Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken in NRW

Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken in NRW

  • Zunehmend werden stillgelegte Bahnstrecken wieder in Betrieb genommen
  • Verbände sehen Potential noch lange nicht ausgeschöpft
  • Auch in NRW könnten sich weitere Reaktivierungen lohnen

Nach Jahrzehnten des Schrumpfens erlebt die Schieneninfrastruktur ein Comeback. Zunehmend beginnen die Bundesländer, stillgelegte Nahverkehrsstrecken wieder in Betrieb zu nehmen. Zu diesem Ergebnis kommen die Allianz pro Schiene und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in einer Studie.

Doch auch für viele weitere Strecken könnte sich eine Reaktivierung für den Personen- oder den Güterverkehr lohnen. Gründe dafür sind zum Beispiel Regionen besser anzubinden, Lücken im Schienennetz zu schließen oder Ballungsräume zu entlasten. Das Bündnis hat eine erste Vorschlagsliste erarbeitet.

Noch viel Luft nach oben

Die Liste mit Vorschlägen umfasst bundesweit 186 Strecken mit einer Gesamtlänge von rund 3.000 Kilometern. Nach einer ersten Einschätzung könnte sich allein in NRW eine Reaktivierung für etwa 40 weitere Strecken lohnen. Das Bündnis fordert, dass die Bundesländer das Potential stillgelegter Strecken systematisch überprüfen.

Erfolgreich reaktivierte Strecken in NRW

In Deutschland wurden in den vergangenen 25 Jahren insgesamt rund 800 Kilometer an Strecken für den Personenverkehr wieder in Betrieb genommen. Allein in NRW waren es laut Studie etwa 20 stillgelegte Verbindungen mit einer Gesamtlänge von 135 Kilometern. Landesweit hat es vor allem rund um Aachen, im Bergischen Land, im Sauerland und Richtung Niederlanden erfolgreiche Reaktivierungen gegeben, sagt Dirk Flege.

Streckensaldo fällt insgesamt negativ aus

Obwohl in den vergangenen Jahren viele Bahnstrecken reaktiviert wurden, fällt der Saldo laut Studie insgesamt negativ aus. Seit der Bahnreform 1994 wurden in Deutschland mit über 3.600 Kilometern deutlich mehr Schienen für den Personenverkehr abbestellt als reaktiviert (über 800 Kilometer). In einigen Bundesländern jedoch wurden mehr Kilometer an Strecke reaktiviert als abbestellt – darunter auch NRW.

Auch NRW prüft Reaktivierungen

Das NRW-Verkehrsministerium schreibt dazu, dass die Landesregierung in der Reaktivierung von Schienenstrecken großes Potenzial sehe. Auch um die Anbindung des ländlichen Raumes an angrenzende Ballungszentren zu verbessern. Zudem könnten dadurch Emissionen im Verkehrssektor reduziert werden. Deswegen habe das Land die finanziellen Fördermöglichkeiten für Reaktivierungen verbessert. In NRW würden zurzeit 18 weitere Strecken auf ihr Reaktivierungspotential hin untersucht. Für viele Maßnahmen stehe aber der Nachweis noch aus, ob sie sich auch sich wirtschaftlich lohnen. Das sei jedoch die Voraussetzung dafür, dass eine Reaktivierung vom Land finanziell gefördert wird.

Stand: 20.05.2019, 13:23

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