PCR-Tests limitieren: Wer hat Priorität?

Stand: 20.01.2022, 21:50 Uhr

Angesichts rasant steigender Corona-Infektionszahlen sind Testlabore bereits an der Belastungsgrenze. PCR-Tests könnten bald bestimmten Gruppen vorbehalten sein. Wer sollte bevorzugt werden?

Von Nina Magoley

Das aktuelle Tempo der vierten Corona-Welle ist atemberaubend: Am Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits 133.536 neue Fälle binnen 24 Stunden - bestätigt mittels PCR-Tests. Doch die könnten bald knapp werden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will daher am Wochenende eine Beschlussvorlage zur Priorisierung der PCR-Tests vorlegen, die am Montag bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz beschlossen werden könnte.

PCR-Test

Demnach sollen PCR-Tests dann vorrangig für Menschen verwendet werden, bei denen sicher sein müsse, dass sie nicht an Covid-19 erkrankt sind, sagte Lauterbach vorab. Zum Beispiel Beschäftigte in bestimmten Gesundheitseinrichtungen. Dazu müsste die geltende Coronavirus-Testverordnung geändert werden.

Krankenhauspersonal vorrangig

Laut "Ärztezeitung" sieht der Entwurf vor, dass Labore verpflichtet werden sollen, "entnommenes Probenmaterial von Beschäftigten in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie ambulanten Pflegediensten und Diensten der Eingliederungshilfe vorrangig zu untersuchen". Beschäftigte in Arztpraxen gehören demnach nicht zur ersten Priorität. Die Teststellen müssten in einem Vordruck für den Laborauftrag dokumentieren, ob die jeweilige Probe prioritär zu behandeln sei.

  • Wer soll priorisiert werden?

  • Pflegerinnen und Pfleger sowie eine Ärztin kümmern sich auf der Intensivstation um einen Patienten.

    Pflegerinnen und Pfleger sowie eine Ärztin kümmern sich auf der Intensivstation um einen Patienten.

  • Grundsätzlich stößt die Idee in der Fachwelt auf Zustimmung. Darüber, wer dann bevorzugt PCR-getestet sein sollte, gehen die Meinungen allerdings auseinander: Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, sagte im Deutschlandfunk, bei jüngeren Menschen würde es ausreichen, eine Corona-Infektion mit einem Schnelltest festzustellen. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte, dass die PCR-Testkapazitäten "als erstes zur Sicherung der kritischen Infrastruktur und Erkennung von Infektionen bei symptomatischen Personen eingesetzt" werden sollten. Schulen schloss er dabei im Gespräch mit der "Rheinischen Post" explizit ein.

  • Der Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, Bundeswehr-General Carsten Breuer, sagte der "Süddeutschen Zeitung", Vorrang sollte es für die Beschäftigten der kritischen Infrastruktur geben - also etwa Polizistinnen, Feuerwehrleute, Krankenpfleger oder Verkaufspersonal in Supermärkten.

  • Dem schließt sich auch der Berufsverband der Laborärzte (BDL) an. Zweite Priorität sollten asymptomatische Patienten mit roter Corona-Warn-App haben, schlug der BDL in einer Stellungnahme vor. In solchen Fällen sei oft "die Sensitivität verfügbarer Antigen-Schnellteste nicht ausreichend", um eine Infektion sicher auszuschließen.

  • Erst an dritter Stelle der PCR-Priorisierung kämen symptomatische Patienten, die bereits ein positives Antigen-Schnelltest-Resultat mitbringen: "Diese Patienten befinden sich bereits in der Isolation, so dass das Ergebnis für den als Absicherung durchgeführten PCR-Test etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen kann."

  • Der Berufsverband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) wiederum fordert, symptomatische Fälle künftig zuerst per PCR zu testen. Ansonsten sei, wo immer möglich, auf Antigen-Testungen auszuweichen.

  • Labore an der Kapazitätsgrenze

  • MTA bearbeitet Corona-Proben.
  • Bundesweit lag die Laborauslastung in der zweiten Kalenderwoche laut ALM bei knapp 1,96 Millionen PCR-Tests - 40 Prozent mehr als in der Vorwoche. Damit sei man hart an der Kapazitätsgrenze. Knapp 25 Prozent der Tests seien positiv gewesen.

  • In NRW sind laut Auskunft des Gesundheitsministeriums von Donnerstag derzeit rund 930.000 PCR-Tests pro Woche möglich - theoretisch. Denn in den Laboren seien die Mitarbeiter mittlerweile überlastet, es herrsche Personalmangel. Daher könnten die realen Kapazitäten schwanken.

  • In der zweiten Januarwoche seien hierzulande rund 625.500 PCR-Tests durchgeführt worden. Noch im November und Dezember 2021 fanden zu Spitzenzeiten bis zu 500.000 PCR-Tests pro Woche statt.

  • Zum Vorhaben der Bundesregierung, PCR-Tests zu limitieren, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), es gehe darum, vor allem im medizinischen Bereich schnell Ergebnisse zu haben, damit die Mitarbeiter nicht unnötig lange in Quarantäne müssten. Hier gehe das Freitesten nur mit einem PCR-Test, ist Laumann überzeugt.

  • Ist der PCR-Test überhaupt noch nötig?

  • Laut der "Neuen Isolierungs- und Quarantäneregelungen" des Landes NRW vom 16. Januar 2022 ist der PCR-Test ohnehin in den meisten Fällen obsolet. Ob zum Nachweis einer Infektion oder zum Freitesten nach Quarantäne - laut Verordnung reicht, außer für medizinisches Personal, neuerdings immer ein "offizieller Schnelltest".

    Einzige Ausnahme - und hier gibt es einen Widerspruch in der Regelung: Wer sich als genesen ausweisen will, kann das nur mittels eines positiven PCR-Tests, der zu Beginn der Erkrankung gemacht wurde. Wer sich da also an die neue Regelung hält und auf einen PCR-Test verzichtet, dem fehlt später der Nachweis als Genesener.

    Der Apothekerverband Nordrhein ist allerdings der Auffassung, dass positive Schnelltestergebnisse aus Bürgertest-Stellen, die von Apothekern oder Ärzten geleitet werden, gültig sein müssten, um eine Infektion beim Arbeitgeber anzuzeigen und nach überstandener Infektion als genesen zu gelten. "Die meisten positiven Bürgertests werden zur Zeit mittels eines aufwendigen PCR-Tests nur noch einmal bestätigt", sagte Verbandschef Thomas Preis der "Rheinischen Post".

    Laborärzte-Chef Andreas Bobrowski dagegen warnte, dass die Freitestung aus der Isolation ausschließlich mit einem Antigen-Schnelltest nicht sicher genug sei: "Wir sehen in unserem Laboralltag zu viele falsche Schnelltestergebnisse und empfehlen daher das konsequente Freitesten im PCR-Verfahren, auch wenn das länger dauert."

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