Diskussion um Pferde im Karneval entbrannt

Diskussion um Pferde im Karneval entbrannt

  • Diskussion nach Unfall mit Pferdekutsche bei Kölner Zug
  • Tierschützer fordern Pferdeverbot an Karneval
  • NRW-Innenminister warnt vor Hysterie

Nach dem Unfall mit einer Pferdekutsche am Rosenmontag in Köln wird ein generelles Pferdeverbot diskutiert. Fragen und Antworten zum aktuellen Stand.

Wie kam es zu dem Kutschenunfall in Köln?

Laut einigen Augenzeugen sollen die Pferde während des Kölner Rosenmontagszugs mit einer Flasche beworfen worden sein. Andere sagen, es sei mit einer Zwille auf die Tiere geschossen worden. Daraufhin seien sie mit der Kutsche durchgegangen. Fünf Menschen wurden verletzt. Die Polizei bestätigte bislang keine Version. "Wir gehen den Hinweisen nach", sagte ein Sprecher dem WDR. Weitere Zeugen sollen vernommen werden.

Gehören Pferde in den Rosenmontagszug?

WDR 2 | 13.02.2018 | 03:46 Min.

Download

Was wurde für die Sicherheit der Zug-Pferde getan?

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte die Richtlinien für die Teilnahme von Reit- und Kutschpferden am Zug nach dem Sturz eines Pferdes im vergangenen Jahr verschärft. Nach Kritik von Tierschützern hatte die Stadt Köln bereits im Vorfeld strengere Kontrollen für den Umgang mit Pferden beim Rosenmontagszug angekündigt.

Die Zahl der eingesetzten Tierärzte wurde von maximal vier auf neun erhöht. Sie sollten vor, während und nach dem Zug einen Blick auf die Pferde und Kutschen haben. Zudem sollten stichprobenartig rund 50 Blutproben genommen und diese auf unerlaubte Beruhigungsmittel überprüft werden. Im vergangenen Jahr gab es den Angaben zufolge nur 13 Proben dieser Art.

Was sagen Tierschützer zu einem Pferdeverbot beim Zug?

Tierschützer fordern schon lange ein Verbot von Pferden bei Karnevalsumzügen. "Wir sind an dem Punkt, wo man darüber diskutieren muss, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, Pferde im Karneval mitzuführen - weil das Festkomitee Kölner Karneval offensichtlich nicht in der Lage ist, kompetente Regeln aufzustellen", sagte Ralf Unna, Vizepräsident des Deutschen Tierschutzbundes NRW, dem WDR.

Laut Tierschutzbund sind Pferde ein "unkalkulierbares Risiko für Mensch und Tier". Der Bund Deutscher Tierfreunde erklärte: "Ein Zug mit Pferden ist Mist." Claus Kronaus vom Netzwerk für Tiere Köln sagte: "Es ist teilweise so eng und so laut, dass das für die Tiere purer Stress ist." Weil Pferde Fluchttiere seien, würden sie dann durchdrehen. Auch hohe Auflagen änderten daran nichts.

Pferde im Rosenmontagszug: Unkalkulierbares Risiko

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 13.02.2018 | 02:14 Min.

Download

Was sagt das Kölner Festkomitee zu dem Unfall?

Alexander Dieper, Leiter des Kölner Rosenmontagszugs, sagte dem WDR: "Wir haben meiner Ansicht nach alles dafür getan im Vorfeld, dass sich die Pferde und Reiter und Menschen am Zug entsprechend sicher und wohlfühlen. Sobald die Polizei ausgewertet hat, wie es zu dem Vorfall gekommen ist, können wir überhaupt erst Näheres dazu sagen."

Sicher dürfte aber sein, dass Festkomitee, Stadt Köln und Sicherheitsbehörden über eine zukünftige Strategie für den Umgang mit Pferden beraten.

Welche Haltung vertritt der NRW-Innenminister?

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mahnte im Interview mit WDR 2 eine sachbezogene Diskussion an: "Bevor man sich festlegt, wie man damit umgeht, soll man erst einmal die Ursachen für den Unfall ermitteln."

Zu einem generellen Pferdeverbot sagte er: "Ich kann heute noch keine Entscheidung treffen, ich mache das nämlich nicht aus dem Ärmel." Die Ursachen für solche Vorfälle seinen manchmal "sehr kompliziert". Reul wiederholte auch: "Für mich gehören die Pferde zum Rosenmontagszug dazu."

Reul zu Pferden im Karneval: Hysterische Debatten reichen nicht

WDR 2 | 13.02.2018 | 04:03 Min.

Download

Was sagt die Kölner Oberbürgermeisterin?

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bedauert den Vorfall: "Es ist tragisch, wenn so etwas passiert. Ich wünsche den Verletzten alles Gute und eine schnelle Genesung. Ich weiß, dass sowohl das Festkomitee als auch unsere Veterinäre gerade in diesem Jahr die Anforderungen an Reiter, Kutscher und Pferde noch einmal deutlich erhöht hatten."

Ist jeckes Treiben für Pferde nur Stress?

Laut Tierschützern ist die Teilnahme von Pferden an Karnevalsumzügen "Stress pur". Willa Bohnet, Verhaltensbiologin des Instituts für Tierschutz und Verhalten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, will das so pauschal nicht stehen lassen. Auch Langeweile könne für ein Pferd Stress bedeuten.

Nach der neuerlichen Kritik von Tierschützern wertet sie gerade Fotos und Videos vom Karneval in Köln aus dem vergangenen Jahr aus. Ihr vorläufiges Fazit: "Auf den ersten Blick ist das größte Manko die Ausrüstung der Pferde. Mal passte das Geschirr nicht richtig, dann fehlten Teile und wurden durch Karabiner ersetzt. Das kann dann bei den Pferden Schmerzen verursachen. Da verwundert es dann nicht, wenn so ein Pferd durchgeht.

Wie reagieren andere Städte auf den Kölner Vorfall?

Hans-Peter Suchand vom Comitee Düsseldorfer Carneval geht davon aus, dass das Thema "Pferde im Zug" in der Abschlussbesprechung der Session diskutiert wird. Die Bonner Karnevalisten wollen an Pferden festhalten: "Es gab sehr viel Zuspruch für die Teilnahme von Pferden durch die Besucher des Rosenmontagszuges", sagt Ralf Birkner vom Festausschuss. Ähnlich ist die Haltung in Aachen: "Die Pferde gehören mit zum Brauchtum", sagt der Präsident des Festausschusses, Frank Prömpeler.

Stand: 13.02.2018, 17:30