Wladimir Putin während einer Pressekonferenz im Kreml.

Putin versetzt atomare Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft

Stand: 27.02.2022, 20:21 Uhr

Der russische Präsident Wladimir Putin versetzt die Abschreckungswaffen der Atommacht des Landes in Alarmbereitschaft. Das habe er wegen des aggressiven Verhaltens der NATO und der Wirtschaftssanktionen der russischen Militärführung befohlen, sagte Putin im Fernsehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat inmitten der Spannungen mit dem Westen wegen des Kriegs in der Ukraine die Abschreckungswaffen der Atommacht seines Landes in besondere Alarmbereitschaft versetzen lassen. Das teilte er am Sonntag bei einem Treffen mit seinen Spitzenberatern mit. Er sprach laut der Nachrichtenagentur dpa von Abschreckungswaffen und nannte nicht explizit Atomwaffen. Allerdings umfassen Abschreckungswaffen normalerweise auch Atomwaffen.

NATO-Mitglieder hätten "aggressive Erklärungen" abgegeben, sagte er offenbar unter Bezug auf harte finanzielle Sanktionen gegen Russland und ihn selbst. Verteidigungsminister Sergej Schoigu und den Generalstabschef habe er angewiesen, die nuklearen Abschreckungskräfte in ein "spezielles Regime" der Kampfbereitschaft zu versetzen.

Alarmierung als reine Abschreckung?

Es gibt Stimmen in Russland, die davon ausgehen, dass die Alarmierung eine reine Abschreckung ist. Die UN-Botschafterin der USA sagte, dass die Alarmbereitschaft zeige, dass Russland den Konflikt auf inakzeptable Weise eskaliere.

Nach Einschätzung von Andreas Flocken, Sicherheitsexperte des NDR, zeigen die Worte von Putin im Fernsehen, wie wirksam seitens des Westens die Ankündigungen von Sanktionen sind. Offenbar realisiere man im Kreml erst jetzt die Entschlossenheit des Westens und auch, welchen ökonomischen Schaden das alles anrichten kann. Zudem laufe es auch militärisch für Moskau in der Ukraine nicht optimal.

Reaktionen der US-Regierung und der Nato

Die US-Regierung erklärte, dass Russland von der Nato zu keiner Zeit bedroht worden sei. Dass Putin die Atomstreitkräfte jetzt in Alarmbereitschaft versetzt habe, folge einem Muster, sagte die Sprecherin des Präsidialamtes in Washington, Jen Psaki. Putin konstruiere Gefahren, die es nicht gebe, um damit eine russische Aggression zu rechtfertigen. "Wir werden dem entgegentreten", so Psaki. "Wir haben die Fähigkeit, uns zu verteidigen."

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nannte die Worte Putins eine "gefährliche Rhetorik". Man sei nun mit einer "neuen Normalität" für die eigene Sicherheit konfrontiert, sagte er dem Fernsehsender CNN.

CDU-Außenpolitiker Röttgen wirft Putin "Angsttaktik" vor

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warf im WDR-Interview Putin vor, eine "Angsttaktik" zu verfolgen. Er wolle die Menschen im Westen derart ängstigen, dass sie sich fragten, ob sie wirklich der Ukraine helfen oder ob sie nicht lieber ihre Haut retten und die Ukraine im Stich lassen wollten.

Russland wolle sich ausdehnen auf seine Nachbarländer – auf die Ukraine, aber auch auf die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die inzwischen NATO-Mitglieder seien. Allerdings glaube er nicht, dass sich Putin mit allen 30 NATO-Ländern auf einmal anlegen wolle.

Internationale Atomenergiebehörde kommt zu Dringlichkeitssitzung zusammen

Die internationale Atomenergiebehörde IAEA erörtert am Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung die Lage in der Ukraine. Der aus 35 Nationen bestehende Gouverneursrat komme zusammen, erklärt die IAEA. Diplomaten zufolge haben die Vorstandsmitglieder Kanada und Polen die Sitzung auf Antrag der Ukraine einberufen. Russische Streitkräfte haben nach der Invasion in der Ukraine die Kontrolle über die Atom-Anlage in Tschernobyl übernommen.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen