Muslime verlangen mehr Schutz an Moscheen in NRW

Am 09.07.19 ist um 9.45 Uhr eine Drohmail gegen die Moschee eingegangen, in der ein „schädigendes Ereignis bis 11.15 Uhr“ angedroht wurde. Die Polizei hat daraufhin die Moschee evakuiert, rund 50 Personen wurden in Sicherheit gebracht

Muslime verlangen mehr Schutz an Moscheen in NRW

Von Peter Neuhaus

  • Sichtbarer Polizeischutz soll für mehr Sicherheit sorgen
  • Verunsicherung auch wegen Bombendrohungen in NRW-Städten
  • Innenminister Reul setzt auf gezielte Maßnahmen

Die vergangene Woche hat Muslime in Nordrhein-Westfalen gleich doppelt beunruhigt. Bei einer Razzia wurden zwölf mutmaßliche Mitglieder einer rechtsextremen Terrorzelle festgenommen, die auch Angriffe auf Moscheen geplant haben soll. Außerdem hatte es zwei Tage vorher Bombendrohungen gegen Moscheen in vier NRW-Städten gegeben: in Essen, Hagen, Bielefeld und Unna. Sprengstoff wurde dort nicht gefunden.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dem WDR, dass die Moscheen in Nordrhein-Westfalen nicht ausreichend gesichert seien. Diese Erkenntnis habe man nicht erst seit den beiden Vorfällen der letzten Woche. Es gebe immer wieder Mord- und Anschlagsdrohungen. "Es ist keine abstrakte Gefahr, sondern eine reale Gefahr", so Aiman Mazyek, Zentralrat der Muslime.

Mazyek schlägt deshalb vor, sichtbaren Polizeischutz zu verstärken, zumindest vor Moscheen, die schon einmal bedroht oder angegriffen worden sind und vor allem während der Freitagsgebete, wenn besonders viel los ist in den Moscheen. Aus seiner Sicht würde das nicht nur abschrecken, sondern auch zeigen, dass die Gesellschaft ihre Muslime schütze. Für Mazyek hätte das auch eine wichtige symbolische Wirkung. Er spricht von einer schlechten Stimmung bei den Menschen muslimischen Glaubens: "Sie sind wirklich extrem verunsichert, in Teilen sind sie aber auch nicht darüber überrascht."

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht keine Möglichkeit, die Moscheen im Land unter Polizeischutz zu stellen. Reul sagte dem WDR, die Polizei müsse eingreifen, wenn es eine Gefährdung gebe. Es gehe darum, nicht breit, sondern gezielt zu handeln. Moscheen, bei denen schon einmal etwas passiert ist oder bei denen es Indizien gibt, würden allerdings ganz anders in den Blick genommen.

Laut Innenministerium gibt es bei den Polizeibehörden in NRW spezielle Kontaktbeamte als Ansprechpartner für muslimische Einrichtungen.

Stand: 18.02.2020, 17:29

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