Rassismus: Kölner bricht Ausbildung bei der Polizei ab

Rassismus: Kölner bricht Ausbildung bei der Polizei ab

  • Rassistische Äußerungen während Polizei-Ausbildung in Sachsen
  • Azubi veröffentlicht fremdenfeindliche Chat-Protokolle
  • Polizei Sachsen nimmt Kritik sehr ernst

WDR: Sie waren von September 2016 bis zum 31. Mai 2017 an der Polizeifachschule Leipzig. Warum wollten Sie Polizist werden?

Simon Neumeyer: Polizist war mehr oder weniger mein Traumberuf. Ich wollte schon immer für die freiheitlich demokratische Grundordnung einstehen.

WDR: Sie sagen jetzt, das „war“ ihr Traumberuf. Wie kam es dazu, dass Sie diesen Wunsch aufgegeben haben?

Neumeyer: Ich habe schon am Anfang der Ausbildung gemerkt, dass die politische Tendenz sehr ins Rechte geht, sowohl bei Mitschülern als auch bei dem Lehrpersonal. Fremdenfeindlichkeit war salonfähig.

WDR: Welche Aussagen kritisieren Sie konkret?

Screenshot eines Chatprotokolls

Screenshot der Chatprotokolle

Neumeyer: Zum Beispiel hat nach der Silvesternacht in Köln 2016 ein Mitschüler in unsere WhatsApp Gruppe des Jahrgangs geschrieben: "Wir sind aus Cottbus, Und nicht aus Ghana, Wir hassen alle Afrikaner."

Wenn man solche Sprüche immer wieder hört - oder "Ich wähle lieber braun, als grün" - da ist mir die Kinnlade fast auf den Tisch gefallen und keinen anderen hat es interessiert. Das ist eben das, was ich so kritisiere.

Sachsen: "Polizei mit rechter Szene verstrickt"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 29.08.2018 | 05:40 Min.

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WDR: Sie haben eben gesagt auch Vorgesetzte hätten solche Sprüche geäußert. Ist das häufig vorgekommen?

Neumeyer: Konkret spreche ich über drei Lehrer, mit denen ich bei der Polizei-Ausbildung Kontakt hatte. Einmal im Schießunterricht hat ein Lehrer sinngemäß gesagt, wir müssten aufpassen und gut schießen lernen, schließlich seien sehr viele Gäste nach Deutschland gekommen. Das ist schon ziemlich fremdenfeindlich.

WDR: Wie haben Sie auf die Aussagen von Mitschülern und Lehrern reagiert?

Neumeyer: Ich habe meistens versucht, mich klar dagegen zu stellen. Meine Mitschüler haben mich dann als Linken dargestellt, ich wurde von der Gruppe nicht mehr angenommen. Ich hatte beim Sport keinen Partner, weil niemand mit mir die Übungen machen wollte.

WDR: Warum haben Sie sich nicht früher geäußert?

Neumeyer: Ich hatte bei der Kündigung im Mai 2017 Angst vor Repressalien und habe deshalb einen anderen Kündigungsgrund genannt. Ich habe meinen Vorgesetzten nicht vertraut, weil eben auch fremdenfeindliche Äußerungen von Vorgesetzten kamen.

WDR: Was fordern Sie, was muss sich Ihrer Meinung nach ändern?

Neumeyer: Ich möchte, dass solche Fälle aufgeklärt werden und auch bei den Einstellungen sollte besser darauf geachtet werden, dass solche Tendenzen nicht bestehen und dass das Neutralitätsgebot der Polizei auch wirklich eingehalten wird.

WDR: Würden Sie noch einmal eine Ausbildung bei der Polizei an einem anderen Standort beginnen?

Neumeyer: Nein, ich bin glücklich zurück in Köln zu sein und studiere jetzt Immobilienmanagement.

Das Gespräch führte Cosima Gill.

Rassismusvorwurf: Antwort der Polizei Sachsen

Die Bereitschaftspolizei Sachsen hat dem WDR auf Anfrage geschrieben: "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Um dem Auftrag der Polizei, Recht und Gesetz zu schützen, gerecht zu werden, ist rechtskonformes Verhalten unabdingbar.
Rassistische Bestrebungen sind mit unserer Rechtsordnung nicht vereinbar und haben in den Reihen der Polizei keinen Platz.
"

Gegen einen Polizeischüler wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, um den Sachverhalt möglichst schnell aufzuklären. Zudem werde bereits im Rahmen des Einstellungsverfahrens darauf geachtet, Personen mit rassistischen und extremistischen Ansichten möglichst zu erkennen und für den Polizeidienst abzuweisen. Die Werte- und Rechtsordnung in Deutschland sei bereits fester Bestandteil der Ausbildung. Ob sich aus dem aktuellen Fall weitere Maßnahmen ergeben, sei noch nicht absehbar.

Stand: 03.11.2018, 15:00

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