Pflegefall - was eine Patientenverfügung bewirkt

Ein Patient liegt auf einer Intensivstation.

Pflegefall - was eine Patientenverfügung bewirkt

Wenn man nicht mehr in der Lage ist, über seine medizinische Behandlung zu entscheiden, hilft eine Patientenverfügung. Ein Patientenberater erklärt, worauf es dabei ankommt.

Seit Dienstag (12.03.2019) verhandelt der BGH den Fall eines Mannes, dessen demenzkranker Vater jahrelang mittels Sonde am Leben erhalten wurde. Ihm seien unnötige Schmerzen entstanden, hatte zuvor das OLG München entschieden. Fälle wie dieser begegnen dem Dortmunder Kristjan Diehl ständig. Er ist Patientenberater bei der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

WDR.de: Wie häufig treten Fälle von "Übertherapie" eines schwer kranken Patienten auf?

Kristjan Diehl, Patientenberater

Patientenberater Kristjan Diehl

Kristjan Diehl: Fälle dieser Natur sind sicher über die Maßen häufig, weil die meisten einwilligungsunfähigen Patienten keine oder mangelhafte Patientenverfügungen haben. Wer sich rechtzeitig kümmert, kommt nicht in eine solche Situation.

WDR.de: Das heißt, sich rechtzeitig um eine Patientenverfügung zu kümmern?

Diehl: Ja! In guten Tagen eine individuelle Patientenverfügung erstellen. Zudem in einer Vollmacht Vertrauenspersonen benennen, die den Willen des Patienten durchzusetzen haben, der nicht mehr über medizinische Behandlungen oder deren Verweigerung entscheiden kann.

WDR.de: Worauf kommt es beim Verfassen einer sinnvollen Patientenverfügung an?

Diehl: Eine Patientenverfügung ist im Krisenfall ein Dokument, das über Leben und Tod entscheiden wird. Es muss die behandelnden Ärzte, die wir heute nicht kennen, vom Willen des aktuell nicht mehr einwilligungsfähigen Patienten überzeugen. Es muss fachkundig formuliert sein und aus ihm hervorgehen, dass eine fachkundige Beratung stattgefunden hat. Es sollte auch alle ein bis zwei Jahre aktualisiert werden.

WDR.de: Wo kann man sich fachkundig beraten lassen?

Diehl: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bietet bundesweit Beratung an. Diese ist allerdings Mitgliedern vorbehalten - etwa wie beim Mieterschutzbund. Man sollte sich in jedem Fall an seinen Haus- oder Vertrauensarzt wenden. Es gibt auch lokale Initiativen oder Hospiz-Initiativen, die beraten.

WDR: Können auch Notare und Anwälte helfen?

Diehl: Notare oder Anwälte sind nicht immer die richtige Anlaufstelle, weil viele medizinisch-pflegerisch nicht spezialisiert sind. Patientenverfügungen sind gerade medizinisch-pflegerisch eine Herausforderung, weniger juristisch.

WDR.de: Muss man auch das Thema Organspende in die Verfügung einbeziehen?

Diehl: Auf jeden Fall. Viele Menschen laufen mit einem Organspenderausweis durch die Gegend und haben gleichzeitig eine Patientenverfügung, die bei Irreversibilät die weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen ausschließt. Da haben wir dann einen vermeidbaren Konflikt generiert, denn als Organspender komme ich ja nur in Betracht, wenn ich mich auch zur Aufrechterhaltung lebenserhaltender Maßnahmen bis zum Hirntod bereit erkläre.

Richtige Patientenverfügung

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 12.03.2019 06:10 Min. Verfügbar bis 11.03.2024 WDR 5 Von WDR5

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Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 12.03.2019, 17:01

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