage Laschets für eine "riesige vertane Chance": "Es ist natürlich vollkommen klar. Da sitzen jetzt nicht die besten Kumpels von Armin Laschet. Aber Armin Laschet möchte Bundeskanzler werden. Und wenn er sich solch einer Diskussion, wo auch viele Gegner sind, entzieht, was will er dann auf internationaler Ebene machen? Was sagt denn das über ihn als Kanzler aus?"

Knüwer denkt, dass Laschet bei einer Teilnahme "unglaublich viel" hätte gewinnen können. "Weil Armin Laschet ja kein Unsympath ist. Der kommt ordentlich rüber vor der Kamera."

Idee kam vom Journalisten Tilo Jung

Annalena Baerbock, Arnim Laschet (zugeschaltet per Video) und Olaf Scholz auf der Bühne des Europa Forums.

Baerbock, Laschet (Mitte), Scholz beim WDR Europaforum

Das erste Triell der drei Kandidaten hatte es bereits im Mai beim WDR Europaforum gegeben. Das Besondere an Rezos Vorhaben: Es sollten nur wenige Themen besprochen werden, diese aber deutlich intensiver. Rezo hätte die Runde moderiert. Die Idee kam von dem Journalisten Tilo Jung. Es sollte dabei auch eine Zusammenarbeit mit der "Zeit" geben. YouTube und Twitch hatten ebenfalls Interesse für das Format signalisiert.

Rezo erzählt, SPD und Grüne seien bereit gewesen, unter der Voraussetzung, dass auch Armin Laschet dabei wäre. Wie Rezo sagt, habe er auch schon mit Laschet gesprochen. Drei Wochen später sei nun die Absage gekommen.

Rezo: "falsches Signal für jüngere Generationen"

Rezo hält das für eine "verpasste Chance". "Wenn man sich dann für diese Generationen basically, und das strahlt das, finde ich, aus, nicht mal einen Abend frei nimmt für den ganzen Wahlkampf, dann ist das, glaube ich, einfach ist das ein schlechtes Zeichen. Ich glaube, das setzt ein falsches Signal nach außen."

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Journalisten-Verband teilt Rezos Unverständnis

Rezo hält es für unverzichtbar, dass Politiker auf Plattformen gehen, auf denen jüngere Generationen sich viel aufhalten. So sieht es auch Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes. "Armin Laschet hat mit seinem Nein zu einem Triell von Rezo und Tilo Jung eine Chance vertan", sagte er dem WDR.

Laschet "hätte insbesondere junge Menschen erreicht, also diejenigen, die sich nur über die Social Media informieren", so Überall. "Außerdem schlagen sich solche Diskussionen in reichweitenstarken Netz-Auftritten auch in den traditionellen Massenmedien nieder und tragen so zum politischen Diskurs bei."

CDU entgegnet: "Viele digitale Formate" mit Laschet geplant

Der Sprecher der CDU-Bundespartei rückt die Absage in ein anderes Licht: Es gebe "eine Vielzahl an Medienanfragen an den Parteivorsitzenden". "Es sind neben TV-und Radioformaten viele digitale Formate für alle Zielgruppen von jung bis alt mit Herrn Laschet geplant."

Verständnis für Laschets Absage zeigt der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz. Auf Twitter schrieb er, für so ein Streitgespräch brauche man "neutrale Moderator:innen".

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Defensive Rolle für Laschet - aber Reichweite bei jungen Menschen

Florian Gregorzyk, Host beim WDR-Podcast 0630 und langjähriger YouTuber, beurteilt die Diskussion über Laschets Absage aus zwei Perspektiven: "Einerseits ist es verständlich, dass Armin Laschet sich in einer Show mit Rezo eher in einer defensiven Rolle befinden würde und deswegen vielleicht glaubt, dort nicht viel zu gewinnen zu haben.

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Andererseits hätten die drei Kandidat*innen - und so auch Armin Laschet - bei so prominenter Platzierung auf den beiden größten Livestream-Plattformen der Welt Millionen junger Menschen im Netz an nur einem einzigen Tag erreichen können."

Stand: 18.06.2021, 18:58

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