"Ende Gelände" beendet Aktionen - Proteste gehen weiter

Polizisten stehen vor Hausbesetzern am Keyenberger Hof

"Ende Gelände" beendet Aktionen - Proteste gehen weiter

Von Maximilian Jungbluth / Julius Schmidt

Klimaschützer haben ihre Proteste im Rheinischen Revier Sonntagmittag für beendet erklärt. Am Wochenende gab es mehrere Aktionen gegen die Stromerzeugung aus Braunkohle und Gas.

Laut dem Bündnis "Ende Gelände" haben am Samstag und Sonntag insgesamt rund 3.200 Menschen für den Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern demonstriert. Am Sonntag gab es nur noch kleinere Protestaktionen der Umweltaktivisten, die laut der Polizei Aachen friedlich verlaufen sind.

Neues Baumhausdorf soll entstehen

Am Sonntagmittag zogen Braunkohlegegner durch das Dorf Lützerath, das dem Tagebau Garzweiler II weichen soll. Ihr Ziel war ein Waldstück neben Keyenberg, in dem Aktivisten derzeit Baumhäuser bauen. Sie wollen ein Baumhausdorf errichten, um die Rodung des Waldes zu verhindern.

Demonstrant auf einem der gebauten Baumhäuser

Demonstranten errichten Baumhäuser im Wald

In bis zu 18 Metern Höhe befinden sich bisher zwei Baumhäuser, an weiteren wird gerade gebaut. Wem das Gelände gehört, das die Klimaschützer besetzen wollen, wissen weder die Polizei noch die Besetzer. Ein Sprecher des Tagebaubetreibers RWE konnte auf WDR-Nachfrage auch nicht sagen, ob der Konzern Besitzer des Waldstücks ist.

Was passiert mit dem Hambacher Forst?

Der zum Symbol des Widerstands gewordene Hambacher Forst bleibt erhalten. In einem Vertrag des Bundes mit den Braunkohleunternehmen heißt es, dass RWE den Wald "nicht für den Tagebau in Anspruch nehmen" wird. Trotzdem sehen ihn Umweltschützer als gefährdet an. Sie sagen: Der Tagebau in unmittelbarer Nähe wirke an heißen Tagen wie ein Glutofen auf den Wald und schädige ihn. Und auch die Konflikte vor Ort sind nicht befriedet. Noch immer gibt es Auseinandersetzungen zwischen Waldbesetzern und der Polizei.

Es ist nicht das erste Waldstück im Rheinischen Revier, das Braunkohlegegner besetzen. In den vergangenen Jahren wurde das Baumhausdorf im Hambacher Forst, der RWE gehört, zum Symbol des Widerstands von Umweltaktivisten gegen die Braunkohle.

Im September 2018 wurden dort die Baumhäuser zwar geräumt, mittlerweile leben aber wieder Kohlegegner in dem Waldstück.

Hausbesetzung bis in die Morgenstunden

Noch bis Sonntagmorgen besetzten Aktivisten der Bündnisse "Ende Gelände" und "Alle Dörfer bleiben!" eine leerstehende Gaststätte in Keyenberg. Das Dorf soll dem Tagebau Garzweiler II weichen.

Polizistin steht vor Hausbesetzern am Keyenberger Hof

Demonstration am Keyenberger Hof

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Am Vormittag räumten die Besetzer freiwillig das Gebäude. Etwa 100 Braunkohlegegner zogen anschließend in einem Protestmarsch durch das Dorf. Ihr Ziel war das Klimacamp am Ortsrand von Keyenberg.

Proteste am Samstag

Klimaaktivisten hatten bereits am Samstag für ein sofortiges Ende der Stromerzeugung aus Kohle und Gas demonstriert. Bei den Aktionen kam es zu Blockaden an den Kohlekraftwerken Weisweiler, Frimmersdorf und am Gaskraftwerk Lausward.

Außerdem wurden auch Bahngleise blockiert, unter anderem an der Hambachbahn bei Elsdorf. Zu den Aktionen aufgerufen hatte das Bündnis "Ende Gelände", das unter anderem von der Initiative "Fridays for Future" unterstützt wird. "Ende Gelände" sprach am Samstag von insgesamt 3.000 Teilnehmern.

Polizei mit Großeinsatz

Die Polizei war bereits am Samstag mit Hundertschaften aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Dabei kam es teilweise zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Demonstranten. Die Einsatzkräfte setzten auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Insgesamt wurden 49 Personen nach Verübung von Straftaten festgenommen. Nach Angaben der Aachener Polizei wurden über 60 weitere Menschen in polizeilichen Gewahrsam genommen.

Die meisten wurden nach Feststellung der Identität wieder entlassen. Außerdem erhielten 300 weitere Aktivisten Platzverweise und wurden mit Bussen aus dem Bereich des Tagebaus Garzweiler II gebracht.

Protestaktionen von Ende Gelände am Sonntag

Bei Protesten im Rheinischen Braunkohlerevier haben Demonstranten am Sonntag Aktionen an verschiedenen Orten gestartet. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Polizistin steht vor Hausbesetzern am Keyenberger Hof

Polizistin steht vor Demonstranten am Keyenberger Hof

Polizistin steht vor Demonstranten am Keyenberger Hof

Demonstrationszug nach der freiwilligen Räumung

Banner der Aktivisten im besetzten Waldstück

Demonstranten errichten Baumhäuser

Im Wald wurden Baumhäuser errichtet

Demonstranten haben ein Transparent aufgehangen

Stand: 27.09.2020, 20:02

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