Pegida & Co.: Hass gegen Journalisten wächst

Pegida & Co.: Hass gegen Journalisten wächst

  • Hass auf Journalisten wächst auch in NRW
  • WDR-Team bei Pegida-Demo in Duisburg behindert
  • DJV: Wut hat eine neue Qualität erreicht

Man muss nicht bis nach Chemnitz blicken um festzustellen, dass Rechtsextremisten bei Demonstrationen ihren Hass auf Journalisten immer offener zeigen und aggressiver ausleben. Bei einer Pegida-Demo am Montag (03.09.2018) in Duisburg umzingelten mehrere Menschen ein WDR-Team der "Aktuellen Stunde" und filmten es mit ihren Handys. Ein anderer Pegida-Anhänger versuchte, die Dreharbeiten zu behindern und stellte sich den WDR-Journalisten in den Weg. Ein Pegida-Redner schimpfte dazu über die Medien und Politik.

Noch nie so viel Hass auf Medien

"Auch wenn es keine körperlichen Übergriffe gab, haben wir uns bedroht gefühlt und zurückgezogen", sagte Tim Köksalan, der in Duisburg als WDR-Reporter vor Ort war.

Studie: "Publizieren wird zur Mutprobe"

"Publizieren wird zur Mutprobe": Dieses Fazit stand schon 2016 am Ende einer Studie über den "Hass im Arbeitsalltag Medienschaffender" der Universität Bielefeld. Die Forscher werteten dabei Auskünfte von knapp 800 Journalistinnen und Journalisten aus, die online Fragen beantwortet hatten. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass hasserfüllte Angriffe des Publikums deutlich gestiegen seien. 42 Prozent sagten, selbst Angriffe erlebt zu haben, mehr als die Hälfte davon sogar mehrmals oder regelmäßig.

Quelle: Journal Deutscher Journalistenverband NRW

Seine Erfahrung ist kein Einzelfall. Beim Filmen in der Chemnitzer Innenstadt sei ihr Kamerateam von Rechtsradikalen tätlich angegriffen worden und habe sich gerade noch in Sicherheit bringen können, berichtete Georg Restle, Leiter des WDR-Politikmagazins "Monitor", am Sonntag (02.09.2018) auf Twitter. Sein Fazit: "Noch nie habe ich so viel Hass auf Medien erlebt wie an diesem Wochenende in Chemnitz."

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Konsequent anzeigen

Die Wut auf Medien hat nach Einschätzung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) eine neue Qualität erreicht. Allein die Vielzahl der Fälle bei den Demonstrationen in Chemnitz sei erschreckend, sagte der Kölner DJV-Vorsitzende Frank Überall. Er rät Betroffenen, Attacken nicht auf sich beruhen zu lassen und konsequent anzuzeigen: "Auch um zu dokumentieren, welchen Umfang die Gewalt gegen Journalisten hat."

Forscher: "Körperliche Drohgebärden"

Auch der Düsseldorfer Rechtsextremismus-Forscher Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf hat festgestellt, "dass in den letzten Jahren die Behinderungen von Pressearbeit stark vorangeschritten ist und mehr und mehr einhergeht mit körperlichen Drohgebärden".

Rechtsextremisten würden systematisch das Bild einer gesteuerten Medienlandschaft in die Welt setzen. "Das führt zu der kuriosen Situation, dass Leute, die ein offen rassistisches Weltbild haben, das auch genauso artikulieren - gleichzeitig aber sagen, ich bin doch nicht rechtsextrem", so Häusler.

Stand: 04.09.2018, 19:21

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