Gesundheitsämter in NRW: Zu wenig Personal, zu wenig Zeit

Gesundheitsämter in NRW: Zu wenig Personal, zu wenig Zeit

  • Ämter sollen eigentlich Corona-Infektionsketten nachverfolgen
  • Zu wenig Personal, Mitarbeiter am Limit
  • Gesundheitsminister: Ämter lange vernachlässigt

Viele Gesundheitsämter haben offensichtlich nicht genügend Mitarbeiter, um die Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nachzuverfolgen, obwohl es ihre Aufgabe wäre. Recherchen von WDR und NDR haben das ergeben. Dazu wurden alle Ämter gefragt. Die Antworten waren ernüchternd.

Nur wenige Ämter testen Kontaktpersonen

In NRW wurden 54 Gesundheitsämter angefragt, davon hat mehr als die Hälfte geantwortet. Von diesen 33 Ämtern konnten 21 die Vorgaben nicht erfüllen. Demzufolge gibt es einfach zu wenig Mitarbeiter, um die Infektionsketten nachzuverfolgen.

Trotz Empfehlung des Rober Koch Instituts testen nur wenige Ämter die engsten Kontaktpersonen. Warendorf, Lippe und Heinsberg waren laut Recherche die einzigen Gesundheitsämter, die die Kontaktverfolgung komplett geschafft haben. Manche Ämter - wie Krefeld und Mettmann - äußern auch konkret die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle.

Ein Team pro 20.000 Einwohner?

Zum Hintergrund: Experten gehen davon aus, dass es in der nächsten Phase der Pandemie noch wichtiger wird, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten schnell zu finden. Eigentlich hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, dass jeder Landkreis pro 20.000 Einwohner ein fünfköpfiges Team bilden muss, um die Kontaktpersonen der Kategorie 1 nachzuverfolgen.

Zu dieser Kategorie gehören Personen, die mindestens 15 Minuten lang direkten Gesichtskontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Diese Menschen sollen von Mitarbeitern des örtlichen Gesundheitsamtes kontaktiert und in häusliche Quarantäne geschickt werden.

Das Bild zeigt einen Teil eines Gebäudes eines Gesundheitsamtes.

Dass den Ämtern jedoch meist deutlich weniger Mitarbeiter zu Verfügung stehen zeigen zum Beispiel die Zahlen aus Duisburg: Die Stadt hat derzeit nur 19 statt der empfohlenen 125 Mitarbeiter im Einsatz. Aber auch die Gesundheitsämter in Dortmund (47 statt 150 Corona-Ermittler) oder in Düsseldorf (52 statt 155) können gerade einmal ein Drittel der angepeilten Ermittler stellen.

Mitarbeiter am Limit

Das Personal in den Ämtern ist am Limit, auch weil es für die Mitarbeiter vor Ort ständig neue Entwicklungen gibt. Standen am Anfang der Pandemie Gesundheit und Schutz im Vordergrund, sind es jetzt zudem immer mehr organisatorische Fragen, sagt zum Beispiel die ärztliche Leiterin des Essener Gesundheitsamtes, Juliane Böttcher.

Von allen Seiten hagelt es Fragen. Von der Kita über die Gastronomie bis hin zum Nagelstudio - alle wollen wissen, wie es weitergeht. Alle Branchen brauchen gerade Rat vom Gesundheitsamt. Die Hygienevorschriften sind streng und lassen sich häufig nicht eins zu eins übertragen. Auch Dutzende Bürger stellen täglich Fragen am Telefon.

Gesundheitsämter wollen in Zukunft besser gerüstet sein

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 14.05.2020 03:52 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 WDR 5 Von Stephanie Grimme

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Überraschter Minister

Für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommen die Umfrage-Ergebnisse nach Angaben seines Sprechers überraschend. Das Ergebnis sei Resultat dessen, dass die Ämter über Jahre hinweg vernachlässig wurden, wie sein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Das Ministerium mache sich jetzt aber auch dafür stark, dass alle Kontaktpersonen der Kategorie 1 getestet werden sollen. 

Überlastete Gesundheitsämter Markt 13.05.2020 07:30 Min. UT Verfügbar bis 13.05.2021 WDR Von Udo Müller

Stand: 14.05.2020, 20:00

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