Kommunalpolitiker beklagen Anfeindungen

Kommunalpolitiker beklagen Anfeindungen

  • Hetze und Hass - Politiker beleidigt und bedroht
  • Beleidigungen vor allem in sozialen Medien
  • Morddrohungen und Verfolgungsjagden

Anfeindungen gehören zum Alltag von Kommunalpolitikern - das hat der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, immer wieder betont, nachdem er Opfer einer Messerattacke geworden war.

Etwa 700 Oberbürgermeister, Bürgermeister, Landräte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete hat die WDR Lokalzeit in den vergangenen Wochen angeschrieben und zum Thema "Anfeindungen und Beleidigungen" gefragt. 217 Politiker haben geantwortet - davon gab fast die Hälfte an, dass sie in ihrer politischen Arbeit Anfeindungen ausgesetzt ist.

Haben Sie als Kommunalpolitiker bereits Erfahrungen mit Anfeindungen gemacht? (barrierefrei)

AntwortAnzahlProzent
Ja10347 %
Nein11252 %
keine Angabe21 %

In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen "Anfeindungen" um Beleidigungen in den sozialen Medien. Darüber hinaus erhält jeder dritte Politiker, der angegeben hat, angefeindet zu werden, beleidigende Briefe mit der Post und ist Empfänger von E-Mails mit Beschimpfungen und Beleidigungen (Mehrfachnennungen möglich).

Welche Formen der Anfeindungen haben Sie erlebt? (barrierefrei)

Beleidigungen85 %
Drohungen32 %
Vandalismus13 %
tätliche Angriffe6 %
Hetzkampagnen1 %

Jeder dritte Politiker, der angibt, angefeindet zu werden, beschreibt, dass er zudem bedroht wird und sich diese Bedrohungen auch gegen seine Familienangehörigen richten. Beispielsweise würden Kinder in der Schule angegangen. Einzelne Politiker geben an, Morddrohungen zu erhalten. Andere berichten von Verfolgungsjagden und heimlichen Filmaufnahmen, die dann auf Youtube veröffentlicht werden.

Wo fanden die Anfeindungen statt? (barrierefrei)

Soziale Medien89 %
Brief38 %
E-Mail37 %
persönliches Gespräch27 %

Auch werden  Fälle von Vandalismus genannt. So würden Autos zerkratzt oder mit Aufklebern beschädigt, Reifen zerstochen, Bürogebäude beschmutzt. Ein Drittel der Kommunalpolitiker, die angegeben haben, angefeindet zu werden, erstattet Anzeige bei der Polizei. Ein Rückzug aus der Politik ist für die Befragten übrigens nur sehr selten eine Option: Stattdessen geben 13 Prozent an, dass sie sich nicht einschüchtern lassen. Wenn möglich, bemühen sie sich um eine Richtigstellung und suchen das Gespräch.

Wie gehen Sie mit den Anfeindungen um? (barrierefrei)

Anzeigen36 %
Richtigstellung, Dialog14 %
ignorieren, nicht einschüchtern lassen13 %
höhere Sicherheit, Polizei10 %
in sozialen Medien blockieren2 %

Die Lokalzeit hat den befragten Politikern in der Umfrage Anonymität zugesichert. Dennoch haben sich viele dazu entschieden, die Anfeindungen gegen ihre Person dem WDR zu schildern. Ihnen ist es wichtig, dass sich etwas ändert. Geschichten und O-Töne betroffener Politiker und Einschätzungen von Polizei und Politikforschern zeigt die Lokalzeit.

Kommentar: "Es werden Grenzen überschritten!"

WDR 5 Westblick - aktuell | 18.12.2017 | 02:39 Min.

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Interview mit Gewaltforscher Andreas Zick zu den Ergebnissen

WDR 5 Morgenecho - Interview | 18.12.2017 | 07:49 Min.

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Stand: 18.12.2017, 05:00

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