Verzögerungen bei Pooltest-Ergebnissen an Grundschulen

Verzögerungen bei Pooltest-Ergebnissen an Grundschulen

Von Peter Hild

In vielen Grundschulen kamen die Ergebnisse der Pooltests zum Schulstart am Dienstag erst spät oder gar nicht an. Das sorgte für Verunsicherung bei Eltern und Schulleitern.

Das Bild zeigte sich zumindest bei einer WDR-Stichprobe am Dienstag in mehreren Dutzend Schulen im Land. Die Grundschulen reagierten auf die Situation darauf unterschiedlich: Einige forderten die Eltern auf, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. Andere Einrichtungen testeten die Schülerinnen und Schüler am Dienstagmorgen noch einmal mit einem Schnelltest.

Auch bei den Zahlen der positiven getesteten Kinder gibt es in der WDR-Stichprobe zum Teil deutliche Unterschiede. Einen landesweiten Überblick, wie viele infizierte Schülerinnen und Schüler durch die Pooltests ermittelt wurden, gibt es bisher nicht. Das NRW-Schulministerium will erst in der nächsten Woche Zahlen bekanntgeben. Ein regionaler Überblick der Stichprobe:

Rheinland

An einer Grundschule in Köln-Godorf gab es in drei von sieben Klassen positive Fälle, die Testergebnisse kamen nach Angaben von Eltern teilweise mit zwei Stunden Unterschied an. Die Schulleitung hat entschieden, alle Kinder von positiven Pools zu Hause zu lassen.

In der Grundschule Am Höfling in Aachen gab es einen positiven Pooltest. Da aber auch dort am Morgen noch nicht alle Ergebnisse der Einzelproben vorlagen, blieb die komplette Klasse zu Hause. Schulleiter Ulrich Nellessen zeigte Verständnis: "Wenn das am Anfang noch nicht klappt, muss man dafür Verständnis haben. Aber für die Familien, die betroffen sind, die jetzt die ganze Nacht bis heute früh nicht wussten, ob die Kinder in die Schule kommen können und wann sie kommen können, ist das eine enorme Belastung. Es muss sich einspielen, damit das System Sinn macht."

Ruhrgebiet

An der Brüder Grimm-Schule in Mülheim waren von 24 Klassen-Pooltests sieben positiv, die Einzelergebnisse hatten die Labore bis zum Morgen laut Schulleitung nicht geliefert. Trotzdem sind mögliche betroffene Kinder am Morgen in der Schule erschienen, weil die Eltern nicht informiert oder erreicht wurden, erklärte Schulleiterin Vera Glunz: "Das hat die Konsequenz, dass im Moment 100 Kinder in Quarantäne sind und wir jetzt darauf warten, den Familien sagen zu können, dass die Kinder morgen früh wieder kommen können."

In der Hövel-Grundschule in Essen sind am Dienstag die meisten Schüler zu Hause geblieben, auch dort lagen noch keine Testergebnisse der Labore vor. Schulleiter Felix Busch: "Da wir nicht wissen, ob Kinder positiv sind, haben wie die Eltern gebeten, ihre Kinder nicht zu schicken. Das war uns zu unsicher." Von 320 Kindern seien nur rund 35 erschienen. Bei diesen Kindern habe die Schule Corona-Schnelltests gemacht und prompt einen positiven Fall entdeckt.

"Das war kein guter Start. Die Labore kommen mit der Auswertung nicht hinterher", sagte der Leiter der Maria-Kunigunda-Schule in Essen, Udo Moter. Er habe ebenfalls bis zum Dienstagvormittag noch kein Ergebnis der Tests der 340 Kinder seiner Schule bekommen. In seiner Grundschule habe aber der Unterricht dennoch ganz normal stattgefunden.

In Dortmund haben einzelne Grundschulen den Unterricht sicherheitshalber ganz abgesagt. An anderen Schulen mussten Eltern ihre Kinder wieder abholen, nachdem am Morgen positive Testergebnisse nachgemeldet wurden. An einer Grundschule in Hagen müssen zwei Klassen länger in Quarantäne, weil es gestern nicht genug Einzeltests zur Präzisierung des Pooltests gab.

Münsterland

An der Primusschule und der Michael-Grundschule in Münster haben die Pooltests jeweils einer Klasse positiv aus. Da es dort aber zusätzlich Einzeltests zur Überprüfung gab, konnte schnell ermittelt werden, dass jeweils ein Kind in Quarantäne musste, nämlich das Infizierte selbst - alle anderen durften im Schulunterricht bleiben.

Kritik der Landtags-Opposition

Thomas Kutschaty (21.09.2021)

Der SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, Thomas Kutschaty, kritisierte die offenbar vielerorts fehlenden Testergebnisse: "Das sind Startschwierigkeiten zum Schulbeginn, da ist die Landesregierung gefordert, schnellstens sicherzustellen, dass die Ergebnisse auch vorliegen. Es kann nicht sein, dass Schulen jetzt nicht mehr aufmachen, weil sie keine Testergebnisse haben."

Der Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule in Solingen, Andreas Tempel, befürchtet sogar, dass die Tests zum Schulstart noch kein realistisches Bild von der aktuellen Lage liefern: "Der Weihnachtspeak wird jetzt vorbei sein, aber wo sind sie alle hergekommen in der vergangenen Woche oder am Wochenende, das wird sich erst am Ende der Woche abbilden oder sogar am Anfang der nächsten. Da habe ich große Sorge, wie das weitergehen könnte." Er sprach sich dafür aus, dass Schulen eigenständig je nach Corona-Lage entscheiden können sollten, welches Unterrichtsmodell sie umsetzen.

Schulministerium: Hat "gut funktioniert"

Aus dem Schulministerium in Düsseldorf hieß es hingegen, an den PCR-Lolli-Testungen hätten am Montag an den Grund- und Förderschulen sowie den Schulen mit Primarstufe alle 750.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Das neue Verfahren habe in fast allen Landesteilen sehr gut funktioniert. Lediglich in einem Labor sei es aufgrund eines technischen Problems zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse gekommen. Betroffen hiervon seien vornehmlich einige Schulen im Regierungsbezirk Arnsberg.

Stand: 11.01.2022, 18:47

Aktuelle TV-Sendungen