Papst lehnt Rücktrittsangebot von Kardinal Marx ab

Kardinal Marx

Papst lehnt Rücktrittsangebot von Kardinal Marx ab

Der Papst hat den Rücktritt des Münchner Erzbischofs, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt. Das schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Papst Franziskus hat den Münchner Erzbischof, Kardinal Marx, aufgefordert, weiter im Amt zu bleiben. In einem Brief an Marx, den der Vatikan am Donnerstag veröffentlicht hat, schreibt er: "Das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising." Das bedeutet, dass Marx weiter im Amt bleiben muss - und weiterhin die Mitverantwortung für den Umgang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche übernimmt.

Marx wollte Verantwortung übernehmen

Diese Mitverantwortung hatte Marx als Begründung für sein Rücktrittsgesuch angeführt. In seinem Brief, den er am 21. Mai dem Papst schickte und am 4. Juni publik machte, schrieb er, dass er "Mitverantwortung für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten" tragen wolle. Der Papst antwortete jetzt: "Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist."

Kirchenrechtler: Papst will Reformen anstoßen

Kirchenrechtler Thomas Schüller

"Ein Aufruf zu Reformen": Kirchenrechtler Thomas Schüller

Dass der Papst Marx' Gesuch abgelehnt habe, sieht der Kirchenrechtler Thomas Schüller als einen Aufruf zu Reformen. "Die Botschaft: Wir können vor der strukturellen Sünde und Schuld des sexuellen Missbrauchs nicht fliehen, sondern müssen ihr gemeinsam ins Auge schauen." So bleibe der Kardinal ein wichtiger Begleiter des Papstes. Marx werde nun im Amt mit seinen Fehlern im Umgang mit Missbrauchsfällen konfrontiert. Das sei schmerzlich, so Schüller weiter, "aber der Papst erspart Marx nicht diesen Gang".

Maria 2.0: Die Entscheidung ist wegweisend

TeilnehmerInnen der Reformbewegung Maria 2.0 protestieren mit Schildern auf dem Domplatz vor dem Dom in Münster.

Maria 2.0: Für Priesterinnen und gegen das Pflichtzölibat

Bei den Laien fielen die Reaktionen gemischt aus. Maria Mesrian von der Initiative "Maria 2.0", die sich für tiefgehende Reformen in der Kirche einsetzt, hält Franziskus' Brief für "wegweisend. Er sagt: Es sind nicht die Gutachten und nicht die Macht der Institutionen, die uns in die Zukunft führen, sondern es wird die Kraft der Reformen sein." Weiter sagte sie dem WDR: "Mea Culpa, mea culpa, das wurde schon zu oft gesagt. Der Papst fordert hier ganz eindeutige Schritte in die richtige Richtung."

Betroffene: Der Papst hat keinen Überblick

"Schockiert" zeigte sich dagegen Patrick Bauer, ehemals Mitglied des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln, das er unter Protest verlassen hatte. Er sei über den Satz gestolpert, "wie die Kirche bis vor Kurzem mit den Missbrauchsfällen umgegangen ist". Es ginge darum, wie die Kirche heute noch damit umgehe. Der Papst habe offensichtlich keinen echten Überblick darüber, wie die Situation heute sei.

Anerkennung für das Angebot, Kritik an Woelki

Für seinen Schritt, mit dem er seinen eigenen Worten zufolge den Weg für einen Neuanfang frei machen wollte, hatte Marx von vielen Menschen Anerkennung erhalten. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, Marx habe "Wegweisendes für die Kirche und weltweit geleistet". Auch der "Eckige Tisch", eine Initiative von Missbrauchsopfern, lobte Marx dafür, "dass endlich ein Bischof in Deutschland in der Ich-Form spricht und Verantwortung übernimmt".

Die Kardinäle Marx und Woelki sitzen nebeneinander auf einer Kirchenbank

Zwei Kardinäle auf unterschiedlichen Wegen: Woelki und Marx

Gleichzeitig wurde Unverständnis laut: Nicht er müsse zurücktreten, sondern eher der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, dem Fehler im Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen in der Erzdiözese vorgeworfen werden. Dieser lehnt einen Rücktritt aber bisher ab.

Reformfreudiger Erzbischof

Marx war Bischof von Trier und bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und hat die angestrebten Reformen in der katholischen Kirche in Deutschland forciert. Der Prozess des "Synodalen Weges", der unter anderem Laien mehr Mitspracherechte geben soll, wird allerdings nicht von allen Amtsbrüdern mitgetragen und ist ins Stocken geraten.

Stand: 10.06.2021, 16:05

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