Rassismus im Fußball - Experten fordern mehr Vielfalt

Rassismus im Fußball - Experten fordern mehr Vielfalt

Von Ann-Kathrin Stracke

Es gibt sie noch immer: Rassistische Sprüche in Fußballstadien – auch wenn sie in den vergangenen Jahren seltener geworden sind. Experten sehen eine Lösung: mehr Aufklärung, mehr Diversität auf den Zuschauerrängen, aber auch in den Führungsebenen.

"Sieg Heil"-Rufe von einzelnen Zuschauern während des Conference-League-Spiels 1. FC Union Berlin gegen den israelischen Verein Maccabi Haifa Anfang Oktober in Berlin. Rassistische Beleidigungen ausgehend von Kindern und Jugendlichen gegenüber des Glasgower Fußballprofis Glen Kamara beim Europa-League-Spiel der Glasgow Rangers bei Sparta Prag Ende September. Hässliche, diskriminierende Szenen, die Alltag sind – im Sport, im Fußball, im Jahr 2021.

Rassismus im Fußball – was begünstigt ihn?

Sportjournalist Philipp Awounou

Sportjournalist Philipp Awounou

"Wir könnten sehr viel weiter sein, wenn wir nicht erst seit letztem Jahr, seit Black Lives-Matter, darüber reden würden, wie wir es jetzt machen", sagt Philipp Awounou. Er ist Sportjournalist und beschäftigt sich viel mit Rassismus im Sport, im speziellen im Fußball.

"Es gibt das Gefühl, dass man sich da Dinge erlauben kann, die man sich woanders nicht erlauben kann, dass man da Dinge rauslassen kann." Philipp Awounou, Sportjournalist

Denn: Fußballstadien seien Orte, die rassistische Äußerungen begünstigen können. "Es gibt eine hohe Emotionalität, einen starken Wettbewerbsgeist, es gibt das Gefühl, dass man sich da Dinge erlauben kann, die man sich woanders nicht erlauben kann, dass man da Dinge rauslassen kann. Und dazu gehört für manche Menschen eben auch Rassismus", so die Analyse des Kölner Sportjournalisten Philipp Awounou.

Fankurven setzen sich anders zusammen als vor Corona

Sven Schneider, Schalker Fan-Initiative

Sven Schneider, Schalker Fan-Initiative

Nach und nach kommen die Fans in die Bundesliga-Stadien und Fankurven zurück – auch in Gelsenkirchen. In der Schalke-Arena setze sich die Fankurve nun anders zusammen als vor der Corona-Pause, beobachtet Sven Schneider, erster Vorsitzender der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Diskriminierung. "Es ist so, dass große Fangruppierungen gar nicht mehr im Stadion sind. Das Mikroklima ist ein anderes."

"Man muss schauen, wie sich das in Zukunft entwickeln wird, ob man vielleicht bestimmte Formen von Zivilcourage neu lernen muss." Sven Schneider, Vorsitzender der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Diskriminierung

Das ist noch kein Indiz für irgendeine Form von Diskriminierungen und trotzdem beobachtet Sven Schneider diese Entwicklung sehr aufmerksam. Seit knapp 30 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in der Fan-Initiative. "Man muss schauen, wie sich das in Zukunft entwickeln wird, ob man vielleicht bestimmte Formen von Zivilcourage neu lernen muss", sagt der langjährige Schalke 04-Fan.

Herausforderungen: mehr Diversität in den Führungsgremien

Ein weiterer Schritt, um diskriminierenden Äußerungen in Stadien entgegenzutreten, sei mehr Diversität in den Stadien zu schaffen, so Philipp Awounou. Denn es sei immer noch eine sehr weiße, männliche Domäne, die in den Stadien, aber auch in den Führungsgremien des deutschen Fußballs zu finden ist.

Stand: 17.10.2021, 11:35

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