Protestmarsch nach Köln: Der Druck auf Kardinal Woelki wächst

Protestmarsch nach Köln: Der Druck auf Kardinal Woelki wächst

Bis zu 300 Teilnehmer haben am Samstag unweit des Wohnhauses von Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki demonstriert - sie fordern einen Neuanfang in der katholischen Kirche.

Der Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann lässt nicht locker. Ein Neuanfang in der katholischen Kirche muss her, wird er nicht müde zu betonen. Am Samstagmorgen machte er sich auf den Weg. Gemeinsam mit einer Gruppe von Gläubigen legte er einen 30 Kilometer langen Fußmarsch von Dormagen (Rhein-Kreis Neuss) nach Köln zurück. Wobei es nicht etwa ein Spaziergang war. Es war ein Protestzug. Gegen das Agieren des Kölner Erzbischofs, Kardinal Rainer Maria Woelki.

Was Koltermann sauer aufstößt, ist der Umgang des Erzbistums mit Missbrauch. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte er als erster Pfarrer in Deutschland den Rücktritt von Woelki gefordert.

Fußmarsch für eine bessere Kirche

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.06.2021 05:17 Min. Verfügbar bis 12.06.2022 WDR 5


Download

Kritiker werfen Woelki moralische Fehler vor

Worum es geht? Ein im März veröffentlichtes Gutachten weist hohen Amtsträgern der katholischen Kirche Fehler im Umgang mit früheren Fällen sexueller Gewalt durch Geistliche nach. Zwar wird Kardinal Woelki in dem Report juristisch entlastet. Kritiker werfen ihm jedoch moralische Fehler vor. Und daraus müsse er Konsequenzen für sich ziehen, so die Kritiker.

Organisatoren sprechen von 300 Teilnehmern, die Polizei von 200

Demonstration für Erneuerung der Kirche

Für Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche.

In Köln traf die Gruppe um Koltermann am Nachmittag auf Vertreter verschiedener Kirchengemeinden des Erzbistums, der Reformbewegung Maria 2.0 und der Katholische Frauengemeinschaft (kfd). Gemeinsam demonstrierten sie unweit des Wohnhauses von Woelki.

Eine umfassende Aufarbeitung des Themas sexueller Missbrauch - das war das eine, was die Demonstranten forderten. Daneben machten sie sich auch für die Gleichberechtigung von Frauen und eine offene Haltung gegenüber homosexuellen Partnerschaften stark. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 200. Die Organisatoren sprachen von über 300.

Zum Schluss eine Menschenkette rund um den Dom?

In der Nähe des Kundgebungsplatzes befindet sich auch das Maternushaus, in dem zurzeit die beiden Apostolischen Visitatoren wohnen, die Papst Franziskus ins krisengeschüttelte Erzbistum entsandt hat. Sie führen dort seit Montag Gespräche, unter anderem mit Missbrauchsopfern und Kritikern des Kardinals. Anschließend sollen sie einen vertraulichen Bericht für den Papst erstellen.

Was dem Dormagener Pfarrer Koltermann vorschwebt? "Mein Traum wäre abschließend eine Menschenkette um den Dom und das Lied 'Großer Gott' zu singen", sagte er einem Medienbericht zufolge. Aber dazu war es offenbar dann doch nicht gekommen. Zumindest am Samstag nicht.

Stand: 12.06.2021, 17:36

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen