Den Arnsberger Grafen auf der Spur – Landschaftsverband lässt DNA analysieren

Den Arnsberger Grafen auf der Spur – Landschaftsverband lässt DNA analysieren

Von Arndt Brunnert

  • Viele ungewöhnliche Funde in Arnsberg
  • Seltener Steinsarkopharg entdeckt
  • Was haben die Arnsberger Grafen gegessen?
Arbeiten an Arnsberger Tumba

Restauratoren heben vorsichtig die 800 kg schweren Figuren vom Grab

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben in Arnsberg ein steinernes Grabmal geöffnet. Sie sicherten eine Blechkiste mit Schädeln und Knochen.

Alle mussten raus. So lange bis die Luft rein ist. So lange bis der LWL-Experte in seinem weißen Ganzkörperanzug Entwarnung gab: keine gefährlichen Pilzsporen in der St. Laurentius-Kirche und in der Blechkiste mit den 800 Jahre alten Gebeinen: Drei Schädel und mehrere Knochen.

Wolfram Essling-Wintzer gräbt als Archäologe schon lange im Kloster Wedinghausen in Arnsberg. Er hat seltene Grabmalereien entdeckt und eine gut erhaltene mittelalterliche Fußbodenheizung. Aber die Öffnung der Tumba, des oberirdischen Grabmals, ist auch für ihn etwas Besonders: „Das ist wirklich ein einmaliges Erlebnis und man spürt wirklich Geschichte, wenn man diese Artefakte so vor sich findet.“

Auch seine Kollegin Bettina Heine-Hippler schwärmt beim Blick auf den Sarkopharg, in dem die Kiste lag: „Er ist einfach einzigartig, was die Form angeht, was das Material angeht und eben absolut rar.“

Sandstein aus dem Münsterland

Kopfnische des Sarkophargs

Der Sarkophag mit einer Nische für den Kopf des Toten ist wahrscheinlich aus einem großen Block Münsterländer Sandstein gehauen. Das konnten sich im Mittelalter nur wichtige Fürsten leisten. Essling-Wintzer hat ihn sofort vermessen: 1 Meter 85 ist die Liegefläche lang. Und auch einige Knochen weisen darauf hin, dass ein Toter für das Mittelalter recht groß war.

St. Laurentius und Klostergebäude

St. Laurentius und Gebäude des ehemaligen Klosters

Aber wer sind die Drei? Schriftliche Quellen lassen vermuten, dass es Heinrich I von Arnsberg sein könnte, sein Sohn und dessen Frau. Heinrich gründete das Kloster und starb 1200. Ob die Vermutung zutrifft, das sollen DNA-Analysen an der Universität in Kiel ergeben.

LWL-Archäologe im Kloster

Gräbt in Arnsberg: Wolfram Essling-Wintzer

Erbgut eines anderen Mitgliedes der Arnsberger Grafenfamilie, eines Erzbischofs aus Bremen, liegt vor. Mit den DNA-Analysen lassen sich aber noch andere Fragen klären, freut sich Wolfram Essling-Wintzer: “Zum Beispiel über das Aussehen der Individuen, über Erbkrankheiten und Ernährungsgewohnheiten. Und vieles mehr. Da gibt es ganz viele neue Antworten.“

Mithilfe der Schädel könnten auch ihre Gesichter rekonstruiert werden. Es wird wohl noch bis zum Ende des Jahres dauern, bis alle Antworten gefunden sind. Und wie in der Archäologie üblich, werden sich dann auch wieder neue Fragen stellen.  

Stand: 15.05.2019, 13:00

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