Kölner Raser-Prozess startet neu

Kölner Raser-Prozess startet neu

Von Nina Magoley

  • 19-jährige Radfahrerin starb 2015 nach illegalem Autorennen in Köln
  • Täter wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt
  • Bundesgerichtshof kippte das Urteil
  • Am Montag (12.03.2018) startet der Revisionsprozess erneut

Eigentlich hatte der Revisionsprozess schon am 6. Dezember 2017 begonnen. Doch einer der beiden Schöffen erwies sich als befangen, so eine Sprecherin des Landgerichts Köln: Er kenne eine Person über Facebook, die ein für den Prozess relevantes Video zu dem tödlichen Autorennen gemacht hat, räumte er ein.

Die Richter brachen den Prozess daraufhin zunächst ab. Am Montag (12.03.2018) startet er nun von Neuem - mit neuen Schöffen. Die Richter sollen klären, ob es rechtens war, die verhängte Freiheitsstrafe auf Bewährung auszusetzen. Das Urteil wird laut Gerichtssprecherin für den 19. März erwartet.

Worum geht es?

Im April 2015 hatten sich die damals 21 und 22 Jahre alten Angeklagten mit ihren Autos in Köln ein Rennen geliefert. Mit Tempo 95 schleuderte einer der Wagen aus der Kurve und traf eine 19-jährige Radfahrerin tödlich.

Das Kölner Landgericht verurteilte den Fahrer des Unfallwagens zu zwei Jahren und seinen Mitstreiter zu einem Jahr und neun Monaten - beide auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft legte aber Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Der hob das Urteil im Juli 2017 teilweise auf.

Wieso hat der BGH die Bewährungsstrafen aufgehoben?

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe

BGH fand Bewährung unangemessen

Die BGH-Richter hielten die Höhe der verhängten Strafen zwar für angemessen, nicht aber die Aussetzung zur Bewährung. Das Landgericht habe nicht berücksichtigt, dass die beiden Männer durch ihren aggressiven Fahrstil bewusst eine Gefahrensituation geschaffen hätten.

Inzwischen gelten höhere Strafen für illegale Autorennen. Betrifft das diesen Prozess?

Seit Juli 2017 können für die Teilnahme an einem Autorennen mit Todesfolge bis zu zehn Jahre Haft verhängt werden. Im jetzigen Revisionsverfahren darf diese Strafverschärfung allerdings nicht angewandt werden, sagt Jochen Wiegand, Anwalt und Experte für Verkehrsstrafrecht in Dortmund: "Maßgeblich ist die Rechtssprechung zum Tatzeitpunkt." Damals waren beim Vorwurf der fahrlässigen Tötung maximal fünf Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung möglich.

Wie könnte das neue Urteil aussehen?

In Berlin waren im vergangenen Jahr zwei junge Männer nach einem tödlichen Raserunfall wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof am 1. März 2018 in einer Aufsehen erregenden Entscheidung wieder auf - er sah keine vorsätzliche Tötung.

BGH: Mordurteil gegen Berliner Raser aufgehoben

WDR 2 | 01.03.2018 | 02:48 Min.

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Für den Kölner Fall sei diese Entscheidung nicht maßgeblich, sagt Wiegand. Denn der BGH habe nicht die Höhe der Strafe kritisiert, sondern lediglich in Frage gestellt, ob eine Aussetzung auf Bewährung richtig war. 

Stand: 12.03.2018, 06:00

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