Regenbogen-Aktionen zur EM: Eine schöne Geste - ja und dann?

Regenbogen-Aktionen zur EM: Eine schöne Geste - ja und dann?

Mit Regenbogen ein Zeichen für Vielfalt setzen: Zweifelsohne ist das eine gute Sache. Viele machen beim EM-Spiel gegen Ungarn mit: Schwenken Fahnen, ändern Profilbilder. Ist das wohlfeil? Das Problem ist so noch nicht gelöst.

Für Vielfalt und gegen homofeindliche Einstellungen: NRW zeigt sich anlässlich des EM-Spiels Deutschland gegen Ungarn solidarisch. Und vor allem bunt. Rot, orange, gelb, grün, blau, violett - in diesen leuchtenden Regenbogen-Farben erstrahlen am Mittwochabend zahlreiche Orte landauf und landab.

Die Symbolik dahinter: Schluss mit der Schwulenfeindlichkeit im Fußball. Auch für Spieler und Fans muss es möglich sein, sich als homosexuell outen zu können - ohne dafür diskriminiert zu werden.

Das Schwenken von Regenbogenfahnen und Beleuchten von Gebäuden ist zudem heute kaum zu trennen von einer Botschaft gegen die ungarische Politik.

Für die Philosophin Svenja Flaßpöhler zeigt die Regenbogen-Aktion deshalb noch mehr: Ein Zeichen, dass die Diskussion um Minderheitenrechte in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Sie sieht die Geste aber nicht unkritisch und sagte gestern dem WDR: "Ist es nicht sehr leicht, sich so eine Binde umzubinden und damit zu sagen, 'ich bin woke, ich bin für Diversity?'"

Regenbogen-Aktion allein reicht nicht

Zu sehen ist der Sozialethiker Dr. Martin Booms in der Aktuellen Stunde

Denn schnell mal das Profilbild ändern, ein Gebäude anstrahlen, mit anderen zusammen eine Fahne schwenken - das geht leicht und tut nicht weh. Wird die Bunte-Farben-Symbolik aber dem seit Jahrzehnten bestehenden Homophobie-Problem im Fußball tatsächlich gerecht? Der Bonner Sozialethiker Martin Booms ist skeptisch.

"Die Sache ist ja richtig, es ist richtig, sich einzusetzen für die Gleichberechtigung verschiedener sexueller Orientierungen", sagte Booms dem WDR. Aber: Es reiche nicht, dieses eine Symbol zu setzen - und danach lehnen sich alle zufrieden zurück und gehen zur Tagesordnung über. Denn die strukturellen Probleme, die der Fußball zweifelsohne mit Homophobie habe, würden damit nicht angegangen.

UEFA begründet Verbot der Stadionbeleuchtung

Die Münchner EM-Arena sollte als Zeichen des Protests gegen das ungarische Gesetz und aus Solidarität mit Homosexuellen in Regenbogenfarben erstrahlen. Das hat die UEFA untersagt. Eine Entscheidung, die Sozialethiker Booms "richtig" findet. Hier die Begründung der UEFA:

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Booms: Problem Homophobie strukturell lösen

Klar müsse laut Booms auch sein: Wenn das "intolerante Gesetz durch das ungarische Parlament" nicht verabschiedet worden wäre, dann wäre auch nicht die Idee aufgekommen, das Münchner Olympia-Stadion in Regenbogen-Farben zu erleuchten, sagt Booms.

Wichtiger als solche "spektakulären Gesten" wie die Beleuchtung von Orten in bunt sei es, das Problem Homophobie im Fußball strukturell anzupacken und zu lösen.

Entwicklung geschickt lenken

Es sei ja schon einiges in Bewegung gekommen, findet Booms. So könnten sich Politiker, die homosexuell sind, dazu bekennen - ohne Nachteile zu haben. "Das war lange Zeit nicht der Fall, das ist eine gute Entwicklung."

Diese Entwicklung müsse nun geschickt gelenkt werden. Nicht zuletzt mit Blick auf Profi-Fußballer. Beispielsweise in Bildungseinrichtungen wie Schulen müsse an dem Thema gearbeitet werden, schlägt der Sozialethiker vor. Das sei anstrengend. Aber es lohne sich.

Stand: 23.06.2021, 19:33

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen