EM: Der Regenbogen überstrahlt den Fußball

Manuel Neuer wird auch gegen Ungarn die Regenbogen-Binde am Arm tragen.

EM: Der Regenbogen überstrahlt den Fußball

Sieben Farben, ein Manifest: Der Regenbogen, das Symbol der LGBTQ-Bewegung, hat in den Fußball-Stadien Einzug gehalten. Das ist nicht unumstritten - am Münchner Stadion darf es nicht gezeigt werden.

Die Fußball-EM im Zeichen des Regenbogens: Kurz vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn geht es nicht um Aufstellungen oder Strategie. Stattdessen bestimmt eine Frage die Diskussion: Darf der Regenbogen, das Symbol gegen Homo-Negativität und für Minderheitenrechte, auf dem Platz gezeigt werden?

Angefangen hat die Diskussion mit Kapitän Manuel Neuer, der mit einer Regenbogen-Armbinde im Tor stand. Die UEFA tat sich schwer damit, dass er nicht den offiziellen Schriftzug "Respekt" am Arm trug. Aber der Verband nahm es dann doch hin.

Münchner Stadion sollte bunt leuchten

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Anders reagierte der Verband bei der Idee des Münchner Stadtrats. Die Politiker wollten das Stadion am Mittwoch in allen Farben des Regenbogens anstrahlen lassen und damit ein unübersehbares Zeichen gegen die homophobe Politik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban setzen. Journalist Robert Kempe, der für die ARD von der Euro berichtet, war skeptisch. "Die UEFA will es sich mit Ungarn nicht verscherzen", sagt er im WDR.

Ungarn ist der UEFA wichtig

Denn Ungarn hat sich nicht nur schnell bereit erklärt, Spiele im Land stattfinden zu lassen, als die Corona-Lage noch mehr als unübersichtlich war, erklärt Kempe. Das Land hat auch eine hundertprozentige Auslastung des Budapester Stadions garantiert - anders als andere Mitglieder. Und dieses Stadion wird für die Finale gebraucht, falls das Wembley-Stadion in London wegen steigender Corona-Fallzahlen ausfällt. Kempe sollte Recht behalten: Die UEFA untersagte die Aktion.

Outing erst nach dem Ende der Karriere

Aber der Regenbogen ist ein mächtiges Symbol, die Armbinde mehr als ein Stück Stoff. "Ich hätte mir ein solches Symbol als junger Mann gewünscht", sagt der ehemalige Fußballprofi Marcus Urban, eines, "das mir zeigt: Es ist alles möglich, du darfst unterschiedlich sein." Urban hat seine Homosexualität jahrelang verborgen - so wie viele andere, die sich erst nach Ende ihrer Karriere geoutet haben.

Homosexualität und Fußball: "Die Gesellschaft ist schon viel weiter"

Fans setzen sich im Stadion gegen Homophobie im Fußball ein

Fans gegen Homophobie

Und das tun viele auch heute noch. Ex-Nationalspieler Philipp Lahm hat sogar davor gewarnt, sich als Aktiver zur eigenen Homosexualität zu bekennen. Die Fans haben aber damit eigentlich kein Problem - so jedenfalls der Sportjournalist Martin Roschitz, auch wenn es immer mal wieder hässliche Sprüche gibt: "Im Stadion ist das gar kein so großes Thema mehr, weil die Gesellschaft in diesem Bereich schon viel weiter ist als das System Fußball. Dort gibt es immer noch zu viele Bedenkenträger."

Martin Roschitz

Martin Roschitz

Die Fans sind inzwischen viel mündiger, die Nationalmannschaft auch, sagt Roschitz. Und dass Neuer diese Binde trägt, löst viel aus, so Roschitz. Neuer darf sie weiter tragen und wird damit auch am Mittwoch auflaufen, aber Roschitz ist sicher, dass viele Fans bei einem Verbot reagiert hätten - mit Regenbogen-T-Shirts, "einfach um zu zeigen: Wir hier in Deutschland sehen das anders."

In der Mitte der Gesellschaft angekommen?

Für die Philosophin Svenja Flaßpöhler ist die Aktion noch mehr: ein Zeichen, dass die Diskussion um Minderheitenrechte in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. "Das sind Forderungen nicht nur von unterdrückten Gruppen, die verzweifelt um Anerkennung kämpfen", sagt sie im WDR. Sie sieht die Geste aber nicht unkritisch: "Ist es nicht sehr leicht, sich so eine Binde umzubinden und damit zu sagen, 'ich bin woke, ich bin für Diversity?'"

München leuchtet nicht - aber Köln

Ansonsten bekommt Neuer aber viel Lob. Er wird auch am Mittwoch wieder mit der Binde in die Münchner Arena einlaufen. Auch wenn die nicht beleuchtet wird, sorgen die Kölner für Ersatz. Sie wollen ein eigenes Zeichen setzen: Alle Stadien der Rheinmetropole werden in Regenbogenfarben erstrahlen.

Stand: 22.06.2021, 10:06

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