Geschäftsmodell "Geld gegen Auto": Pfando verliert erstes OLG-Urteil

Autopfandhaus Pfando

Geschäftsmodell "Geld gegen Auto": Pfando verliert erstes OLG-Urteil

Von Philip Raillon

  • Oberlandesgericht Frankfurt gibt Kundenklage statt
  • Pfando-Geschäftsmodell verstößt gegen Rückkauf-Verbot
  • Verfahren könnte vor dem Bundesgerichtshof landen

Unkompliziert Bargeld fürs Auto bekommen und trotzdem weiterfahren: Damit lockt Pfando. Zahlreiche Kunden fühlen sich aber falsch beraten und klagen. Ein erstes OLG-Urteil gewann nun ein Ex-Kunde.

Bei der „Pfando’s Cash and Drive GmbH“ verkaufen Kunden ihr Auto. Sie bekommen nach WDR-Recherchen dafür maximal die Hälfte des Wertes. Für 8,5 Prozent des Kaufpreises pro Monat, so Pfando, mieten die Kunden den Wagen dann zurück und können so weiterfahren.

Ex-Kundin fühlt sich falsch beraten

Im Beratungsgespräch soll von einem Verkauf gar keine Rede sein, berichtet Pfando-Kundin Daniela. Stattdessen sei es um ein kleines Darlehen gegangen, sagt sie. Auch viele andere Kunden fühlen sich falsch beraten. Pfando bestreitet das. In einer Stellungnahme heißt es: "Unsere Mitarbeiter werden quartalsweise geschult, um unseren Kunden unser Produkt und unser Vertragswerk in jeder Sicht juristisch korrekt und transparent erklären zu können."

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt erklärte die Verträge nun für unwirksam, weil Pfando einen gewerblichen Kauf mit einer Rückkauf-Option anbiete – und das ist in Deutschland verboten. Pfando bestreitet ein solches Rückkaufsrecht und schließt es in seinen Verträgen sogar ausdrücklich aus. Aber das reicht nicht, so der Tenor des Gerichtsurteils.

Pfando prüft Revision beim Bundesgerichtshof

Deshalb prüft Pfando eine Revision beim Bundesgerichtshof. Das Unternehmen argumentiert, dass die Verträge am Ende eine Versteigerung vorsehen.

Im Fall eines Mietrückstands holt Pfando, nach Aussagen von ehemaligen Kunden, die Autos ohne Vorankündigung ab, um sie zu versteigern – mit  dem Zweitschlüssel, der im Besitz der Firma bleibt. Kunden berichteten dem WDR, dass sie persönliche Gegenstände aus dem Auto nicht zurückbekommen. Auch das bestreitet Pfando.

Versteigerungen finden laut Pfando in Berlin statt

Ort der Versteigerungen war nach Angaben von Pfando bis Mai der Berliner Hohenzollerndamm, seit Juni ein anderer Ort. Laut Vertrag können die Kunden mitbieten. Der Erfurter Rechtsanwalt Holger Schilling vertritt etwa 50 ehemalige Pfando-Kunden. Einige seiner Mandanten berichteten, dass sie am angegebenen Ort abgewiesen worden seien, sagt er. Es gebe dort zu diesem Termin keine Versteigerung, sei ihnen am Hohenzollerndamm gesagt worden. In einer Stellungnahme gegenüber dem WDR bestreitet Pfando das.

Berliner Ordnungsamt prüft Pfando-Gewerbe

Andere Gerichte werden sich an dem Urteil des Oberlandesgerichtes orientieren, wenn sie Klagen von weiteren Pfando-Kunden verhandeln. Außerdem prüft ein Berliner Ordnungsamt, ob es Pfando das Geschäft in der aktuellen Form verbieten kann. Dazu hatte es unter anderem Hinweise von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bekommen.

Das Ordnungsamt hatte dafür unter anderem auf das Urteil des Oberlandesgerichtes Frankfurt gewartet. Verbraucher sollten bei Pfando weiter vorsichtig sein. Das heißt: Sich nicht auf mündliche Zusagen während der Beratung verlassen – und die Verträge vor der Unterschrift genau durchlesen.

Stand: 20.10.2020, 17:22

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen