Passfotos nur bei der Behörde - was soll das?

Passfotos nur bei der Behörde - was soll das?

Von Oliver Scheel

  • Staatliche Aufsicht beim Passfoto?
  • Innenminsterium will Bildmanipulationen vorbeugen
  • Einzelhandel läuft Sturm gegen Gesetzentwurf

Wer einen neuen Personalausweis benötigt, der geht mit seinen Passfotos zur Meldebehörde. Geht es nach dem Bundesinnenministerium (BMI), dann gehört dieses Prozedere bald der Vergangenheit an. Passfotos sollen nur noch in den Behörden "in Gegenwart eines Mitarbeiters" aufgenommen und "elektronisch erfasst werden", heißt es in einem Gesetzentwurf.

Warum soll eine Neuregelung her?

Die Neuregelung ist laut BMI nötig, um Bildmanipulationen durch das sogenannte Morphing vorzubeugen. Dabei werden mehrere Fotos digital zu einem Gesicht verschmolzen. "Ist ein auf dem Pass enthaltenes Lichtbild auf diese Weise manipuliert, kann nicht nur der Passinhaber, sondern unter Umständen auch eine dritte Person den Pass zum Grenzübertritt nutzen", so der Gesetzentwurf.

"Indem das Foto in der Behörde aufgenommen und anschließend in einen hochsicheren Ausweis aufgedruckt wird, kann dem Lichtbild im Ausweis ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht werden", teilte das Ministerium auf WDR-Anfrage am Mittwoch (08.01.2020) mit. Der Gesetzgeber müsse schließlich der Sicherheit von Passdokumenten Rechnung tragen.

Gab es schon Missbrauch?

Den Sicherheitsbehörden sind drei Fälle von gemorphten Lichtbildern in Reisedokumenten bekannt, davon einer in Zusammenhang mit einem deutschen Reisepass. "Die Funktion des Passes und des Personalausweises als Dokument zur Identitätsfeststellung ist damit im Kern bedroht", schreibt das Ministerium. "Bei Grenzkontrollen detektierte Einzelfälle belegen das Risiko." Zudem gebe es eine nicht verifizierbare Dunkelziffer.

Was sagt der Einzelhandel?

Nemačka lična karta viri iz džepa

Der Einzelhandel läuft Sturm gegen die Neuerung, die nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft treten könnte. "Da die Fotohändler mit der Erstellung der Passbilder nicht nur den höchsten Deckungsbeitrag erzielen, sondern dieser Service auch maßgeblich für Kundenfrequenz in den Geschäften sorgt, würde dieser Plan Millionenumsätze im Handel vernichten", schrieben zwei Handelsverbände in einem kritischen Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU). Angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel stelle dies eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen dar.

Steffen Kahnt vom Bundesverband "Technik des Einzelhandels" sagte dem WDR, man arbeite an einem Gegenvorschlag, nachdem die Fotostudios die Bilder weiterhin machen dürfen und dann an die Behörden weiterleiten.

Welche Erfahrungen haben die Städte und Kommunen?

In mehreren Städten gibt es bereits Terminals für Fotos bei der Behörde. Zum Beispiel in Dortmund, Siegen und Aachen. Die Stadt Aachen nutzt es schon seit Ende 2016. "Es ist aus einem reinen Servicegedanken entstanden. Wir verpflichten den Bürger nicht dazu, das Terminal zu nutzen. Er muss dann eben nicht zum Fotografen", sagte Linda Plesch vom Fachbereich Presse und Marketing der Stadt Aachen dem WDR.

Das Bild kostet 4,50 Euro, erstellt werden drei Bilder. "Eines sucht der Bürger aus, das wird an die bearbeitenden Mitarbeiter direkt auf den Computer geschickt", so Plesch. Das Terminal werde von den Bürgern auch angenommen.

Stand: 08.01.2020, 12:47

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