Demo für Europa: "Wann, wenn nicht jetzt?"

Demo für Europa: "Wann, wenn nicht jetzt?"

Sie wollen Europa nicht den Nationalisten überlassen: Rund 500 Menschen kamen am Samstag in Düsseldorf zum "March for Europe", um ein Zeichen der Solidarität mit der kriselnden EU zu setzen.

Teilnehmer beim "March for Europe"

Auf dem Düsseldorfer Burgplatz versammeln sich am Samstagmittag (25.03.2017) die Teilnehmer des "March for Europe". Das Motto: "Ja zu Europa - Nein zum Nationalismus!"

Auf dem Düsseldorfer Burgplatz versammeln sich am Samstagmittag (25.03.2017) die Teilnehmer des "March for Europe". Das Motto: "Ja zu Europa - Nein zum Nationalismus!"

Der Termin ist nicht zufällig gewählt: Vor genau 60 Jahren wurden die Römischen Verträge geschlossen, die als Grundstein für die heutige EU gelten.

Aufgerufen hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und mehrere Initiativen. Zu den Rednern der Kundgebung gehören unter anderem Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB-Bundesvorstands, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und der Karnevalswagenbau-Künstler Jacques Tilly.

Den meisten Applaus bekommen die Redner des Düsseldorfer Jugendrates. "Meine Nationalität: Europäer. Meine Heimat: Europa", sagt Justus Brümmer, 16 Jahre alt. "Ich musste für diese Rede nicht lange nachdenken. Das kommt von Herzen", so der Schüler.

"Toll, dass sich hier so viele junge Menschen engagieren", sagt Rudolf Schuldt (72) aus Düsseldorf. "Die britischen Jugendlichen haben zu spät erkannt, was Europa bedeutet."

Elke und Lars Thamm möchten gerne mehr Menschen motivieren, sich für Europa zu engagieren. "Gerade in Düsseldorf kommen wenige zu solchen Kundgebungen", sagt Lars Thamm. Er hätte sich mehr als 500 Teilnehmer gewünscht. Diese Teilnehmerzahl schätzt die Polizei.

Es gäbe halt auch immer viele andere Veranstaltungen in Düsseldorf, so Ulrike Kölgen." Dabei ist es gerade jetzt wichtig, sich öffentlich zu Europa zu bekennen", so die Düsseldorferin.

"Ich habe noch nie demonstriert. Wann, wenn nicht jetzt?", sagt Andrea Breitbach, die aus Bonn mit ihrer Familie angereist ist. "Ich habe die Sorge, dass Europa auseinanderbrechen könnte. Unsere Probleme, die zweifellos bestehen, sind nicht durch Nationalismus zu lösen."

Nationalismus ist ein großes Thema an diesem Tag. Jacques Tilly hat den Mottowagen des diesjährigen Rosenmontagszuges mitgebracht, der weltweit für Diskussionen sorgte. Er zeigt Rechtspopulist Wilders, die Vorsitzende des "Front National" Marine le Pen und Donald Trump unter dem Motto "Blond ist das neue Braun" in einer Reihe mit Adolf Hitler.

"Es war immer eine Selbstverständlichkeit für mich, in Deutschland zu leben", sagt die Französin Geneviève Moreau, die in Köln lebt. Sie ist gemeinsam mit dem Künstler Georg Krautkrämer zur Demo gekommen und sagt: "Endlich kann ich mal für etwas demonstrieren. Für Europa. Mit einem Fraxit wäre ich nicht mehr Bürgerin der EU - unvorstellbar". (Fraxit: Frankreich würde die EU verlassen)

"Europa bedeutet mit sehr viel. Europa bringt Frieden und Stabilität für die ganze Welt", sagt Kai aus Niederkrüchten, der während der Zeiten des "Kalten Krieges" bis Anfang der 1990er Jahre als Soldat in einer NATO-Einheit gedient hat.

Die Düsseldorfer Künstlerin Naemi Reymann hat sich zu diesem Bild inspirieren lassen. "Ich bin optimistisch, auch wenn Europa kränkelt."

Höhepunkt der Veranstaltung: In Berlin, London, Rom, Edinburgh und anderen Städten - in denen zeitgleich Kundgebungen stattfinden - lassen die Menschen zur Musik der Europahymne "Freude, schöner Götterfunken" tausende blaue Luftballons in den Himmel steigen.

Stand: 25.03.2017, 16:37 Uhr