Nach den Krawallen in Frankfurt und Stuttgart - wo kommt der Hass her?

Nach den Krawallen in Frankfurt und Stuttgart - wo kommt der Hass her?

Von Anke Kahle

  • Erhöhte Aggressivität bei jungen Männern
  • Polizei beklagt erhöhte Gewaltbereitschaft
  • NRW will keine Platzverbote

Erst Stuttgart, jetzt Frankfurt. Nachdem es am Opernplatz in Frankfurt in der Nacht zum Sonntag zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen ist, verhängt die Stadt jetzt ein nächtliches Betretungsverbot an den Wochenenden. Darüber hinaus soll es auch zu verstärkten Kontrollen durch die Polizei rund um den Opernplatz kommen.

Bei den 38 festgenommenen Personen handelt es sich überwiegend um junge Männer mit Migrationshintergrund. Fast alle sind polizeibekannt.

Junge Männer ohne Perspektive

Sozialarbeiter und Psychologen beobachten bei jungen männlichen Heranwachsenden seit vielen Jahren eine große Unzufriedenheit. Häufig seien soziale Ursachen der Grund, wenig Einkommen, Bildungsdefizite. Jetzt kommt Corona hinzu mit Maßnahmen, die zusätzlich einschränken. ''Dann kann es schnell sein, dass so eine Situation eskaliert'', sagt Franco Clemens, Sozialarbeiter bei der Rheinflanke Düsseldorf Oberbilk: ''In einem bestimmten Milieu ist eine größere Respektlosigkeit. Mit einem höheren Gewaltpotenzial. Da fangen dann zwei, drei an sich zu widersetzen, dann greift die Polizei ein und dann hat man so eine Situation, wo ein gruppendynamischer Prozess entsteht.''

Kommentar: Partysprenger – Alle auf die Polizei

WDR 4 Zur Sache 20.07.2020 02:27 Min. Verfügbar bis 20.07.2021 WDR 4


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Motivation durch gewaltverherrlichende Texte

Der Sozialarbeiter sieht die Ausschreitungen in Frankfurt und Stuttgart weniger politisch motiviert. Stattdessen würden viele junge Menschen falschen Vorbildern folgen, zum Beispiel in der Musik mit zum Teil sexistischen, gewaltverherrlichenden und rassistischen Texten. Es sei außerdem eine Gaming Generation, bei der gewalttätige Spiele an der Tagesordnung stünden.

Gewalt gegenüber Polizisten steigt

Die Polizei sieht darin eine gefährliche Entwicklung. Die Stimmung gegen die Polizei in Hessen hat sich nach deren Angaben in den letzten Wochen extrem hochgeschaukelt. Auch in Nordrhein-Westfalen ist man ähnlicher Auffassung. Der Respekt vor der Uniform gehe zunehmend verloren, sie sei zwar nicht Ursache, aber oft Grund des Angriffs, so Michael Mertens, Gewerkschaft der Polizei NRW.

NRW-Schwerpunkte im Fokus

Auch in den Rheinmetropolen wie Köln und Düsseldorf greifen Jugendliche immer wieder Polizisten an, wenn ein Party-Hotspot zu Corona-Zeiten geräumt wird – wie etwa in der Düsseldorfer Altstadt oder am Stadtgarten in Köln. Krawalle wie in Hessen und Stuttgart sind bisher ausgeblieben. Die Polizei in NRW wird an Ballungszentren weiterhin deutliche Präsenz zeigen. Platzverweise sind grundsätzlich möglich, genauso wie das Absperren von Schwerpunkt-Gebieten.

Eine Gesamtsperrung sei allerdings die letzte Instanz, weil so auch andere darunter leiden, die einfach nur einen schönen Abend haben wollen, so NRW GdP-Chef Michael Mertens. Er findet den Begriff ''Party Event Szene'' in Zusammenhang mit den Krawallen falsch: ''Jeder von uns möchte Party machen und auf eine Eventmeile gehen, aber wenn dann einige wenige Bekloppte sowas Schönes kaputt machen, dann ist das ein schlechtes Zeichen." Der Begriff sei zu pauschal.

Stand: 20.07.2020, 21:30

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