Online-Handel: Warum so viele Retouren im Müll landen

Online-Handel: Warum so viele Retouren im Müll landen

Von Jörn Seidel

  • Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf zu Retouren
  • Ziel: Online-Handel soll weniger Waren entsorgen
  • 2019 landeten 20 Millionen Retouren-Produkte im Müll

Kleidung, die nicht passt, Elektronik, die nicht gefällt: Für Online-Kunden ist es kinderleicht, Waren zurückzugeben. Oft werden Retouren allerdings vernichtet: Laut Forschern waren es etwa 20 Millionen Produkte im vergangenen Jahr in Deutschland.

Die Bundesregierung will diese Zahl verringern - und hat am Mittwoch (12.02.2020) einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele und welche Retouren landen im Müll?

Gemessen an den Retouren insgesamt, ist die Zahl der Produkte, die vernichtet werden, eher gering. 2019 seien geschätzt 500 Millionen Produkte zurückgeschickt worden, ein neuer Rekord, sagte Retouren-Forscher Björn Asdecker von der Uni Bamberg am Mittwoch (12.02.2020) dem WDR. Davon seien 3,9 Prozent vernichtet worden.

Grafik zu Retouren in Deutschland

Grafikbeschreibung für Screenreader: Das passiert mit Retouren

Die meisten Waren, die von Käufern zurückgeschickt werden, werden als A-Ware wiederverkauft (79 Prozent). Der Rest geht als B-Ware in den Weiterverkauf (13 Prozent), wird an industrielle Verwerter verkauft (2,1 Prozent) oder vernichtet (3,9 Prozent). Nur 0,9 Prozent werden an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Die allermeisten Retouren werden wieder aufbereitet und weiterverkauft. Es landet also keineswegs jede retournierte Waschmaschine im Müll. Im Gegenteil: Die meisten entsorgten Waren kosteten weniger als 15 Euro. Ganz überwiegend ist es Kleidung - besonders häufig begründen Kunden die Rücksendungen mit Passform- und Größenproblemen.

Warum werden so viele Retouren entsorgt?

Oft ist die Entsorgung billiger als die Aufbereitung. Manchmal bestehen auch die Markeninhaber auf eine Vernichtung. Ein weiterer Grund: Retournierte Ware verstopft die Lager, vor allem Saisonware wie Weihnachtsartikel - die wird man im Januar nicht mehr los. Vieles darf auch aus hygienischen Gründen nicht weiterverkauft werden. Das betrifft etwa Zahnbürsten, Kopfhörer und Matratzen.

Fazit der Bamberger Forscher: "Eine Entsorgung ist oftmals alternativlos." Denn bei mehr als der Hälfte der entsorgten Artikel sei eine Wiederaufbereitung technisch nicht möglich. Trotzdem ließe sich viel Müll verhindern.

Grafik zu Retouren in Deutschland

Kleidung wird am häufigsten vernichtet

Grafik für Screenreader: Am häufigsten vernichtete Produkte

Kleidung wird am häufigsten vernichtet (79,1 Prozent), danach Produkte aus den Bereichen Auto/Hobby/Spielwaren (5,8 Prozent), Einrichtung (6 Prozent), Lebensmittel und Drogeriewaren (3,4 Prozent).

Kommentar: Sünde Retourenvernichtung

WDR 4 Zur Sache 12.02.2020 01:52 Min. Verfügbar bis 11.02.2021 WDR 4

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Was lässt sich gegen den Retouren-Müll tun?

Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung sollen Produkte nur noch entsorgt werden, wenn sie verdorben, kaputt oder gefährlich sind - oder es wirtschaftlich nicht anders geht. Viele Details müssen aber erst noch in Verordnungen geregelt werden.

Verbraucher selbst können auch etwas tun: Sie können Produkte gezielter bestellen und somit weniger zurücksenden.

Das ist aber oft gar nicht so leicht, vor allem bei Kleidung. Denn für Passform und Größen gebe es keine einheitlichen Standards, bemängelt Handelswissenschaftler Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

Die Bamberger Retouren-Forscher schlagen eine verpflichtende Rücksendegebühr vor. Die würde viele Kunden von Retouren abschrecken.

Stand: 12.02.2020, 13:39

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