Ausländer unerwünscht: Rassismus bei der Wohnungssuche

Eine Lupe vergrößert die Wohnungsanzeige einer Zeitung.

Ausländer unerwünscht: Rassismus bei der Wohnungssuche

Von Jörn Seidel

  • Umfrage: Rassismus bei Wohnungssuche weit verbreitet
  • Bonner Gutachten sieht rechtliche Schlupflöcher
  • Antidiskriminierungsstelle will Gesetze anpassen

Die Wohnung sei schon vergeben, bekam der 33-jährige Mehmet Aslan zu hören, der seinen echten Familiennamen nicht preisgeben will. Dabei war die Wohnungsanzeige erst einen Tag online. "Das machte mich stutzig", erzählt der gebürtige Deutsche dem WDR.

Grund: Ausländischer Name

Sein Verdacht: Es liegt an seinem südländischen Namen. Also bat er einen Kollegen, beim Vermieter anzurufen - diesmal unter einem klassisch deutschen Namen. Tatsächlich: Plötzlich war die Wohnung noch zu haben.

Rassismus bei der Wohnungssuche, das ist in Deutschland kein Einzelfall. Jeder dritte Mensch mit Migrationshintergrund hat auf dem Wohnungsmarkt schon Diskriminierung erlebt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Mittwoch (29.01.2020) vorgestellt hat.

Zentrale Ergebnisse der Umfrage

  • Jeder dritte Mensch mit Migrationshintergrund hat bei der Wohnungssuche in Deutschland Diskriminierung erlebt.
  • Die Hälfte der Deutschen (52 Prozent) hat große Bedenken, einen Einwanderer als Untermieter zu nehmen oder ihm ein WG-Zimmer anzubieten.
  • 40 Prozent der Deutschen haben große Bedenken, einem Einwanderer eine Wohnung zu vermieten.
  • Fast ein Drittel der Deutschen (30 Prozent) hat große Bedenken, wenn ein Einwanderer ins Nachbarhaus zieht.

(Quelle: "Rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt", Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

"Aus unserer Sicht entbehren solche Vorbehalte jeglicher Grundlage", sagt Klaus Stallmann dem WDR. Der Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund NRW vertritt die Interessen zahlreicher Vermieter.

Vorbehalte gegenüber Nicht-Deutschen

Die Haltung vieler Vermieter ist aber offenbar eine andere. 40 Prozent der Deutschen haben große Bedenken, einer nach Deutschland eingewanderten Person eine Wohnung zu vermieten, so die Umfrage. Manchmal ist schon die Anzeige rassistisch. Die Macher der Umfrage zitieren z.B. die Angabe: "Keine Moslems!"

Mehmet Aslan wollte die Diskriminierung nicht hinnehmen. "Ich wollte aus dieser Ohnmacht raus", sagt der Wirtschaftsingenieur. Eine Beratungsstelle empfahl ihm einen geeigneten Anwalt.

Testing bestätigt Rassismus

Bevor Aslan vor Gericht zog, probierte er es aber noch ein zweites Mal bei dem Vermieter, einer großen Wohnungsgesellschaft. Wieder eine Wohnung, die er gerne gemietet hätte. Wieder ein Mitarbeiter, der ihm eine Absage machte. Und wieder eine Zusage für den Kollegen mit dem klassisch deutschen Namen.

Testing nennt man dieses Verfahren, das schon für mehrere Studien zum Einsatz kam. Deren Ergebnisse bestätigen Aslans Erfahrungen: Immer wieder kommt es bei der Vermietung von Wohnraum zu Diskriminierung.

Rechtliche Schlupflöcher

Das liegt auch an rechtlichen Schlupflöchern. Darauf weist ein Bonner Rechtsgutachten hin, das ebenfalls am Mittwoch vorgestellt wurde.

Demnach können sich Vermieter auf ein besonderes "Nähe- oder Vertrauensverhältnis" berufen, um das Gleichbehandlungsgesetz zu umgehen. Die Leitung der Antidiskriminierungsstelle fordert, solche Ausnahmeregeln zu beseitigen.

Für Diskriminierte hat Mehmet Aslan einen Rat: "Nicht in Verzweiflung geraten, sondern sich wehren!" Das tat der junge Mann und zog erfolgreich vor Gericht. Wegen nachweislicher Diskriminierung musste der Vermieter Aslan 3000 Euro Entschädigung zahlen.

Stand: 29.01.2020, 10:00

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