Omikron-Impfstoff kommt - für die fünfte Welle aber wohl zu spät

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Reinraumkeidung arbeiten in der Produktion des Impfstoffes Comirnaty von Biontech/Pfizer in den Produktionsstaetten von Allergopharma in Reinbek.

Omikron-Impfstoff kommt - für die fünfte Welle aber wohl zu spät

Von Louisa Schmidt

Biontech und Pfizer stellen bereits einen an Omikron angepassten Impfstoff her. Ob der nötig ist, ist jedoch noch unklar. Für die fünfte Welle dürften die angepassten Vakzine zu spät kommen.

Ein an die Omikron-Variante angepasster Impfstoff rückt näher: Die Mainzer Pharmafirma Biontech und der US-Partnerkonzern Pfizer haben bekannt gegeben, dass sie bereits mit der Produktion eines Omikron-Impfstoffs begonnen haben. Ohne zu wissen, ob das Mittel überhaupt zugelassen wird.

Wie viele Dosen soll es geben?

Bis Ende März oder Anfang April sollen 50 bis 100 Millionen Impfdosen lieferbar sein. Pfizer gibt an, auf eigenes Risiko zu produzieren. Zwar laufen für entsprechende mRNA-Impfstoffe schon Zulassungsverfahren, die europäische Zulassungsbehörde EMA hat aber noch gar nicht erklärt, ob sie an Omikron angepasste Impfstoffe überhaupt für nötig hält.

Bei Bedarf könnten Biontech und Pfizer die Produktion aber deutlich aufstocken. Sie rechnen damit, dass sie 2022 insgesamt vier Milliarden Dosen Impfstoff herstellen können.

Virologe Christian Drosten

Virologe Christian Drosten

Klar ist: Der Booster bleibt auch mit den bisher verfügbaren Impfstoffen wichtig. "Was richtig schützt gegen Omikron, ist die Dreifach-Impfung", sagte vor Kurzem etwa Virologe Christian Drosten. Wer gegen die Virusvariante und insbesondere gegen schwere Verläufe bestmöglich geschützt sein will, sollte deshalb nicht auf einen angepassten Impfstoff warten.

Wenn der Impfstoff nicht sofort kommt - bringt er dann überhaupt noch was?

Bis solche Impfstoffe in der Breite verfügbar sind, hat sich vermutlich ein großer Teil der Menschen schon mit Omikron infiziert - das könne wie ein natürlicher Booster wirken, sagte ein EMA-Vertreter am Dienstag.

Insbesondere für Risikogruppen könnte die Impfung mit einem angepassten Mittel aber wichtig sein - auch mit Blick auf den Herbst und Winter. Möglicherweise fordert die EMA keine reinen Omikron-Impfstoffe, sondern solche, die von vornherein besser gegen neu aufkommende Virusvarianten schützen.

Nicht abschließend geklärt ist bisher, wie gut ein Omikron-Impfstoff zum Beispiel gegen die im Moment noch präsente Delta-Variante wirkt. "Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ein Omikron-Impfstoff auch die Immunreaktionen gegen alle existierenden Varianten verstärkt", so Biontech-Chef Ugur Sahin.

Im Moment arbeiten die meisten Pharmaunternehmen, deren Impfstoffe in der EU zugelassen sind, an Omikron-Updates. Der US-Hersteller Moderna hat zum Beispiel schon im November begonnen, mehrere angepasste Varianten zu entwickeln und erprobt sie zum Teil schon an Probandinnen und Probanden.

Was ändert sich denn überhaupt in der Produktion? Und geht das schnell?

Sollte die EMA grünes Licht geben, kann die Produktion relativ leicht angepasst werden - zumindest bei den in der EU gängigen mRNA- und Vektorimpfstoffen. "Es sind die gleichen Rohstoffe, die man braucht, es sind die gleichen Anlagen, die man braucht", sagt Ralf Hömke, Forschungssprecher des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller Vfa.

Am Anfang des Prozesses müsse aber die Gensequenz des veränderten Virus verwendet werden, auch bei den Qualitätskontrollen brauche es Anpassungen. Komplizierter wäre es, die Produktion von Proteinimpfstoffen umzustellen. Dazu zählt das Mittel von Novavax. In der EU ist das erst seit Dezember zugelassen.

Stand: 13.01.2022, 11:52

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