Polizei soll diverser werden

Polizisten stehen mit zur Vereidigung erhobener Hand beisammen.

Polizei soll diverser werden

  • Stiftung Mercator stellt Projekt zur Polizeiarbeit vor
  • Forderung nach mehr Polizisten mit Migrationshintergrund
  • Interkulturelle Kompetenz in Aus- und Weiterbildung stärken

Rassismus, Diskriminierung und "Racial Profiling" bei der Polizei? Ist verboten und muss daher nicht wissenschaftlich untersucht werden. So sieht es zumindest Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und stoppte eine geplante Studie.

Die Stiftung Mercator aus Essen sieht jedoch durchaus Klärungsbedarf bei diesem Thema. "Welche neuen Kompetenzen brauchen Polizisten in einer zunehmend pluralen Gesellschaft" lautet die Leitfrage einer Langzeituntersuchung, die die Stiftung am Mittwoch (08.07.2020) vorstellte.

Mehr Polizisten mit Migrationshintergrund einstellen?

Eines der zentralen Themen der Studie betrifft die Zusammensetzung der Polizei, erläuterte die Projektleiterin Sabrina Ellebrecht. Immer wieder würde die Forderung laut, mehr Polizisten mit Migrationshintergrund einzustellen. Wenn die Polizei ein echter "Spiegel der Gesellschaft" wäre, könnte dadurch diskriminierendes Verhalten verringert und das Sicherheits- und Schutzempfinden von Minderheiten verbessert werden.

Allerdings verhindere das derzeitige Polizeigesetz die praktische Umsetzung solcher Überlegungen, sagte Kriminalitätsforscher Ralf Poscher. Eine Quotenregelung oder ähnliche Maßnahmen sei dort nicht vorgesehen. Poscher plädiert dafür, die Einstellungskriterien anders auszurichten, um für eine größere Diversität zu sorgen. "Sprachkompetenzen und Erfahrungen in bestimmten Kulturen oder Milieus sollten hier höher bewertet werden", sagt er. Derzeit ist sogar unklar, wie viele Polizisten einen Migrationshintergrund haben und wie groß die Diversität dort überhaupt ist.

Polizisten sollen eigenes Handeln besser reflektieren

Auch die Aus- und Fortbildung von Polizisten wird untersucht. So werden in der Polizeiausbildung zwar Rassismus und Diskriminierungen thematisiert, allerdings ist nach Ansicht der Forscher die Wirkung dieser "interkulturellen Kompetenztrainings" unklar. Laut Projektleiterin Ellebrecht gibt es dort häufig "Lernwiderstände", bei den Polizisten mache sich bisweilen ein "Gefühl des Vorwurfs" breit.

Sie empfiehlt mehr Reflexion über das eigene Handeln und möglicherweise vorhandene Vorurteile. Etwa wiederkehrende Seminare auch nach der Ausbildung, in denen das eigene Verhalten im Beruf reflektiert und hinterfragt wird.

Die Studie ist auf drei Jahre angelegt. Neben Wissenschaftlern verschiedener Institute sind daran auch Behörden und Polizeivertreter beteiligt.

Stand: 08.07.2020, 13:22

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