Schüler in gefährlichen Schrottbussen unterwegs

Polizeifoto: Wackelige Sitze und rissige Bremsscheibe in einem Bus

Schüler in gefährlichen Schrottbussen unterwegs

Von Nina Magoley

  • Polizei stoppt Schüler-Reisebusse
  • Wackelige Sitze, rissige Bremsscheiben, rostiger Boden
  • Häufig Mängel trotz strenger Prüfvorschriften

Die Busse standen bereit, und die Vorfreude bei den 93 Schülern des Georg-Büchner-Gymnasiums in Köln war groß: Es sollte auf Klassenfahrt in die Eifel gehen, Abfahrt Montagmorgen (28.01.2019). Doch daraus wurde erstmal nichts.

"Wegen eklatanter technischer Mängel" musste die Kölner Polizei die beiden gemieteten Busse stilllegen: Ein Riss an einer Bremsscheibe, 29 wackelige Sitze - das Mängelprotokoll für die beiden 15 Jahre alten Reisebusse sei insgesamt "mehrere Seiten lang", meldete die Polizei. Einer der beiden hatte eine Million Kilometer auf dem Tacho.

Wegen technischer Mängel: Busse aus dem Verkehr gezogen

WDR Studios NRW 28.01.2019 00:40 Min. Verfügbar bis 28.01.2020 WDR Online

Mit dem Projekt B.u.s. - "Beruhigt unterwegs sein" - bietet die Kölner Polizei einen kostenlosen Check für Schul-Reisebusse vor Fahrtantritt. Geprüft werden die Fahrzeugtechnik und auch die Busfahrer.

142 Mal wurden die Beamten im vergangenen Jahr gerufen. In etwa zehn Prozent der Fälle seien die vorgefundenen Mängel so erheblich gewesen, dass die betroffenen Busse erstmal aus dem Verkehr gezogen wurden, so die Kölner Polizei.

Auch in anderen NRW-Städten fielen im vergangenen Jahr defekte Busse auf, die Schüler transportieren sollten. Kaputte Bremslichter, Rost am Unterboden, defekte Sicherheitsgurte.

Unternehmen können ihre Busse selber prüfen

Schüler steigen bei einer Klassenfahrt in den Bus

Klassenfahrt: Ist der Bus ok?

Reisebusse müssen laut Gesetz einmal im Jahr zum TÜV. Ab dem vierten Jahr steht außerdem alle drei Monate eine Sicherheitsprüfung an. Dabei würden allerdings Details, wie beispielsweise die Sitze, in der Regel nicht geprüft, sagt Thorsten Rechtien vom TÜV Rheinland. Eine defekte Bremsscheibe dagegen hätte den Experten auffallen müssen. Oft sei es eine Frage der "generellen Haltung eines Busunternehmers", wie viel in die Instandhaltung der Busse investiert werde.

Die Sicherheitsprüfung kann laut Gesetz auch das Busunternehmen selber durchführen - sofern ein Mitarbeiter entsprechend geschult ist. Für ADAC-Sprecher Christopher Köster eine fragliche Regelung: Wenn ein Bus, wie in Köln, wegen einer mehrseitigen Mängelliste stillgelegt werden muss, sei die Frage, wie der Prüfer vor maximal drei Monaten seine Unterschrift zur Sicherheit geben konnte.

Eigentlich sei gegen die Regelung nichts einzuwenden, sagt dagegen Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), "wenn der Prüfer seinen Job verantwortungsbewusst macht". Vielmehr kritisiere der DVR die staatlichen Ausschreibungsgesetze: Schulbusfahrten müssen öffentlich ausgeschrieben werden, "und der günstigste Anbieter bekommt den Auftrag". Die Preiskonkurrenz in der Branche sei hart und die Unternehmen müssten knapp kalkulieren.

Stand: 29.01.2019, 07:50

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Grindel 30.01.2019, 08:38 Uhr

    Wieso muss die Polizei TÜV-Arbeiten übernehmen? Was ist da falsch gelaufen - und wird das Konsequenzen haben?

  • 1 Der Frager 29.01.2019, 19:21 Uhr

    Und warum sagt uns die Polizei nicht, wie das Bus-Unternehmen heißt? Dann könnten wir als Eltern, Großeltern, Lehrer ja selber die Augen aufhalten.

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