Kampf gegen Kinderpornografie mit künstlicher Intelligenz

Polizeiliche Ermittlungen mittels Künstlicher Intelligenz

Kampf gegen Kinderpornografie mit künstlicher Intelligenz

Von Sabine Tenta

  • Im Frühjahr erste Ergebnisse des NRW-KI-Projekts
  • Einführung noch in 2020 für NRW-Polizei möglich
  • Möglichkeiten und Grenzen von "Kommissar Computer"

Das NRW-Projekt zur Ermittlung von Sexual-Straftaten gegen Kinder mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) macht Fortschritte: Im Frühjahr werde man wissen, wie effizient KI im Kampf gegen Kinderpornografie ist, so Oberstaatsanwalt Markus Hartmann am Montag (03.02.2020).

Hartmann leitet die "Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW)", die unter anderem zusammen mit Microsoft den Einsatz von KI in diesem Kriminalitätsfeld erforscht. Hartmann ist zuversichtlich, "dass wir im Verlauf des Jahres konkrete Anwendungstools generieren können." Das Projekt war im August 2019 vom Land NRW angestoßen worden.

Riesige Datenmengen

"Bei einem durchschnittlichen Kinderpornografie-Verfahren haben wir eine Größenordnung von drei Terabyte", erklärt Thomas Sawatzki vom LKA. Er leitet das Dezernat Cybercrime/Kinderpornografie. Ein einziger Mitarbeiter sei mit der Auswertung der Daten mehrere Monate beschäftigt. Die künstliche Intelligenz könne bei einer ersten Auswertung helfen.

Die Zeit für die Ermittler drängt

Markus Hartmann

Markus Hartmann

Markus Hartmann betont, dass die Zeit drängt, "weil hinter jedem Bild möglicherweise auch ein noch laufender Missbrauch steht." Die KI könne nur "eine Vorauswahl treffen und uns sehr schnell sagen, welche Bilder von einem Spezialisten oder einer Spezialistin bewertet werden müssen."

Doch am Ende wird es keinem Ermittler erspart bleiben, das Material zu sichten: "Die Grenze zwischen den Altersstufen ist wirklich sehr filigran. Da braucht es wirklich geschulte Polizeibeamte, die diese Auswertung leisten können."

So funktioniert die KI-Ermittlung gegen Kinderpornografie

Zunächst wird auf Rechnern der Justiz das verdächtige Material so verfremdet, dass es für Menschen nicht mehr als Kinderpornografie erkennbar ist. Erst dann werden diese Daten für den nächsten Bearbeitungsschritt in eine Publiccloud geladen. Die wird wegen ihrer großen Rechenleistung benötigt. Dann versucht ein Programm mithilfe sogenannter neuronaler Netzwerke kinderpornografisches Material rauszufiltern. Die so ermittelten Verdachtsfälle müssen dann von geschulten Spezialisten gesichtet und bewertet werden.

"KI-Pornos" als Zugang zu Täter-Foren?

Immer wieder stoßen verdeckte Ermittler an Grenzen, weil Täter einen Austausch von Kinderpornografie verlangen. Das Bundeskabinett hat darum eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht. Sie soll Ermittlern mittels KI erzeugtes Kinderpornomaterial an die Hand geben. Sawatzki vom LKA begrüßt dies.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) ist hingegen skeptisch. Er befürchtet, dass das künstlich erzeugte Fotomaterial nicht überzeugend ist und die Anforderungen erhöht und Videos verlangt werden. Die könne man nicht künstlich herstellen.

Polizeiarbeit im Netz: NRW setzt auf Künstliche Intelligenz

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.02.2020 06:37 Min. Verfügbar bis 03.02.2021 WDR 5

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Mehrere Bundesländer forschen

NRW war das erste Bundesland, das ein entsprechendes KI-Projekt angestoßen hat. Inzwischen forschen auch andere Länder wie Niedersachsen dazu. Für Hartmann keine Konkurrenz, sondern eine willkommene Ergänzung: "Wir müssen am Ende für ein IT-Massenproblem mit ungeheuren Datenmengen in Ermittlungsverfahren eine tragfähige Lösung finden. Und die wird nur mit IT gehen."

Stand: 04.02.2020, 08:29

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