Angehender Priester: Pfingsten passt zu Corona

Angehender Priester: Pfingsten passt zu Corona

  • Interview: Fabian Guhr vor der Priesterweihe in Münster
  • Pfingsten in der Corona-Krise: Wie passt das zusammen?
  • Guhr: Auch vor Pfingstereignis herrschte Unsicherheit
Fabian Guhr vor dem St.-Paulus-Dom in Münster

Am Pfingstsonntag (31.05.2020) wird Fabian Guhr in Münster zum katholischen Priester geweiht. Ein Interview über das Fest des Heiligen Geistes in Corona-Zeiten.

Der 1993 geborene Fabian Guhr wuchs in Nottuln im Kreis Coesfeld auf. Nachdem er sich bis zum Abitur zunächst auf Wirtschaft fokussierte, studierte er in Münster und Mailand katholische Theologie. Seit 2018 ist er in der Pfarrei Sankt Antonius in Rheine im Bistum Münster beschäftigt - zunächst als pastoraler Mitarbeiter, jetzt als Diakon. Am Pfingstsonntag 2020 wird er zum Priester geweiht.

WDR: Warum werden Sie ausgerechnet an Pfingsten zum Priester geweiht?

Fabian Guhr: Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Es ist der Abschluss der 50-tägigen Osterzeit mit der Auferstehung Christi und dessen Himmelfahrt.

Jesus ist weggegangen, aber wir sind nicht allein. Auf Erden bleibt der Heilige Geist. Seit Pfingsten gilt Gottes Versprechen in besonderer Weise: Ich begleite euch!

Das ist auch für die Priesterweihe elementar: Durch den Heiligen Geist begleitet uns Gott und befähigt uns zum Dienst an den Menschen.

WDR: Wegen der Corona-Epidemie verschieben manche Bistümer ihre Priesterweihen. Was wird bei Ihnen anders sein?

Angehende Priester bei der Priesterweihe

Angehende Priester bei der Priesterweihe

Guhr: Normalerweise wäre der Münsteraner Dom rappelvoll. Jetzt kann nur ein Viertel der Leute hinein, die sonst kämen. Außerdem gibt es diesmal nach der Messe keine Feier.

WDR: Bedauern Sie das sehr?

Guhr: Jein. Einerseits hätte ich mich über ein großes Fest gefreut. Jetzt können viele meiner Wegbegleiter nicht dabei sein. Immerhin gibt es aber einen Livestream.

Andererseits dreht sich dieser Tag jetzt nicht so sehr um meine Person, sondern darum, dass ich mich in den Dienst für die Menschen nehmen lasse. Und das ist gut.

WDR: Ist Corona nicht ein riesiger Dämpfer fürs Pfingstfest? Da feiern Sie den Heiligen Geist, aber können ihn aufgrund der Kontaktbeschränkungen gar nicht wie gewohnt verbreiten.

Guhr: Ich finde es sogar sehr passend, dass das Pfingstfest in die jetzige Phase der Corona-Krise fällt. Nach dem Lockdown und dem ersten Schock kommt bei vielen Menschen nun das Bedürfnis auf, trotz Corona einen Alltag zu finden.

Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt

In genau dieser Phase befinden wir uns auch liturgisch: Vergangene Woche haben Christi Jünger seine Himmelfahrt erlebt, Jesus ist jetzt weg. Da herrscht eine große Unsicherheit. Wie soll es nun weitergehen? Alltag ohne Christus - wie ist das noch möglich?

In dieser Umbruchphase erleben sie Gottes Beistand. Genau wie wir ihn erleben - wenn wir daran glauben. Wir sind nicht allein gelassen in dieser Zeit, in der wir versuchen, unseren Alltag neu zu ordnen. Der Heilige Geist ist bei uns.

WDR: Wie wird der neue Alltag bei Ihnen aussehen?

Guhr: Ein paar Wochen bleibe ich in der Pfarrei Sankt Antonius in Rheine. Was danach kommt, verrät mir das Bistum am Pfingstdienstag. Ich gehe also mit fast leerem Kalender in die Weihe.

Das Gespräch führte Jörn Seidel.

Stand: 31.05.2020, 10:00

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