Pisa-Studie: Digitalisierung hilft beim Lesenlernen

Pisa-Studie: Lesen in der digitalen Welt Aktuelle Stunde 03.12.2019 UT Verfügbar bis 10.12.2019 WDR Von Meike Hendriksen

Pisa-Studie: Digitalisierung hilft beim Lesenlernen

  • Pisa-Studie: Deutschland im oberen Mittelfeld
  • Deutsche Schüler haben Defizite beim Verstehen von Texten
  • Sprachwissenschaftlerin fordert Förderung ab erster Klasse
  • Digitale Medien können zum Lesen motivieren

Es sind schwierige Hausaufgaben, die die OECD Deutschland mit den Ergebnissen der aktuellen Pisa-Studie am Dienstag (03.12.2019) mit auf den Weg gibt. Zwar haben sich die Schüler seit dem Pisa-Schock im Jahr 2001 verbessert und stehen weiterhin im oberen Mittelfeld. Die Bildungsstudie zeigt aber, dass sich die Lesekompetenz der deutschen Schüler wieder verschlechtert hat.

"Ohne Lesen gibt es keinen Bildungszugang"

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.12.2019 05:33 Min. Verfügbar bis 03.12.2020 WDR 5

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4.500 Jungen und Mädchen nahmen im vergangenen Jahr an dem Test teil. Zwar konnten sie die Texte lesen und verstanden die Wörter darin auch. Fragen, die zum Inhalt gestellt wurden, konnten sie aber häufig nicht richtig beantworten.

Systematisches Lernen ab der ersten Klasse

"Aber genau das ist doch Lesekompetenz", sagt die Sprachdidaktikerin Prof. Christa Röber vom Deutschen Seminar an der Universität Freiburg. "Zum Lesenlernen gehört mehr als nur Buchstaben aneinander zu reihen und daraus Wörter zu bilden." In diesem Zusammenhang sieht Röber vor allem die Didaktik in der Pflicht.

Jedem sei klar, dass man die Regeln der Mathematik nicht ohne Hilfe lernen könne, so die Sprachdidaktikerin. Das sei mit der Sprache das Gleiche. Deshalb fordert Röber, dass Kinder schon ab der ersten Klasse systematisch an die Schrift herangeführt werden sollten. "Das heißt, dass sie die Regelhaftigkeit der Sprache vermittelt bekommen und dadurch mehr Kinder die Chance bekommen, auch komplexe Texte zu verstehen."

Pisa-Studie: "Viel Luft nach oben"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.12.2019 04:27 Min. Verfügbar bis 02.12.2020 WDR 5

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Große Kluft zwischen guten und schlechten Lesern

Auch das zweite Problem, das die aktuelle Pisa-Studie aufzeigt, könnte laut Röber dadurch eher gelöst werden: die riesige Kluft zwischen guten und schlechten Schülern. "Viele Kinder lernen auch unabhängig von der Schule lesen, weil sie in einer entsprechenden Umgebung aufwachsen", erklärt sie. Um die Kinder, deren Familien das nicht leisten können, müssten sich verstärkt die Schulen kümmern. "Wenn Kinder nicht bis zum Ende der zweiten Klasse erfolgreich lesen können, dann verlieren sie die Motivation."

Das will auch Nina Toller verhindern. Die Lehrerin unterrichtet an einem Duisburger Gymnasium Englisch, Geschichte, Latein und Informatik – und nutzt dabei oft digitale Medien. "So können vor allem schwächere Schüler oder Leser Unterstützungsmöglichkeiten bekommen, die sie mit einem analogen Buch nicht hätten", sagt Toller.

Pisa-Studie: Interview mit Lehrerin und Bloggerin Nina Toller

WDR Studios NRW 03.12.2019 03:05 Min. Verfügbar bis 10.12.2019 WDR Online

Können digitale Medien Lesen fördern?

So könnten die Schüler beispielsweise die Schrift vergrößern oder den Hintergrund verändern, um sich das Lesen zu erleichtern. Die Kompetenz des Lesens müsse dafür aber schon vorhanden sein, schränkt Toller die Möglichkeiten jedoch ein. "Im Prozess des Weiterentwickelns und Professionalisierens können digitale Medien aber helfen."

So sieht das auch Christa Röber. "Üben heißt wiederholen", sagt die Sprachwissenschaftlerin. "Wenn den Kindern das durch digitale Medien mehr Spaß macht und und sie so immer sicherer werden, sollte man diese Wirkung für das Üben nutzen."

Schwaches Pisa-Ergebnis: Soziale und wirtschaftliche Folgen

WDR Studios NRW 03.12.2019 06:32 Min. Verfügbar bis 10.12.2019 WDR Online

Stand: 03.12.2019, 09:00

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 Achim 03.12.2019, 15:58 Uhr

    Die Pisa Studie ist doch nur ein Grund hier in Deutschland Kinder und Jugendliche weiter unter Druck zu setzen und dieser dämlichen Leistungsgesellschaft anzupassen. Das ist kein Platz für Schüler, welche z.B. ein 3'er Abi oder schlechter machen. Mein Sohn hat z.B. ein G12 1,5'er Abi gemacht und dann wird z.B. darüber geredet, dass das Abi zu einfach ist. Packt euch doch dochmals an die eigene Nase und wie Ihr Schule erlebt habt und was für einen Abi-Durschnitt, wenn überhaupt, Ihr gemacht habt. Von unseren Schülern wird heute teilweise eine über 40 Std. Woche abgefordert (inklusive Hausaufgaben und Vorbereitung auf Klausuren). Und das ist nicht mehr normal. Bei den Schülern und Jugendlichen wird schon per Gesetz ein 2 Klassen, wenn nicht sogar 3 Klassen Gesellschaft, gefördert. Und da muß man sich nicht wundern, wenn einige phsyschich krank oder sogar kriminell werden. Also laßt mal die Kirche im Dorf und erinnert euch an eure eigene Schulzeit.

  • 7 Frank 03.12.2019, 15:36 Uhr

    Ich lese digital, analog und das Zwischending (auf einem E-Reader) und habe die Erfahrung gemacht, dass alles, was ich analog , also auf echtem Papier, lese, viel besser in der Erinnerung bleibt. Was ich digital lese (PC, Smartphone oder Tablet), ist auch am schnellsten wieder weg.

  • 6 Leser 03.12.2019, 14:25 Uhr

    Pisa Studie ergibt vermurktes Deutschland!

  • 5 isso 03.12.2019, 13:55 Uhr

    Wer neugierig ist, lernt leicht und schnell lesen. Leider werden Kinder von allen Seiten mit überflüssiger "Action" zugeballert, mit Dingen, die die Welt nicht braucht, so dass es für sie schwierig ist, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Dazu kommt der Hang bzw. Zwang, alles gemeinsam und harmonisch tun zu sollen, aber auch Kinder brauchen Zeit und Ruhe für sich.

  • 4 Klara 03.12.2019, 13:53 Uhr

    Die Kinder können also schlecht lesen. Da hilft vor allem eines: KEINE Digitalisierung und Bücher sind bekanntermaßen ALLE analog verfügbar. Für Kinder ist der Zugang zu Büchereien (bis 18 Jahren) i.d.R. kostenlos. Also dann mal ran an die Lektüren! Aber leider muss man auch erwähnen, dass viele unserer neuen Bürger nicht mal die deutsche Sprache sprechen, geschweige denn lesen oder auch schreiben können. Gilt für die Kinder gleichfalls wie für die ELtern, die dann natürlich eben ihren Kindern auch nicht(s) richtig vorlesen können, was wiederum wichtig für die Lesebildung ist.

  • 3 Leon 03.12.2019, 13:23 Uhr

    Deutsche Schüler wieder schlechter? Vielleicht liegt es am Schule Schwänzen freitags, vielleicht aber auch am hohen Anteil von Migrationskinder, die die deutsche Sprache nicht beherrschen oder lernen wollen. Und weil sich heute alles in den Klassen nach den Schwächeren richtet, werden die anderen abgehängt und unterfordert. So erreichen wir keine Klassenziele mehr und schreiben doch extrem viele Einser-Abis!

  • 2 Rosa Friederich 03.12.2019, 11:39 Uhr

    Das Deutschland schlecht bzw. nur Mittelmäßig abschneidet liegt doch daran, wenn man sich die Herkunft der Schüler anschaut, drum hinkt dieser Vergleich. Man müßte wirklich nur Deutsche Kinder bewerten, dann sähe das Ergebnis sicher anders aus-

  • 1 André 03.12.2019, 11:34 Uhr

    > Digitalisierung hilft beim Lesen lernen< ??? - Totaler Blödsinn! - Kinder lernen lesen, wenn ihnen von Anfang an vorgelesen wird, wenn im Haushalt der Eltern Bücher zum Leben gehören. So haben wir das bei unseren Kindern gemacht. das Ergebnis ist, dass wir die Kinder manchmal mit leichtem Zwang vom Lesen fernhalten müssen, weil sie sonst nichts anderes mehr machen würden.

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