Immer mehr Menschen in NRW pendeln zur Arbeit

Montage Stau auf der Autobahn A3  / Fahrgäste im Hauptbahnhof / Fahrradfahren im Stadtverkehr

Immer mehr Menschen in NRW pendeln zur Arbeit

  • Immer mehr Berufspendler in vielen Städten von NRW
  • Größter Zuwachs in Dortmund und Münster
  • Gewerkschaft spricht von "alarmierendem Trend"

In vielen Städten NRWs erreicht die Zahl der Berufspendler neue Höchstwerte. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hervor, die die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Dienstag (15.10.2019) veröffentlichte.

Demnach sind vor allem die Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf Pendlerhochburgen. Aber auch die Ruhrgebietsstädte Essen und Dortmund und die Unistädte Aachen und Münster ziehen so viele Berufspendler an wie noch nie. Ein Überblick:

  • In Köln sind im Jahr 2018 rund 276.000 Menschen zum Arbeiten in die Stadt gependelt. Das waren 36 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.
  • In Düsseldorf stieg die Zahl der Berufspendler um 29 Prozent auf rund 258.000 Menschen.
  • Nach Essen pendelten im vergangenen Jahr 126.000 Menschen (plus 33 Prozent).
  • Aachen erhöhte seine Pendlerzahl um 34 Prozent auf 117.000 Personen.
  • Den größten Zuwachs gab es in Dortmund mit 44 Prozent auf 108.000 Pendler.
  • In Münster erhöhte sich die Zahl um 41 Prozent auf 85.000.

Die Gewerkschaft IG BAU spricht von einem "alarmierenden Trend". Eine Hauptursache sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind. Eine wachsende Zahl von Menschen könne sich das Wohnen dort nicht mehr leisten.

Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge. Die IG BAU fordert mehr Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und einen besseren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

Pendeln – Wann macht uns der Weg zur Arbeit krank? Planet Wissen 17.10.2019 58:01 Min. UT Verfügbar bis 17.10.2024 WDR

Stand: 15.10.2019, 17:48

Kommentare zum Thema

13 Kommentare

  • 13 Marv der Bergmann 17.10.2019, 17:25 Uhr

    Ich muss 54km die A43+46 Pendeln. Durch den Steinkohleaustieg gezwungen worden zu wechseln. (Vorher mit Fahrrad zur Zeche). Umziehen keine Option (Haus verkaufen???). Andere Arbeit, NEIN, hab nen Festvertrag!!! mit guten Konditionen. Aber wie Kim schon sagte leidet die Lebensqualität extrem. Den Stress den man jeden Tag auf der Bahn abbekommt ist kaum auszuhalten. Bus und Bahn leider auch nicht möglich. .

  • 12 Emscherhusar 16.10.2019, 16:59 Uhr

    Zig Millionen Euro, die der Bund seinerzeit der SPD/GRÜNEN Landesregierung zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung gestellt wurden, konnten nicht abgerufen werden weil die damaligen Politiker keine Planungen vorlegen konnten. Die Genossen hatten - mal wieder - gepennt. Heute rächen sie diese Versäumnisse bitter. Man kann nur hoffen, dass diese totalen Versager als Strafe für möglichst lange Zeit die Oppositionsbank drücken müssen.

    Antworten (1)
    • Xaver s. 16.10.2019, 21:09 Uhr

      Emscherhusar, bin auch absolut deiner Meinung. Allerdings sind einige von den verantwortlichen Genossen nicht mehr im NRW Parlament, so dass sie nicht mehr die "Strafbank" drücken müssen. Schade, gell.

  • 11 Dirk Benninghaus 16.10.2019, 16:46 Uhr

    Niemand pendelt, weil es ihm Spaß macht, auch wenn gerne mal der Eindruck erweckt wird. Die Gründe sind vielfältig: Viel häufigere Jobwechsel (nicht immer freiwillig!), beide Partner arbeiten, aber nicht zwingend am selben Ort, hohe Mieten und Immobilienpreise in den Städten, erzwungene Flexibilität durch das Arbeitsamt usw.. Die Welt ist halt nicht mehr so einfach wie früher, wo Papa mit 15 irgendwo angefangen hat zu arbeiten, dort bis 65 blieb und Mama eh zu Hause war. Da hat man sich passend zur Arbeit eine Wohnung gesucht und fertig.

  • 10 Kim 16.10.2019, 16:29 Uhr

    Auch ich gehöre zu den Pendlern und fahre von Leverkusen nach Duisburg (60km) - und es wird immer schlimmer. Baustellen, die kein Ende nehmen; Verkehrsteilnehmer, die keine Rücksicht mehr kennen - der pure Stress. Warum mein Weg zu meiner Arbeitsstelle so weit ist? Weil ich eben dort zu einem guten Verdienst ein gutes Angebot bekommen habe, mein Mann aber einen Job in Leverkusen hat und wir nicht beide pendeln wollen. Selbst das Arbeitsamt verlangt eine Flexibilität bis zu 70km - bei dem Stress auf den Straßen in der heutigen Zeit leider alles andere, als auf Dauer ertragbar. Es macht müde und nimmt einem ein echtes Stück Lebensqualität.

  • 9 dobby.s 16.10.2019, 16:05 Uhr

    Ich gehöre zu diesen Pendlern, und ich pendele von einer Hochburg (Dortmund) in die nächste (Düsseldorf). Das mache ich, weil ich dort einen Job gefunden hat, der mir noch mehr Spaß macht als der, den ich vorher hatte. Und weil ich trotzdem in meiner angestammten Umgebung wohnen bleiben möchte...

  • 8 Anonym 16.10.2019, 14:36 Uhr

    Arbeit wird nicht mehr bezahlt. Reallohnverluste wurden akzeptiert und somit sind sie in der breiten Masse angekommen. Mit allen Nachteilen, die die Wenigen oben an der Spitzenverdiener-Front nicht haben und auch wenig interessiert. Zahlen sie halt mehr oder schaffen es dank Mittäterschaft der Politik ins Steuerparadies... Solidargemeinschaft am Arsch. Freiheit für Kapitalisten, Armut für den dreckigen Rest.

  • 7 Harry 16.10.2019, 14:21 Uhr

    Das ist das Ergebnis der unendlichen Flexibilität, wie es einige neoliberale Politiker gefordert haben.

  • 6 Klaus F. 16.10.2019, 11:43 Uhr

    Die Löhne gehen runter, die Mieten gehen rauf und man vergeudet immer mehr Lebenszeit im Stau. Preise für Arbeit (also Lohn) und Gewerbesteuer müssen in Ballungsräumen massiv steigen, dann entzerrt sich das Ganze mit marktwirtschaftlichen Mitteln. Mehr Arbeitsplätze müssen zu den Menschen kommen, nicht die Menschen müssen täglich zu den Arbeitsplätzen reisen; da muss es ein grundsätzliches Umdenken geben. Umweltschutz spielt eine Rolle aber eine Nebenrolle die vom Grundproblem ablenkt. Es gibt auch genug Geld, aber nicht da wo es gebraucht wird, auch das zentralisiert sich auf wenige Personen. Müssten die wenigen Reichen den Preis für steigende Mieten und die Zeit für den Weg zur Arbeit bezahlen, würde man schnell eine Lösung finden. Im Grunde bin ich aber offen und nicht ideologisch festgefahren für bestimmte Wege. Ich sehe nur die Verschlechterung der Lebensbedingungen auf breiter Front und wähle Populisten.

  • 5 Martin 16.10.2019, 11:30 Uhr

    und die sollen in Zukunft alle mit dem Fahrrad kommen?

  • 4 Holliday 16.10.2019, 11:13 Uhr

    Heute wird es beklagt - dabei waren es doch die Politiker, die von den Arbeitnehmern diese "Flexibilität" gefordert haben bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. - Und eben so wenig wie diese die heutigen Folgen ihrer Politik abgesehen haben, so wenig sind diese in der Lage die längerfristigen Folgen ihrer Klimapolitik zu erkennen. Wirklich seriöse Vorhersagen lassen sich bei dem heutigen schnellen Wandel aller Verhältnisse kaum über einen Zeitraum von 5 Jahren machen.

  • 3 Anke S. 16.10.2019, 11:00 Uhr

    Eine weitere Antwort wäre eine konsequente Anwendung von mobiler Arbeit oder Heimarbeit, es gibt jede Menge Jobs für die man nur seinen PC und ein Telefon braucht, und die können überall stehen, auch zuhause. Nur müssten das die Arbeitgeber (befürchten Kontrollverlust) und Arbeitnehmer (Gewerkschaften befürchten Selbstausbeutung) auch wirklich wollen. Und jeder der nicht mehr das Haus verlassen muss um zu arbeiten spart auch noch CO2 ein.

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