Ex-AfD-Chef Meuthen zu seinem Austritt: "Keine Zukunft mehr"

Stand: 29.01.2022, 10:03 Uhr

Am Freitag hat Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen seinen Austritt aus seiner Partei erklärt. Im WDR-Interview am Samstag erklärte er diesen Schritt: Er gebe "dem ganzen Projekt keine Zukunft mehr".

Mit seinem Austritt aus der AfD am Freitag legte Jörg Meuthen auch den Parteivorsitz mit sofortiger Wirkung nieder. Er sei als Parteichef gescheitert, so sein Fazit nach sechs Jahren an der Spitze der AfD. Bereits im Herbst hatte Meuthen angekündigt, nicht mehr für den Vorsitz der Partei kandidieren zu wollen.

So wie sich die Partei entwickele, gebe er "dem ganzen Projekt keine Zukunft mehr", sagte der gebürtige Essener am Samstag im "Morgenecho" bei WDR5. "Ich habe versucht, die AfD in eine andere Richtung zu bewegen", so Meuthen. "Damit bin ich gescheitert."

"Es ist nicht gelungen, das so weit unter Kontrolle zu halten, dass man sagen kann, die AfD geht den Weg einer konservativ-freiheitlichen Partei, die sie doch eigentlich sein will, jedenfalls nach meiner festen Überzeugung und Beobachtung nicht." Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen

Politologe über AfD: "Meuthen war Geschöpf der Medien"

WDR 5 Morgenecho - Interview 29.01.2022 05:39 Min. Verfügbar bis 29.01.2023 WDR 5


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Meuthen: "Herz der Partei schlägt sehr weit rechts"

"Das Herz der Partei schlägt heute sehr weit rechts und es schlägt eigentlich permanent hoch", wie Meuthen in einem anderen Interview am Freitag dem WDR sagte. Gerade in der Corona-Politik habe die AfD etwas Sektenartiges entwickelt. Eine Zukunft für die Partei sehe er nur als ostdeutsche Regionalpartei.

Politikwissenschaftler Wolfgang Schröder sagte über Meuthens Austritt im "Morgenecho": "Seine wirkliche Fähigkeit war das Reden, und die Funktion für die Partei, die er jetzt über Jahre wahrgenommen hat, war die Selbstverharmlosung der AfD. All das, was er jetzt beklagt, gab es natürlich schon seit vielen Jahren."

AfD-Vizechefin Weidel reagierte mit scharfer Kritik

Der AfD-Bundesvorstand teilte am Freitagnachmittag mit, dass Meuthens Austritt "zur Kenntnis" genommen werde. Man danke Meuthen "für die Weiterentwicklung der AfD als einzige Oppositionspartei in Deutschland". AfD-Vizechefin Alice Weidel reagierte schärfer: Dass Meuthen "die Partei, der er lange vorgestanden ist, mit Schmutz bewirft, spricht nicht von Charakter", sagte sie den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung.

Im ZDF bewertete der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla am Abend Meuthens Austritt positiv. Den Vorwurf, dass die AfD zu weit rechts sei, wies er zurück. Die AfD werde "gestärkt und auch erfolgreicher" aus dieser Situation herausgehen.

Kurz zuvor gab Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach per Twitter bekannt, dass sie der AfD beitreten wolle. Als Gründe nannte sie unter anderem den "nicht nachvollziehbaren Austritt Jörg Meuthens", der ein "Schlag ins Gesicht" der Parteianhänger sei. 2017 war Steinbach aus der CDU ausgetreten - mit einer Kritik an der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel.

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Meuthen will politisch aktiv bleiben

Meuthen will auch nach seinem AfD-Austritt politisch aktiv bleiben, sein Mandat als Abgeordneter im Europaparlament in der rechtspopulistischen Fraktion "Identität und Demokratie" will er behalten. Außerdem ist er bereits in anderen Gesprächen für seine politische Zukunft. Mit wem er spricht, wollte er auf Anfrage nicht sagen. Dies werde sich in Kürze klären, so Meuthen.

Meuthen steht politisch wegen Spendenaffäre unter Druck

Er steht aktuell auch politisch unter Druck, weil seine Immunität im Europaparlament wegen Ermittlungen zu seiner Spendenaffäre aufgehoben werden soll. "Ich finde es richtig, dass diese Immunität aufgehoben wird. Dann kann endlich ermittelt werden. Ich wünsche mir, dass diese substanzlosen Vorwürfe, die im Raum stehen, endgültig ausgeräumt werden", so Meuthen im WDR-Interview.

Meuthen war 2013 in die AfD eingetreten und wurde im Sommer 2015 nach dem Abgang des Parteimitgründers Bernd Lucke Bundessprecher. Zunächst führte er die AfD mit Frauke Petry, dann mit Alexander Gauland und zuletzt mit Tino Chrupalla.

Meuthen hatte früher immer wieder selbst mit dem vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Flügel taktiert - vor zwei Jahren begann er jedoch, sich gegen den Flügel und seine Vertretenden zu wenden.

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