Wie sinnvoll ist das Anwerben ausländischer Pflegekräfte?

Krankenschwester rangiert Pflegebetten

Wie sinnvoll ist das Anwerben ausländischer Pflegekräfte?

  • Bundesregierung hofft auf Pflegekräfte aus Südosteuropa
  • Wie sind die Qualifikationen im Europa-Vergleich?
  • Ein Interview mit Stefan Schwark vom Pflege-Berufsverband

Am Dienstag (03.07.2018) startet eine Pflege-Aktion der Bundesregierung. Unter anderem sollen ausländische Fachkräfte angeworben werden. Wir befragten dazu Stefan Schwark. Er ist im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe für NRW zuständig.

WDR: Was halten Sie von dem Vorschlag, Pflegekräfte aus Kosovo und Albanien anzuwerben?

Stefan Schwark

Stefan Schwark

Stefan Schwark: Wir halten davon nicht viel. Es ist nur ein Puzzleteil in einem großen Gesamtproblem. Dessen Lösung muss vor allen Dingen national angegangen werden.

Es ist übrigens kein neuer Vorschlag, im Ausland Pflegefachpersonen anzuwerben. Ende 2016 beispielsweise hat die Bundesagentur für Arbeit das für die Philippinen vorgeschlagen, mit Spanien wurde es auch schon versucht.

WDR: Wie sind Ihre Erfahrungen mit ausländischen Kollegen?

Schwark: Oftmals sind die Kollegen enttäuscht, weil sie mit besseren Rahmenbedingungen gerechnet hätten. Viele gehen sogar wieder in ihre Länder zurück.

Denn sie sind oft hochqualifiziert und es gewohnt, mehr Berechtigungen in der Pflege zu haben und eigenständiger arbeiten zu können als beruflich Pflegende in Deutschland. Bei uns dürfen nicht einmal alle Pflegenden Blut abnehmen.

WDR: Die Ausbildungen im Ausland sind also mindestens so gut wie bei uns?

Schwark: Die Kollegen im Ausland sind teilweise sogar besser ausgebildet. Die Vergleichbarkeit hat natürlich immer Grenzen, aber in fast allen Ländern in Europa ist die Pflegeausbildung ein akademisches Studium an Hochschulen.

Bei den Zugangskriterien ist Deutschland seit vielen Jahren Schlusslicht in Europa. Darum appellieren wir immer wieder an die Politik, dass wir in Deutschland attraktivere Rahmenbedingungen schaffen.

WDR: Wie sieht es mit den Deutschkenntnissen der ausländischen Kollegen aus?

Schwark: Die Sprachbarriere ist das größte Problem. Eine gute Sprachkompetenz ist unverzichtbar, um in der Pflege mit den Patienten und Bewohnern kommunizieren zu können.

Es ist auch gefährlich, wenn es zu Missverständnissen kommt und dann zu falschen Entscheidungen oder Medikamenten-Gaben.

WDR: Welche Folgen hat es für Albanien und Kosovo, wenn wir Fachkräfte abwerben? Reißen wir da Löcher? Verlagert sich das Problem?

Schwark: Das ist im Einzelfall zu entscheiden. Aber es gibt eine Richtlinie der WHO dazu. Sie besagt, dass es nicht zu einer Ausnutzung von sozial und wirtschaftlich schlechter gestellten Ländern kommen darf. Daran muss man sich natürlich orientieren.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 03.07.2018, 06:00

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