Corona-Schutzkleidung: Heinsberger Hilferuf an China

Krisenregion Heinsberg vermisst Unterstützung vom Land Aktuelle Stunde 24.03.2020 UT Verfügbar bis 31.03.2020 WDR Von Julius Hilfenhaus

Corona-Schutzkleidung: Heinsberger Hilferuf an China

Von Thomas Wenkert und Jörn Seidel

  • Landrat vom Kreis Heinsberg kritisiert Bund und Land
  • Stephan Pusch (CDU): Nicht genug Schutzkleidung
  • Hilferuf an Chinas Staatsführung

Veilchendienstag (25.02.2020), 17 Uhr: Der Kreis Heinsberg gibt als erste Region in Nordrhein-Westfalen bekannt, dass sich ein Ehepaar mit dem gefährlichen Coronavirus infiziert hat. Sofort bildet Landrat Stephan Pusch (CDU) einen Krisenstab - und kritisiert seitdem das Krisenmanagement von Bund und Land.

Nicht genug Schutzkleidung

Er kritisiert mehrfach, dass die Maßnahmen in Deutschland und NRW zur Eindämmung des Coronavirus' zu spät kommen. Vor allem aber beklagt er, dass man ihn mit seiner Forderung nach mehr Schutzkleidung, sprich Mundschutz und Schutzkittel, allein lasse.

Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg, bei einer Pressekonferenz am 09.03.2020

Stephan Pusch, Landrat Heinsberg

In der verzweifelten Suche nach Schutzkleidung für seinen vom Coronavirus besonders betroffenen Kreis schrieb der Landrat nun am Montag (23.03.2020) einen offenen Brief an die chinesische Regierung um Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang. China reagierte sofort, sagte Hilfe zu.

Die drei Krankenhäuser im Kreisgebiet Heinsberg benötigen nach eigenen Angaben insgesamt 4.000 Schutzkittel und 1.200 Mundschutzmasken - für jeden Tag.

Hilfe vom Land reicht nicht aus

Das hatte der Kreis auch schon vor Wochen NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gemeldet. Doch aus Düsseldorf kamen in vier Wochen: nur 900 Masken. "Die angekündigten Masken von Herrn Bundesminister Spahn oder von Herrn Laumann, die sind nie angekommen", sagte der Chefarzt des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler, Uwe Janssens.

Helden des Alltags: Essener Näh-Aktion für Mundschutz

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 24.03.2020 01:17 Min. Verfügbar bis 24.03.2021 WDR 5 Von WDR 5

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Enttäuscht zeigte sich Pusch auch, als die Bundeswehr ein Hilfegesuch aus seinem Kreis ablehnte. Das sei "beschämend", sagte der Landrat und griff Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an.

Bundeswehr hilft erst nach Kritik

Die Reaktion: Die Bundeswehr schickte doch noch Hilfe: 3.000 Spezialmasken, 8.000 Schutzkittel, 15.000 Mund- und Nasenschutzmasken. Doch auch das reichte nur für wenige Tage.

"Wir hangeln uns von Tag zu Tag, um an Schutzausrüstung zu kommen", sagte Pusch. Mitarbeiter durchforsten das Internet, um Anbieter von Schutzausrüstung zu finden.

Ohne Schutzausrüstung sei die Behandlung der Patienten gefährdet. "Dann müssen die Kliniken schließen", mahnen die Chefs der drei betroffenen Krankenhäuser.

"Zustände wie in Spanien und England" drohen

Und Puschs Hilfeschreie werden eindringlicher: "Wenn wir es nicht schaffen, die Kliniken in Deutschland mit ausreichend Schutzmaterial zu versorgen, werden wir Zustände wie in Spanien und England haben, wo Mediziner versuchen, sich mit Plastiktüten von Infektionen zu schützen."

Auch die Vorwürfe gegen das Robert-Koch-Institut (RKI) werden hier lauter: globales Risiko heruntergespielt, Heinsberg nicht als Forschungsort erkannt. Der Virologe Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn hat früh damit begonnen, dort Proben zu sammeln und Daten auszuwerten, um möglichst viel über das Coronavirus und seine Ausbreitung zu lernen. Streeck hat es "sehr gewundert", dass das RKI das nicht selbst tut.

Stand: 24.03.2020, 20:34

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