Pflegenotstand: Wie viel Personal fehlt?

Pflegenotstand: Wie viel Personal fehlt?

  • Experten wollen Personalbedarf Krankenhauspflege neu ermitteln
  • Nur so könne die Pflegequalität aufrechterhalten werden
  • Was tun gegen die Personalnot in der Pflege?

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Pflegerat haben am Dienstag (13.08.2019) eine eigene Initiative zur Berechnung des Pflegekräftebedarfs in Kliniken angekündigt. Ziel sei die "Aufrechterhaltung hoher Pflegequalität", sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Bis Ende Dezember wollen sie dem Bundesgesundheitsministerium einen Vorschlag machen. Nach Angaben des Pflegerats müssen die Pflegenden in Deutschland zum Teil mehr als doppelt so viele Patienten versorgen wie in Nachbarländern.

Prämie von 4.000 Euro

Einzelne Kliniken begegnen dem Fachkräftemangel mit neuen Ideen. Die Schön-Klinik in Düsseldorf zahlt Mitarbeitern, die im Bekanntenkreis einen neuen Kollegen in der Pflege oder im ärztlichen Dienst anwerben, eine Prämie von 4.000 Euro. Die Aktion läuft seit Juli 2018. Bislang wurden auf diesem Weg 20 Mitarbeiter angeworben.

Neue Klinik-Mitarbeiter erhalten Hilfe beim Finden von Kita-Plätzen, Unterstützung bei pflegebedürftigen Angehörigen und in Krisensituationen. Zudem können Mitarbeiter, die selbst eine medizinische Behandlung benötigen, Wahlleistungen in Anspruch nehmen – inklusive Chefarztbehandlung.

Pflege nach Bedarf

Ambulante Pflege einer Patientin

Ziel: Mehr Zeit für Patienten

Auch in der ambulanten Pflege werden neue Wege ausprobiert. Im Münsterland wird seit 2017 ein Pilotprojekt getestet: Fünf Pflegeteams bestimmen selbst, wie viel Zeit und welche Pflege ein Patient braucht. Damit soll die Motivation der Pflegekräfte steigen und die Patientenversorgung verbessert werden.

Die Idee stammt aus den Niederlanden und wurde vom privaten Pflegedienstanbieter Sander aus Emsdetten übernommen: Die Pflegeteams arbeiten ohne Leitung, sie beziehen Familie und Nachbarn der Patienten mit ein. Ziel ist es, soziale Kontakte zu festigen und die Kassen zu entlasten.

Mangelware Zeit

Beim Münsteraner Pilotprojekt bezahlen die Krankenkassen probeweise pro Minute, so dass die Pflegenden bei zeitaufwändigen Patienten länger bleiben können. Doch das ist nicht der Normalfall.

Im Februar schickte ein Pflegedienst aus Ennepetal (Ennepe-Ruhr-Kreis) dem WDR ein Video, in dem eine Pflegerin mit einer Patientin tanzt. Doch eine Tanzeinlage oder auch ein Spaziergang, Kartenspielen oder längere Gespräche sind angesichts des Pensums für Pflegekräfte eher die Ausnahmen.

"Wenn ich das wirtschaftlich betrachte, mache ich große Einbußen damit, dass ich meinen Pflegekräften die Möglichkeit gebe, dass sie sich Zeit für so etwas übernehmen", sagt Marianne Szaszowski, die Leiterin des Pflegedienstes.

Pflegekräfte am Limit Planet Wissen 09.01.2020 59:02 Min. Verfügbar bis 09.01.2025 SWR

Stand: 13.08.2019, 12:56

Kommentare zum Thema

17 Kommentare

  • 17 Corinna Jagusch 14.08.2019, 11:41 Uhr

    Mit der dualen Ausbildung wird sich anschließend kaum noch jemand in die Altenpflege gehen, alleine schon weil in der Krankenpflege mehr bezahlt wird. Also wird der Zustand in den Krankenhäuser wahrscheinlich besser und die Altenpflege geht noch mehr den Bach runter.

  • 16 Secure 14.08.2019, 11:37 Uhr

    Mangel überall in der Pflege, in der leistungsgerechten Bezahlung, 11.Tage Dauerarbeiten im Wechseldienst im Krankenhaus. Kaum Einfluss auf die Zeitgestaltung,....der Mangel bestimmt die Schichten, die einseitig von der Leitung im Krankenhaus festgelegt werden. Kein psychischer Ausgleich zu der belastenden Arbeit möglich.....Eigene Interessen, Hobby s, Salsa lernen etc..solche Kurse können gar nicht besucht werden... Keine Supervision durch qualifizierte Psychologen etc. für das Personal...Todesfälle, schwierige Krankheitsverläufe, die die eigene Stimmung dämpfen..werden nie professionell aufgearbeitet..Kosteneinsparung ueberall. Kein Wunder ,das die Leute die die 2. jährige, dann insgesamt 5. jährige Ausbildung zum Anaesthesie- und Intensivpfleger bestanden haben,meist abbrechen und wenn sie Abitur haben, gegen ein Studium, mit besseren Chancen eintauschen. Die Weiterbildung ist zweijährig, parallel zu einem 100. Prozentjob, mit Schule und einer Unzahl anspruchsvoller Prüfungen..

  • 15 Dominik 14.08.2019, 09:41 Uhr

    Die Bezahlung ist schlecht und die Arbeitszeiten sind mies. Da helfen auch keine scheinheiligen Konzepte. Das Beispiel Sander, mit 11,50€ als Stundenlohn, ist da nicht besonders gut gegriffen.

  • 14 Peter 14.08.2019, 06:01 Uhr

    Mit der Einführung der dualen Ausbildung wird Mal wieder die Altenpflege betroffen sein.. während viele die Krankenpflege wählen werden...die Altenpflege wird zur reinen Verwahrpflege...mir grauts davor ..Mal pflegebedürftig zu werden..da wird es noch passieren..dass die Heimpersonal VO abgeschafft wird,damit die Einrichtungen bei Fachkräftemangel nicht schließen müssen und weiter schön Kohle machen können

  • 13 Sebastian S. 13.08.2019, 22:05 Uhr

    Es wird immer wieder über die finanziellen Aspekte gesprochen. Auch die „Work- Life- Balance“ wird als Fokus gesehen. Das sind Faktoren mit eine hohen Bedeutung, löst jedoch ein bedeutendes Problem nicht... ohne Personal bringt auch mehr Lohn oder weniger Arbeitszeit nicht. Um diesem entgegen wirken zu können wäre bspw eine Gesellschaftsjahr ein deutlicher Schritt voraus. Unabhängig vom Geschlecht würde jeder junge Erwachsene ihren/ seinen Teil zur Stabilisierung der Gesellschaft beitragen. Weiterhin würde dies als zusätzliche Sozialisierungsinstanz dienen, durch welche der eine oder andere Jugendliche tatsächlich auch erwachsen wird. Jeder Teilnehmer an diesem Gesellschaftsjahr würde somit eine Stütze für die Gesellschaft sein und zusätzlich etwas für seine Rechte und Freiheiten zurückgeben können.

  • 12 Swinarski Barbara 13.08.2019, 21:07 Uhr

    Und der ungute Gefühl, dass man nicht alles getan( tun könnte) um einen Hilfebedürftigen eine Verbesserung zu bringen. Selbst übermüdet, demotiviert und für eigene gesundheitliche Vorsorge fehlt Geld und Zeit. Totale Sinnlosigkeit

  • 11 Bruno B. 13.08.2019, 20:23 Uhr

    Solange die Bezahlung schlecht, die Arbeitsbedingungen mies sind... Kein Wunder. Jede Bürokraft hat mehr in derTasche. Deutschland baut lieber Autos... Alte und Kranke nutzen der Gesellschaft nix, warum sollen die dann auch gesund werden?

  • 10 rausler 13.08.2019, 20:09 Uhr

    Jeder mit klarem Verstand kümmert sich um seinen Ausstieg aus der Pflege - spätestens seit der Einführung von Zwangskammern. Wir Pflegende müssen nun von unseren geringen Gehälter auch noch KontrollbürokratInnen mitfinanzieren. Das nützt uns gar nichts, den Patienten nicht, niemandem. Lediglich einige wenige bereichern sich erneut auf unsere Kosten. Aufwandsentschädigung im Bereich von Mittelklasseautos pro Jahr werden da an die Zwangskammervertreter ausgezahlt. Nicht mit uns. Raus aus der Pflege bzw. rein in Bundesländer, wo die Politik klug genug ist keine Zwangsverkammerung einzuführen.

  • 9 Markus Kerst 13.08.2019, 20:04 Uhr

    In Niedersachsen gibt es doch seit 1 Jahr die Pflegekammer in der alle Fachkräfte Zwangsverkammert wurden, gut Pflegeassistenten brauchen keine Kammer, für die braucht man sich ja auch nicht einsetzen. Aber 1 Jahr Pflegekammer und es ist nichts passiert, ganz im Gegenteil, Altenpflegeschüler werden abgeschreckt wegen der Zwangsabgaben. Ich glaube die Spitze des Eisberges ist noch nicht erreicht, es wird noch schlimmer, da unsere Politiker keine Ahnung haben was Pflegekräfte leisten.

    Antworten (1)
    • M. Franz 13.08.2019, 20:15 Uhr

      Gerade 5 Dienst Wochenende in Folge.... nur noch funktionieren, Kunden werden funktional ab gepflegt (gefertigt). Das heisst dann auch noch Bezugspflege doch von Beziehung bleibt nichts über. Die Verantwortlichen schauen weg und hoffen das nichts passiert und wenn was passiert wird es unter dem Teppich gekehrt.....

  • 8 Harald B. 13.08.2019, 17:45 Uhr

    Slange sich die Arbeitsbedingungen in vielen Krankenhäusern und Altenheimen nicht verbessern kann ich jeden verstehen, der nicht in der Pflege arbeiten möchte. Denn Pflege bedeutet auch, dass man sich den Patienten persönlich zuwenden und sie nicht am Fließband abfertigen möchte. Memgegenüber halte ich den Vorschlag für Einführung einer Dienstpflicht für junge Menschen for kontrapduktiv und schwachsinnig, obwohl ich meine Zivildienst in einem Pflegeheim nicht missen möchte.

  • 7 Monika Petrick 13.08.2019, 17:36 Uhr

    Erstens möchte ich zu Gabis Kommentar antworten: im sozialen Dienst eine Dienstpflicht einzuführen ist ein Widerspruch in sich, dies wäre nur für unseren Staat sozial. Alte, gebrechliche Menschen und Patienten, würden sich sicher ungern in die Hände, bzw. Fürsorge von Pflegepersonal begeben, dass zu sozialen Diensten gezwungen wird.... es geht hier um Menschen..!!! Würde unsere Regierung alle sozialen Berufe angemessen schätzen, d. H. auch dementsprechend entlohnen würde es sicher nicht an Nachwuchs fehlen..!!! Bin seit über 30 Jahren Krankenschwester und weiß von was ich spreche...

    Antworten (1)
    • Horst 13.08.2019, 17:54 Uhr

      Damals beim Zivildienst hat sich jedenfalls keiner beschwert....und jetzt soll das plötzlich nicht mehr funktionieren?!

  • 6 Franz Fischer 13.08.2019, 16:24 Uhr

    hallo zusammen das thema ist der pflegenotstand man will hohe pflegequlität aufrechterhalten ich als pflegender frage mich - was soll hier aufrechterhalten bleiben ? doch nicht etwas das was leider für alle beteiligten realität ist !

  • 5 Nina 13.08.2019, 16:10 Uhr

    ist doch klar, dass viele junge Leute heutzutage lieber in die Politik gehen. Das sieht doch auch an den älteren Semestern, die fröhlich die Pöstchen und Ministerien wechseln und nebenbei noch lukrative Lobbyarbeit in mehreren Vorständen hinter sich bringen. Wäre blöd, wenn sich jemand für 1000 € so ins Zeug legen würde, das er sich zunächst das Leben, die Gesundheit und später auch noch die Rente versaut. Nein, nein, die jungen Leute sind heutzutage intelligenter und lassen nicht lohnenswerte Arbeit Arbeit sein. Und unsere zugereisten Fremdgäste erhalten ihr üppiges Salär von Amts wegen. Die werden als unqualifizierte "Fachkräfte" gleichfalss nicht in die Bredouille springen. Also alles Auslaufmodelle, diese Billigjobs. Bei der kargen Rente lohnt Altwerden und die damit verbundene Pflege ohnehin nicht.

  • 4 Bei den Hungeslöhnen 13.08.2019, 15:54 Uhr

    Da lebt so Mancher ruhiger und gesunder mit Harz 4 und dabei begleitender Schwarzarbeit , dann hat er mehr Netto als Brutto , denke ich . Das ist so nicht angedacht , aber wohl die Realität . Oder es ist angedacht , nun die eingereisten Fachkräfte ab 2015 sollen die klaffende Lücke auffüllen ? Zustände wie nun geplant in den USA , wer staatlicher Unterstützung ( Geld des Steuerzahlers ) bezieht , muss das Land verlassen ? Tja , der amerikanische Präsident denkt weiter und sagt , zuerst das Land und dann die Welt , im Gegensatz zu der regierenden ehemalige deutschen Parteivorsitzende Deutschlands .

  • 3 Gabi 13.08.2019, 15:45 Uhr

    Es gibt eine ganz einfache Lösung für das Problem. Für alle jungen Menschen ab 18 Jahre eine 2-jährige Dienstpflicht im sozialen Bereich. Die Zeit reicht für eine Ausbildung z. B. als Notfallsanitäter(in) oder Pflegehelfer(in). Nebenbei bekommt jeder gleich einen Einblick welcher Aufwand beteieben werden muss, wenn er selbst ein Pflegefall wird. Abfindung währen der Zeit wie früher bei der Wehrpflicht.

    Antworten (4)
    • Heinzb aus nrw 13.08.2019, 16:04 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er beleidigend ist. (die Redaktion)

    • F. Fischer 13.08.2019, 17:43 Uhr

      Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit damals erinnern, an die Zivis. Die waren (natürlich nicht alle) unmotiviert und faul, die haben getan, wozu der Staat sie zwingt, nämlich anwesend sein. Das hilft nicht beim Fachkräftemangel. Und jemand mit einer einjährigen Ausbildung wie eine Pflegehilfskraft, hilft auch nicht beim Fachkräftemangel, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die einzige Möglichkeit ist, das ganze System, incl Bezahlung, zu ändern. Wir haben genügend Nachbarn, bei denen es besser läuft, bei denen wir uns was abschauen können. Aber das würde wirklichen Willen für Änderungen voraussetzen, welcher im Moment nicht gegeben ist.

    • Peter 13.08.2019, 20:27 Uhr

      Der Notfallsanitäter, die höchste nichtärztliche Qualifikation in der Notfallmedizin, die eine dreijährige Ausbildung voraussetzt, eignet sich nicht für eine zweijährige Dienstpflicht im sozialen Bereich! Die 160 Stunden umfassende Ausbildung zum Rettungshelfer oder die 520 Stunden umfassende Ausbildung zum Rettungssanitäter eignen sich hierzu, genauso wie die 200 Stunden umfassende Ausbildung zur Pflegehilfskraft, wesentlich besser! Lösungsansätze ohne das fachliche Grundwissen helfen zur Lösung des Problems keineswegs weiter sondern unterstützen nur populistische Meinungsmache.

    • Alex 13.08.2019, 22:07 Uhr

      Hallo Gabi, so einfach ist das mitnichten. Es fehlt an Fachkräften, nicht an Hilfspersonal.

  • 2 Rudi 13.08.2019, 15:25 Uhr

    In der Altenpflege ist die Arbeit nicht nur überdurchschnittlich anstrengend, man ruiniert zudem noch seine Gesundheit. Die letzten zehn Jahre vor der Rente kann man eigentlich nur noch seine Arbeitszeit reduzieren, um den Job zu bewältigen. Das geht natürlich an den Geldbeutel und an die Rente. Und wenn dann die Knochen kaputt sind, zählt dies nicht einmal als berufsbedingt, sodass man mit den Nachteilen allein gelassen wird. Dann doch lieber einen anderen - leichteren- Job, bei vielleicht etwas weniger Gehalt.

  • 1 Ruth 13.08.2019, 14:49 Uhr

    Fachkräftemangel (egal in welchem Bereich) kann man ganz einfach umkehren, und zwar in einen begehrten Beruf, nämlich indem man die Arbeitsbedingungen (z.B. familienfreundlich) optimiert und den FACHkräften ein entsprechend fachlich angebrachtes Entgelt bezahlt. Das bedeutet: Kein Tarif, kein Mindestlohn, sondern viel besser. Dann klappts auch mit der Pflege, dem Krankenhaus, Hotellerie, Gastronomie und letztlich dem gesunden Essen in Schule und Kita. Aber wer in Deutschland hat das denn eigentlich schon jemals wirklich verstanden - und dann auch noch konsequent umgesetzt? Die Antwort ist ebenso einfach: Keiner. Punkt.

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