Fall Lügde: Kinder sagen vor Gericht aus

Der vierte Prozesstag im Fall Lügde

Fall Lügde: Kinder sagen vor Gericht aus

  • Mehrere Kinder sagten als Zeugen aus
  • Große Angst vor der Vernehmung
  • Campingplatz soll "Abenteuerspielplatz" geglichen haben

In Detmold ist am Freitag der Prozess um hundertfachen sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz im lippischen Lügde weitergegangen. Das Gericht befragte unter anderem drei betroffene Kinder und ihre Mütter.

Große Angst der Opfer

Auch am Freitag zeigte sich wieder, wie groß die innerliche Anspannung und Angst vieler Opfer vor ihrer Aussage sein muss. Drei Schwestern im Alter von heute acht, zehn und dreizehn Jahren waren als freiwillig aussagende Zeugen geladen; sie alle waren auf dem Campingplatz missbraucht worden.

Keine von ihnen wollte sich in Gegenwart der beiden Angeklagten Andreas V. und Mario S. äußern. Eines der Mädchen – so ihre Anwältin – habe gefragt: "Muss ich dann ins Kindergefängnis?"

Das Leben auf dem Campingplatz

Viele der betroffenen Kinder verbrachten ihre Freizeit auf dem Campingplatz. Dort "wurde sich um sie gekümmert," berichtet Anwalt Thomas Brockmann, der ein Missbrauchsopfer als Nebenkläger vertritt. Der Angeklagte Andreas V. habe "wie ein Magnet auf die Kinder gewirkt", ergänzt Rechtsanwalt Thorsten Fust.

Anwalt Peter Wüller

Opfer-Anwalt Peter Wüller vertritt zwei minderjährige Opfer, die regelmäßig auf dem Campingplatz waren.

"Die Kinder konnten Trampolin springen, Reiten, Tauchen, dass war wie ein Abenteuerspielplatz", erklärt Peter Wüller, der zwei Missbrauchsbetroffene anwaltlich vertritt. Seine Mandantinnen seien sehr gerne dort gewesen und hätten niemals etwas von Missbräuchen berichtet. "Umso mehr verwundert es uns, dass meine Mandantinnen trotz dieser fürchterlichen Taten, die ihnen angetan wurden, immer wieder in 14-tägigem Abstand auf den Campingplatz gegangen sind."

Warum hat niemand etwas gemerkt?

Das Gericht ging am vierten Prozesstag der Frage nach, warum der Missbrauch offenbar von niemandem bemerkt wurde. Dazu befragte die Richterin zwei Mütter von Missbrauchsbetroffenen. "Wir wussten, dass der Angeklagte Andreas V. ja ein Pflegekind hatte, und dass das Jugendamt da nach dem Rechten guckt", schildert Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben die Aussage der Mütter. Deshalb seien beide Mütter davon ausgegangen, "dass da schon alles in Ordnung sei".

Anwalt Roman von Alvensleben

Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben sprach mit Müttern der Betroffenen.


Auch die vom Missbrauch herrührenden Verletzungen am Körper der Kinder seien ihnen nicht als solche aufgefallen. "Sie sagten, die blauen Flecke und Abschürfungen hätten auch vom Schwimmen, Turnen oder Toben stammen können", so von Alvensleben.

Der Prozess wird nächste Woche Freitag (12.07.2019) fortgesetzt.

Stand: 05.07.2019, 13:00

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