Sommerurlaub in Corona-Zeiten: Zwischen Reiselust und Ungewissheit

Das Bild zeigt eine Frau, die mehrere Koffer am Flughafen hinter sich her schiebt.

Sommerurlaub in Corona-Zeiten: Zwischen Reiselust und Ungewissheit

Die Sommerferien in NRW sind gerade mal eine Woche alt und für viele steht der ersehnte Urlaub noch bevor. Spanien als Risikogebiet, Verschärfungen in den Niederlanden - die aktuellen Nachrichten verunsichern viele.

Die Niederlande verschärfen wieder ihre Coronaregeln und Spanien wird erneut zum Risikogebiet - ausgerechnet zwei der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen geraten damit wieder in den Fokus. Und für Spanien droht sogar die Einstufung zum Hochinzidenzgebiet. Das ist ab einer 7-Tage-Inzidenz von 200 möglich - Spanien lag am Samstag schon bei 199. Die Folge wäre, dass sich Ungeimpfte erst ab dem fünften Tag aus der Quarantäne freitesten könnten.

Daneben reißt die Diskussion um das Für und Wider von Lockerungen und Beschränkungen nicht ab. Viele melden sich jetzt mit Ratschlägen zu Wort. Zurück bleiben urlaubsreife Verbraucher - zwischen Sehnsucht und Verunsicherung .

Kein Reiserecht für Ungeimpfte?

So fordert zum Beispiel der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, massive Freiheitseinschränkungen für Ungeimpfte. "Man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren", sagte er der "Rhein-Zeitung" (Samstagausgabe). Ungeimpfte seien für die Gesellschaft eher ein Risiko und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen.

Blick auf den Marsamxett Harbour auf Malta

Malta: Für Nicht-Geimpfte tabu

Malta setzt diese Forderung bereits in die Praxis um. Ab dem 14. Juli lässt die Inselgruppe als erstes Land in Europa keine Reisenden ins Land, die nicht vollständig geimpft sind. Ausnahme: Kinder bis elf Jahren dürfen mit ihren vollständig geimpften Eltern einreisen. Kinder ab zwölf Jahren müssen selbst vollständig geimpft sein.

Tourismusbeauftragter: "Panikmache nicht angebracht"

Indessen wiegelt Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, ab. Vieles sei möglich und er sei überzeugt, dass die Menschen diesen Sommer Erholung finden. Wichtig seien einheitliche Regelungen in Europa. "Wir sollten gemeinsam Vertrauen schaffen und auf gute Test- und Hygienekonzepte setzen", forderte Bareiß.

Er lehnte zugleich Aufrufe ab, bestimmte Urlaubsländer zu meiden: "Wiederkehrende Panikmache zulasten der Reisenden und der Branche, sobald die Zahlen steigen, ist nicht angebracht."

EU-Kommissar: Überreaktionen vermeiden

Ähnlich beurteilt die EU-Kommission die derzeitige Lage. Trotz wieder steigender Corona-Infektionszahlen in verschiedenen Ländern ist die Urlaubssaison in Europa nach Einschätzung der EU-Kommission nicht in Gefahr.

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir müssen uns jetzt vor zu großer Aufregung hüten und Überreaktionen vermeiden." Dank der Impfungen führten höhere Zahlen nicht automatisch zu einer gefährlicheren Lage. Trotz der besonders ansteckenden Delta-Variante sei eine "starke Urlaubssaison" möglich.

Spanien: Erholung im Risikogebiet?

Idyllischer Strandspaziergang mit Blick auf die Kathedrale von Palma, im Frühsommer 2021.

Auch Mallorca wird Risikogebiet

So bezweifelt auch die spanische Regierung, dass die Orientierung an den Infektionszahlen der richtige Weg ist. Die Inzidenz als Gradmesser für das Risiko verliere angesichts der hohen Impfrate und der niedrigen Zahl an Corona-Patienten in den Krankenhäusern an Bedeutung, so Tourismusministerin María Reyes Maroto.

Spanien liege bei der Zahl der vollständig Geimpften mit 47,8 Prozent vor Deutschland (43,7). Auch die Todesrate sei niedriger.

Stand: 10.07.2021, 15:39

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Ava Tarr 11.07.2021, 11:02 Uhr

    Hören sich einige Menschen eigentlich selbst zu, wenn sie den Mund aufmachen? Man darf Ungeimpften nicht gestatten, in den Urlaub zu fahren, weil sie ein Risiko für die Gesellschaft sind. Das sind solche Aussagen erst recht. Hat sich der Mann mal gefragt, was solche Formulierungen mit dem gesellschaftlichen Frieden anrichten können? Vielleicht sollte man da das Recht auf freie Meinungsäußerung auch lieber kassieren, bis der Herr zwei Schulungen in Diplomatie absolviert hat.

  • 3 Hajö 10.07.2021, 23:56 Uhr

    Wir müssen uns an höhere Inzidenzen einfach gewöhnen. Ich fahre dieses Jahr an die Müritz innerhalb Deutschlands und würde Flugurlaube wegen der Testpflicht meiden. Aber innerhalb Deutschlands muß Urlaub beschränkungslos möglich sein, denn derzeit kann jeder Impfwillige eine Impfung bekommen. Wer sich bewußt dagegen entscheidet, kann das tun und wird dafür eben irgendwann vielleicht Covid bekommen. Das steht jedem frei und das muß die Politik endlich begreifen. Ich meide ja auch einen Test, wenn ich Erkältung habe. Womöglich müßte ich in Quarantäne und das ist noch schlimmer als andere Ungeimpfte anzustecken. Die können per FFP2-Maske Selbstschutz betreiben. Wir müssen uns an Covid gewöhnen und die vulnerable Gruppe ist bereits geimpft. Ein Urlaubsverbot für Ungeimpfte wäre innerhalb Deutschlands nicht durchsetzbar. Man kann auch einfach einen Tagesausflug machen und das kann keiner kontrollieren. Also alle Politiker bitte entspannt bleiben. In den Köpfen Vieler ist Covid vorbei.

  • 2 Jürgen 10.07.2021, 16:11 Uhr

    Der Herr Peter Heinz, schämen Sie sich für diese unqualifizierte Forderung!

  • 1 Agnetha 10.07.2021, 15:24 Uhr

    soso..es wird gefordert, ungeimpfte dürfen nicht verreisen , aber bis zu 60000 zuschauer dürfen ins stadion bei der EM ohne abstand und gesichtsschutz... da passt ja was nicht..man weiss auch nicht genau, gibt es im stadion genaue prüfungen der Nachweise (impfen, tests) beim Eingang. ..und dann steigen wieder die Werte bei der neuen virus-variante, wei die menschten trotzdem ins stadion fahren und die menschen infizieren sich..da nach den Begegnungen zu oft gefeiert wird und die fans wieder heimfahren und das virus mitbringen..da muss man sich nicht wundern..ich hoffe nicht, dass die EM die Ferien zerstört von den Menschen, die die vorgaben beachten... und ich hoffe nicht, dass noch mehr Grenzen zumachen, denn es gibt noch Menschen, die nach der EM wegfahren möchten, aber noch nicht den 2. impf-Termin gebucht haben. (noch nichts frei). so finde ich die Forderung von Herrn nicht gut

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