Auch ein Kompliment kann rassistisch sein

Auch ein Kompliment kann rassistisch sein

  • Anhaltende Debatte über Rassismus in Deutschland
  • Buchautorin Alice Hasters beklagt rassistisches Denken im Alltag
  • Forderungen an die Politik und die Gesellschaft

Seit dem Tod des Afro-Amerikaners George Floyd und den großen Demonstrationen gegen Rassismus fragen sich viele Menschen auch hierzulande: Was ist Rassismus und wie kann er bekämpft werden? Denn oftmals scheitert es schon daran, die Diskriminierung zu erkennen.

Unbemerkter Rassismus im Alltag

Genau darauf weist die Journalistin und Buchautorin Alice Hasters hin. "Es gibt die Annahme, dass Rassismus immer böse gemeint sein muss, damit es Rassismus ist. Aber Rassismus ist allein schon die Annahme, dass wir von Grund auf verschieden seien", sagt sie im Interview mit dem WDR.

Alice Hasters

Autorin Alice Hasters

Manchmal äußere sich das schon in vermeintlichen Komplimenten - etwa, dass man ein bestimmtes Temperament habe, nur weil man schwarz sei. "Das sind auch rassistische Denkstrukturen, die mir unterstellen, aufgrund meiner Hautfarbe hätte ich irgendwelche Talente, die mir angeboren werden", sagt Hasters und dreht den Spieß einfach um: "Weiße Menschen haben ja auch keine Talente, die ihnen von Natur aus angeboren werden. Diese Denke haben wir gar nicht, weil sie absurd ist."

Kommentar: Was ich als Weißer gegen Rassismus tun kann

WDR 4 Zur Sache 09.06.2020 02:03 Min. Verfügbar bis 09.06.2021 WDR 4

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Ablehnung beim Gegenüber

In ihrem Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen – aber wissen sollten" beschäftigt sich die 31-Jährige mit den alltäglichen Problemen. So beobachtet Hasters bei ihren Gegenübern oftmals eine "extreme Gegenwehr", wenn sie auf Rassismus hingewiesen werden. Es werde abgelenkt, ignoriert oder eine Entschuldigung gefordert, weil man doch kein Rassist sei.

Hasters räumt zwar ein, dass der Rassismus und auch die Polizeigewalt in den USA eine andere Qualität haben. Aber auch hierzulande gebe es diese Probleme. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Herford. Dort ist ein Busfahrer von einem Fahrgast rassistisch beleidigt worden.

Politik soll handeln - und auch die Gesellschaft

Um die derzeitige Aufmerksamkeit zu nutzen und wirklich etwas gegen Rassismus zu tun, fordert Hasters die Politik zum Handeln auf. So müsse die Antidiskriminierungsstelle des Bundes verstärkt und ein Anti-Rassismus-Beauftragter eingesetzt werden. Schon in Schulen brauche es mehr Aufklärung. Und Gesetze sollten so geändert werden, dass sie die Opfer besser schützen.

Doch Hasters sieht auch jeden Einzelnen in der Verantwortung. "Es muss eine wachere Haltung in der allgemeinen Bevölkerung geben."

"Auch argloser Rassismus ist Rassismus"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.06.2020 05:13 Min. Verfügbar bis 08.06.2021 WDR 5

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Stand: 10.06.2020, 20:00

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