Nach Lügde: Wie werden Pflegeeltern ausgesucht?

Kindesmissbrauch: Pflegefamilien klagen an: Kindeswohl? Fehlanzeige Aktuelle Stunde 09.02.2019 06:07 Min. UT Verfügbar bis 09.02.2020 WDR Von Susanna Zdrzalek

Nach Lügde: Wie werden Pflegeeltern ausgesucht?

Von Katja Goebel

  • Großer Mangel an Pflegeeltern in NRW
  • Fragen und Antworten nach den Missbrauchsfällen in Lügde
  • Kritik an fehlenden Rahmenbedingungen

Nach den Missbrauchsfällen in Lügde kam immer wieder die Frage auf, warum der mutmaßliche Täter als Pflegevater für ein Kind eingesetzt werden konnte.

Wie viele Kinder sind bei Pflegefamilien untergebracht?

In NRW gibt es einen großen Mangel an Pflegeeltern. Diese Eltern auf Zeit springen ein, wenn die leiblichen Eltern krank oder mit dem Kind überfordert sind. Statt die Kinder in Heimen unterzubringen, sollen sie möglichst von einem familiären Umfeld profitieren. Laut Landesamt für Statistik waren im Jahr 2017 in NRW 22.781 Kinder in Pflegefamilien untergebracht.

Wer kann ein Pflegekind aufnehmen?

Laut Landschaftsverband Rheinland (LVR) können Erwachsene Pflegeeltern werden, wenn sie mindestens 25 Jahre alt sind. Bewerben können sich auch Singles, Alleinerziehende oder gleichgeschlechtliche Paare. Auch müssen die Bewerber keine eigenen Kinder haben.

"Grundsätzlich werden individuell für jedes Kind passende Familienkonstellationen gesucht", so LVR-Sprecher Till Döring. Ausschlusskriterien sind zum Beispiel Vorstrafen oder psychische Erkrankungen.

Der LVR berät auch Jugendämter und hat weitere Ausschlussgründe aufgeführt - wie zum Beispiel Erziehungsprobleme bei den eigenen Kindern oder die Annahme, dass das Kind ein Partnerersatz sein soll.

Was sind die Voraussetzungen?

Zuständig für die Vermittlung sind die Jugendämter der Städte. Diese können mit der Betreuung auch freie Träger wie die Diakonie beauftragen. In der Regel muss ein Gesundheitszeugnis und ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. Außerdem finden vorab intensive Gespräche mit den Bewerbern statt.

In vielen Städten sind Vorbereitungskurse oder Seminare Pflicht. Dann kann ein Bewerbungsverfahren ein halbes Jahr dauern. Letztlich entscheidet jede Stadt selbst. Verbindliche Rahmenbedingungen fehlen.

Das kritisiert auch der Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. (PFAD), der seit Jahren solche Verpflichtungen fordert.

Welche Kritikpunkte gibt es?

Vorbereitende Kurse und Hausbesuche seien unerlässlich, sagt Angela Rupp, stellvertretende PFAD-Vorsitzende. Der Bundesverband kritisiert, dass in den Jugendämtern oft nur eine Fachkraft für die Auswahl der Pflegeeltern zuständig sei. Besser seien mehrere erfahrene Zuständige, um Bewerber objektiver zu beurteilen.

Auch die spätere Begleitung sei höchst unterschiedlich. Es gebe Ämter, die nur einmal im Jahr Nachgespräche führten - und auch nicht zwingend bei einem Hausbesuch. Andere begleiten und beraten Pflegefamilien sehr eng - manchmal monatlich.

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