Zahlreiche Menschen besuchen ein Freibad (Luftaufnahme aus großer Höhe)

Freibadsaison ohne Freibad

Stand: 12.05.2022, 10:45 Uhr

Strahlender Sonnenschein und Temperaturen bis zu 26 Grad – viele Freibäder in NRW sind trotzdem noch nicht geöffnet. Ein Grund ist: Zu wenig Personal.

Von Andreas Schneider

Von vier Freibädern in der Stadt Essen sind zurzeit nur zwei für das nasse Vergnügen geöffnet: das Grugabad und das Freibad Dellwig. Ein Grund ist, dass die Bäder kein Personal mehr finden, um den Betrieb zu gewährleisten. Aufgrund der angespannten Personalsituation kann Stand heute keine zeitnahe Öffnung der weiteren Freibäder garantiert werden, sagt die Stadt. Die Freibäder Oststadt und Kettwig bleiben also erstmal dicht.

Ein Problem im ganzen Land

Aber nicht nur im Ruhrgebiet gibt es Probleme. Auch in Münster oder Bielefeld scheint es nicht besonders rund zu laufen. In Münster verschiebt sich die Öffnung von zwei Freibädern. Die Stadt plant gerade, wie man die vorhandenen Kräfte sinnvoll einsetzen könne. In Bielfeld fehlen dieses Jahr vor allem Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer, die das Fachpersonal unterstützen.

Keine Überraschung

Für Peter Harzheim, Präsident vom Bundesverband der deutschen Schwimmmeister, ist diese Entwicklung keine Überraschung: "Ich habe schon vor sieben Jahren davor gewarnt, dass wir bald viel zu wenig Personal haben werden." Geglaubt habe ihm damals keiner. "Wir tragen viel Verantwortung und verdienen zum Teil weniger als ungelernte Hilfskräfte am Fließband." Er selbst war 45 Jahre lang Schwimmmeister in NRW.

Zu wenig Ausbildungsplätze

Nach Angaben der Bezirksregierung Düsseldorf gibt es zurzeit in NRW 361 Auszubildende für den Beruf des Schwimmmeisters. Viel zu wenig. Laut dem Bundesverband deutscher Schwimmmeister fehlen bundesweit schätzungsweise 2.500 Fachkräfte. Tendenz steigend, da viele Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeister in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Peter Harzheim fordert deswegen eine große Ausbildungsoffensive: "Der Beruf ist super, und das müssen wir den jungen Leuten zeigen. Man ist draußen an der Sonne und hat mit Menschen zu tun. Ich habe das sehr gerne gemacht."

Auch Corona ist schuld

Auch die DLRG ist von dieser Entwicklung nicht überrascht. Wegen der Corona-Pandemie habe sie 2021 und 2020 deutlich weniger Rettungsschwimmer ausbilden und Prüfungen abnehmen können als noch vor der Pandemie. Viele Bäder waren lange geschlossen, und später war Training mit Körperkontakt tabu. Viele Hilfskräfte seien während der Pandemie außerdem abgewandert, als die Bäder geschlossen waren.

Hinweis: In einer früheren Fassung des Textes war zu lesen, dass es 160 Auszubildende gibt und rund 2.500 Fachkräfte fehlen. Es fehlten aber die Bezugrößen zu den Zahlen. Diese haben wird nachträglich eingefügt und auch die Zahl der Auszubildenden angepasst: Es gibt in NRW 361 Auszubildende und bundesweit fehlen schätzungsweise 2.500 Fachkräfte.

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