Ermittlungen gegen Hermes-Subunternehmer nach WDR-Recherchen

Ermittlungen gegen Hermes-Subunternehmer nach WDR-Recherchen

  • Razzia bei Subunternehmen des Paketzustellers Hermes in NRW
  • Auslöser: Recherchen der WDR-Sendung "Könnes kämpft"
  • Manche Firmen bezahlen Mitarbeiter offenbar unter Mindestlohn
  • Hermes will die Vorwürfe prüfen

Nachdem der WDR recherchiert hatte, ermitteln nun die Staatsanwaltschaften in Köln und Bonn gegen Hermes-Subunternehmer. Auf Veranlassung der Kölner Ermittler waren bereits am Dienstag vergangener Woche (21.11.2017) 24 Objekte in NRW durchsucht worden.

Menschenschleuser und falsche Pässe

Dabei seien 16 Mitarbeiter als möglicherweise illegal Beschäftigte festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag (30.11.2017). Gegen einen Beschuldigten bestehe der Verdacht des Einschleusens von Ausländern und Urkundenfälschung. Offenbar wurden falsche Pässe gefunden.

Gegen das Mindestlohngesetz verstoßen

Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelte im Raum Euskirchen und stellte bei Durchsuchungen zahlreiche Unterlagen sicher. Drei Personen gelten als Beschuldigte und sollen gegen das Mindestlohngesetz verstoßen haben. Alle Verdächtigen seien auf freiem Fuß.

Razzia bei Paketdiensten: NRW-Arbeitsminister will Kontrolldichte verschärfen

WDR 2 | 30.11.2017 | 03:48 Min.

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"Wir müssen diese gemeinste Form der Schwarzarbeit bekämpfen", erklärte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag im WDR-Radio. Polizei, Zoll und Arbeitsschutz müssten solche Firmen viel häufiger kontrollieren.

Hermes: "Entspricht nicht unseren Maßstäben"

Der Paketlieferant Hermes beschäftigt neben eigenen Mitarbeitern auch Subunternehmer, die teils in eigenen Lieferwagen unterwegs sind. Hermes erklärte, das Unternehmen werde die im WDR-Bericht erhobenen Vorwürfe schnellstmöglich umfassend prüfen, um Konsequenzen ziehen zu können. "Die im Bericht geschilderten Umstände entsprechen in keinem Fall auch nur ansatzweise den Maßstäben, an denen wir unsere in der Zustellung für uns tätigen Servicepartner messen", erklärte ein Sprecher.

WDR-Recherchen waren Auslöser für die Ermittlungen

Die WDR-Sendung "Könnes kämpft" hatte aufgedeckt, dass hier Gesetze offenbar immer wieder umgangen werden. Bei seinen Recherchen schleuste der WDR Lockvögel ein, die sich bei Hermes-Subunternehmern als Fahrer bewarben. Ihnen wurde zum Beispiel eine Bezahlung deutlich unterhalb des Mindestlohns angeboten.

Mehrere andere Paketlieferanten bestätigten den WDR-Mitarbeitern dies, zum Teil sprachen sie sogar von einer Bezahlung nur halb so hoch wie der Mindestlohn. In einem Fall wurde schon beim Anstellungsgespräch klar gemacht, dass es einen Teil der Bezahlung nur am Finanzamt vorbei geben würde.

Stand: 30.11.2017, 21:00

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