Priestermangel in NRW - Zölibat zu hohe Hürde?

Priestermangel in NRW - Zölibat zu hohe Hürde?

Von Nina Giaramita

  • Priestermangel wird in Gemeinden immer deutlicher sichtbar
  • Ehrenamtliche werden stärker eingebunden
  • Zölibat steht zur Diskussion

Die Priesterweihe von Gerhard Dane liegt mehr als 50 Jahre zurück. Im Jahr 1967 begann der mittlerweile 76-Jährige seine Laufbahn als Geistlicher in Köln. Ans Aufhören kann der Rheinländer jedoch weiterhin nicht denken. "Wir werden noch ganz schön gebraucht", sagt er.

Auf der Homepage der Katholischen Kirchengemeinde Bedburg wird Dane ganz offiziell als Teil des aktuellen vierköpfigen Seelsorgeteams aufgeführt - neben dem Pfarrer, der Gemeindereferentin und einem Priester aus Indien.

Dass ein Senior wie Gerhard Dane weiterhin für Gottesdienste und Beichten im Einsatz ist, liegt an der immer geringer werdenden Zahl von Priesteranwärtern. Im Jahr 2017 gab es bundesweit nur noch 76 Priesterweihen. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Männer, die geweiht wurden, dagegen noch bei 154.

Ausbildungsorte zusammengelegt

Längst müssen auch die Bistümer in NRW auf diese Entwicklung reagieren. Bereits 2012 hat das Bistum Essen beispielsweise die Priesterausbildung von Bochum nach Münster verlagert.

Die Aufrechterhaltung der Studienstätte lohnte sich nicht mehr: Am Ende waren nur noch fünf Priesteranwärter in dem rund 60 Plätze umfassenden Priesterseminar zugegen.

Eine Ursache für den ausbleibenden Nachwuchs ist in den Augen vieler der Zölibat. Auch Gerhard Dane zieht in Zweifel, ob für künftige Priester das Gebot, ohne Sex und Ehe zu leben, weiterhin gelten soll. "Ich kenne eine ganze Reihe junger Leute, die eine Eignung zum Priester hätten, aber der Zölibat ist eine zu große Hürde", sagt Dane.

Dem Priester zufolge könne der Zölibat "in dieser Ausschließlichkeit nicht bleiben". Außerdem dürfe Frauen der Zugang zu höheren Ämtern in der Katholischen Kirche nicht weiter verwehrt werden.

Ehrenamtler für Beerdigungen verantwortlich

Die Zahlen, die die Bistümer veröffentlichen, zeigen, dass die Personalsituation dramatisch ist. Im Bistum Essen beispielsweise ist die Zahl der Priester in den vergangenen 15 Jahren um etwa ein Drittel gesunken. Bis zum Jahr 2030 ist mit einer Halbierung zu rechnen.

Immer weniger Pfarrer sind dadurch für immer mehr Gemeindemitglieder verantwortlich. Das Ehrenamt bekommt daher in den Katholischen Kirchen eine immer größere Bedeutung.

Das Bistum Aachen hat beispielsweise 200 "Beerdigungsleiter" ausgebildet. Die Laien führen Trauergespräche und setzen die Toten bei. Die wenigen verbliebenen Priester werden zwischenzeitlich woanders gebraucht.

Stand: 22.03.2018, 06:30

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